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Blindes Vertrauen wird bestraft

Aus dem Gericht Blindes Vertrauen wird bestraft

Weil er durch seinen Schwager vermittelte 
Arbeitskräfte schwarz beschäftigt haben soll, wurde ein Kirchhainer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Durch Schwarzarbeit soll den Sozialkassen ein Schaden in Höhe von mehr als 90.000 Euro entstanden sein.

Quelle: Boris Roessler

Marburg. Am Montag musste­ sich ein 49 Jahre alter Selbstständiger aus Kirchhain vor Gericht verantworten, der von November 2009 bis November 2011 in mehreren Fällen Schwarzarbeiter auf Baustellen eingesetzt haben soll.

Der Vater von vier Kindern hatte seit 2004 einen kleinen Betrieb für Gebäudereinigung, Sanierungen und Gartenlandschaftsbau aufgebaut, in dem aber neben ihm selbst lediglich ein bis zwei Personen dauerhaft beschäftigt waren. „Ich habe immer viel selbst gemacht und je nach Auftragslage zusätzlich Leute zeitweise eingestellt oder über Subunternehmer eingesetzt, das war aber immer offiziell und die wurden auch ordentlich bezahlt“, gab der Mann vor Gericht an.

Erst als ihm sein Schwager günstigere Arbeitskräfte vermittelte, sei es im besagten Zeitraum zu Problemen gekommen, wobei auch die Arbeiten dieser ihm selbst neuen Subunternehmen zunächst tadellos ausgeführt wurden.

„Ich habe meinem Schwager­ vertraut, immerhin ist das ­Familie, und ich habe auch ein Mal ein Auto von einer Firma gesehen, die er genannt hatte. Ob diese Leute dann angemeldet waren oder nicht, oder ob es diese Firmen gab oder er die Arbeiter einfach so bezahlt hat, weiß ich nicht.“

Schwager kann nicht als Zeuge gehört werden

Die Ermittlungen des Zolls, die seit dem Jahr 2013 laufen, kamen im Hinblick auf die Firmen bislang zu dem Ergebnis, dass die Existenz einer Firma zweifelhaft ist und eine andere kurzfristig aufgelöst wurde.

Insgesamt belaufe sich der Schaden an nicht gezahlten Abgaben in den zwei Jahren auf mehr als 90.000 Euro, außerdem stand neben der Veruntreuung­ noch durch den Sonderstatus­ der Unfallversicherung der Bauwirtschaft der Vorwurf des ­Betrugs zur Verhandlung.

Derzeit hält sich der Schwager im Ausland auf und die Aussichten stehen schlecht, dass er in nächster Zeit nach Deutschland zurückkehrt, wobei der ­Angeklagte Probleme mit dem Visum als Ursache nannte.

Schlussendlich einigten sich Rechtsanwalt und Staatsanwalt darauf, dass der Angeklagte die Schwarzarbeit zumindest billigend in Kauf genommen hatte und nicht ausreichend überprüfte, ob die Angestellten qualifiziert und angemeldet waren.

Richter Rohner und die Schöffen verurteilten den Mann schließlich zu sechs Monaten Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. In dieser Bewährungsfrist muss der Verurteilte monatlich 50 Euro als Wiedergutmachung zahlen – die Summe könne bei steigendem Einkommen erhöht werden. Die Firma befinde sich derzeit in der Krise, da durch die Ermittlungen wichtige Auftraggeber weggefallen seien, dennoch will der Selbstständige den Betrieb nicht aufgeben.

von Marcus Hergenhan

 
 
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