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Bildungsträger sollen Flüchtlinge schulen

Sprachkurse Bildungsträger sollen Flüchtlinge schulen

Zur Integration der Flüchtlinge kommt der Sprache eine Schlüsselfunktion zu. Daher fördert die Arbeitsagentur nun Sprachkurse - allerdings befristet bis zum 31. Dezember.

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Oben: Flüchtlinge nehmen in Germersheim an einem Sprachkurs teil. Für die flächendeckende Einführung der Kurse stehen nun zusätzliche Mittel zur Verfügung, mit denen auch die heimischen Bildungsträger (rechts) Sprachkurse anbieten sollen.

Quelle: Uwe Anspach

Marburg. Am Donnerstag informierte auch die Marburger Agentur für Arbeit Vertreter von heimischen Bildungsträgern über die Neuregelung - während parallel im Bundestag die neue Gesetzgebung beschlossen wurde.

„Das Thema Flüchtlinge bewegt die Bundesagentur für Arbeit schon sehr heftig“, sagte Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur. Gemeinsam mit dem Landkreis habe man das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge und Migranten eingerichtet, zudem biete man in dieser Konstellation auch das Projekt „Voice“, bei dem Flüchtlinge unter anderem einen Einblick in den Arbeitsmarkt erhalten. „Da sind wir also stark in Bewegung“, so Breustedt.

Bundesagentur schließt bundesweit vier Standorte

Zudem habe die Bundesagentur ihre Studierenden gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in einer Ersteinrichtung oder direkt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zu arbeiten. „Sie haben ja gesagt und sind seit Anfang der vergangenen Woche dort im Einsatz - so schnell geht es und Sie können daran erkennen: Durch den Wechsel an der Spitze des Bamf hat sich auch bei uns einiges bewegt“, so Breustedt.

Zudem schließe die Bundesagentur bundesweit vier Standorte, an denen Sachbearbeitung betrieben werde, „nageln ein anderes Schild mit dem Titel ,Bamf‘ obendran für mehrere hundert Mitarbeiter von uns, switchen die PCs um - und dann werden diese Mitarbeiter für das Bamf tätig sein“.

Die Flüchtlingsfrage habe also einen gewissen „Drive“ bekommen. „Und diesen Drive wollen wir jetzt auch in PS auf die Straße bringen - indem wir flächendeckend Sprachkurse anbieten“, so Breustedt. Dazu benötige man die heimischen Bildungsträger, „denn wir können es nicht selber machen - wir werden es nur bezahlen“.

Breustedt betont Bedeutung von Sprachkenntnissen

Man gehe davon aus, mit diesem Programm etwa 100000 Menschen bundesweit zu erreichen, für den Landkreis schätzt die Arbeitsagentur, dass bis zu 400 Asylbewerber Sprachkurse absolvieren könnten. Finanziert werden die Kurse durch Mittel der Bundesagentur von gut 120 Millionen Euro.

Sprache als Schlüssel für die Integration

Breustedt betont: „Wer hier arbeiten will, muss ausreichend Deutsch sprechen und verstehen können - etwa, um eine Arbeitsanweisung verstehen und umsetzen zu können. Und wer schnell Deutsch lernt, wird sich auch schnell an seine neuen Lebensumstände anpassen können.“ Sprachkenntnis sei sehr wichtig, denn sie ermögliche den Asylbewerbern, „in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt anzukommen und sich zu entwickeln“, so der Agenturleiter.

Profitieren können von den Sprachkursen Personen, die wahrscheinlich dauerhaft in Deutschland bleiben und noch nicht an einem Integrationskurs oder Sprachkurs des Bamf teilgenommen haben.

Agentur für Arbeit setzt auf heimische Bildungsträger

Basis dafür ist die zeitlich begrenzte Rechtsänderung im SGB III, die Teil des gestern beschlossenen Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzes ist. Diese Änderung macht es der Arbeitsagentur bundesweit möglich, zeitlich begrenzt Sprachkurse für Flüchtlinge zu fördern: Nämlich vom 1. November bis zum 31. Dezember als Kursbeginn.

Die Zeit drängt also - daher waren am Donnerstag Vertreter der heimischen Bildungsträger eingeladen worden. Auf diese setzt die Agentur für Arbeit nämlich - und die Bildungsträger müssen sich auch um die Akquise der Teilnehmer selbst kümmern.

 „Deshalb ist uns der informative Austausch mit vielen bekannten Bildungsträgern wichtig, und natürlich können im Landkreis alle zugelassenen Bildungsträger Sprachkurse anbieten, damit möglichst vielen Flüchtlingen die deutsche Sprache zügig gelehrt werden kann“, verdeutlicht Breustedt.

Keine Nachteile für Arbeitssuchende

Pro Teilnehmer wird der Kurs 220 Stunden umfassen und soll mit dem Zertifikat „A1“ abschließen - das qualifiziere für ein Grundverständnis. Seitens Arbeitsagentur werden Lehrgangs- und Fahrtkosten finanziert.

Die Marburger Arbeitsagentur weist darauf hin, dass für andere Arbeitsuchende keine Nachteile entstehen würden, da die Sprachkurse aus der sogenannten „Interventionsreserve“ der Bundesagentur für Arbeit freigegeben wurden.

Die Marburger Arbeitsagentur weist darauf hin, dass sich auch weitere zugelassene Bildungsträger melden können, um Sprachkurse anzubieten. Außerdem können sich Asylbewerber direkt bei den Bildungsträgern informieren.

Eine Liste der Bildungsträger im Landkreis findet sich im Internet unter http://www.marburg.de/sixcms/media.php/20/Integrationskurstr%E4ger%202015.pdf

von Andreas Schmidt

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