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Böttcher: "Das Klinikum ist mein zweites Zuhause"

UKGM-Betriebsratschefin Böttcher: "Das Klinikum ist mein zweites Zuhause"

Sie spricht offen über ihre Krebserkrankung. Die neu gewählte Betriebsrätin möchte sich für den Gesundheitsschutz ihrer Kollegen und die Patienten am UKGM einsetzen.

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Bettina Böttcher ist Betriebsratschefin. Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie hat sich äußerlich verändert, trägt jetzt eine Kurzhaarfrisur. Sie wirkt nachdenklicher, macht Sprechpausen und wiederholt Aussagen, die ihr wichtig sind. Bettina Böttchers Ansichten aber haben sich nicht geändert. Nach wie vor möchte sie für die Belange der Mitarbeiter, die am UKGM beschäftigt sind, eintreten. Dass sie am Mittwoch wieder zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt wurde, haben viele erwartet. Für sie persönlich war dies aber keine Selbstverständlichkeit. Bis vor zirka zwei Wochen war Bettina Böttcher noch arbeitsunfähig. Sie fehlte fast anderthalb Jahre. Im Gespräch mit der OP berichtet die 54-Jährige, dass die Diagnose Brustkrebs ihr Leben veränderte. Natürlich habe sie schon vorher gewusst, wie wichtig ein seelsorgerisches Gespräch sei. Doch nun hat sie es selbst erfahren: Die ehemalige Wäscherei-Angestellte und Betriebsratsvorsitzende hat ihre Arbeitsstelle, das Klinikum, als Patientin erlebt. „Viele haben aber Berührungsängste“, erklärt sie. Natürlich habe sie sich zunächst gefragt, ob sie tatsächlich ins Marburger Klinikum soll, dort, wo sie alle kennen. Sie entschied sich, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen.

„Das Klinikum ist mein zweites Zuhause. Es gibt eine Licht- und eine Schattenseite, die beide zum Leben dazu gehören“, sagt sie. Trotz der Rahmenbedingungen am UKGM, die sie als Betriebsrätin für verbesserungswürdig hält, könne sie als Patientin nicht klagen. Im Gegenteil: Die interdisiziplinäre Chemotherapie, die Teams der Gynäkologie und die Strahlentherapie hätten ihr sehr geholfen. „Mir wurde bewusst, dass ich mit den Menschen, die am Klinikum arbeiten, sehr verbunden bin, dass ich alle sehr schätze“, sagt sie leise.

Ein Beispiel: Der Frisörsalon im Klinikum. Für Frauen, die nach einer Chemotherapie die Haare verlieren, sei die Beratung mehr als eine käufliche Dienstleistung. Seelsorgerliche Gespräche führe die Frisörin, die Pflegerin, die ausgebildete Seelsorgerin. „Derjenige, der das Bett schiebt, ist genauso nah am Patienten, wechselt Worte mit ihm, wie der Arzt“, sagt Bettina Böttcher. „Dass das Unternehmen zwischen patientenfernen und patientennahen Berufen unterscheidet“, hat der Betriebsrat schon immer kritisiert. Jetzt erst recht, sagt Böttcher.

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