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Arbeitsmarkt startet belebt in den Herbst

Bilanz September Arbeitsmarkt startet belebt in den Herbst

„Die Kurzversion lautet: alles gut“, kommentierte Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur, die aktuellen 
Arbeitsmarktdaten. 4639 Menschen im Landkreis sind arbeitslos – 340 weniger, als im Jahr zuvor.

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Die Arbeitslosenquote sinkt im Landkreis auf 3,5 Prozent.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Marburg. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum September vergangenen Jahres um 0,3 Punkte auf 3,5 Prozent, „das sind 6,8 Prozent weniger Arbeitslose als im Vorjahr“, verdeutlichte Breustedt. Deutlich hat sich die Herbstbelebung auch im Landkreis niedergeschlagen: Im Vergleich zum August waren 318 Menschen weniger ohne Job.

Bei der niedrigen Arbeitslosenquote könne man „langsam von Vollbeschäftigung“ reden, so Breustedt. Vor allem im Hinterland, denn dort sank die Quote binnen Jahresfrist um 0,5 Punkte auf 3 Prozent – 964 Menschen sind dort ohne Arbeit. Dennoch dürfe man nicht die Zahl der Unterbeschäftigten vernachlässigen: Als unterbeschäftigt werden Personen bezeichnet, die als nicht arbeitslos gelten, weil sie entweder erkrankt oder Teilnehmer an einer sogenannten „Maßnahme“ sind. Das waren im September 7147 Menschen.

Wie bereits in den vergangenen Monaten setzte sich die Tendenz fort, dass durch die Anerkennung von Asylanträgen viele Ausländer ihren Status wechseln konnten: Sie fallen nicht mehr in die Zuständigkeit der Arbeitsagentur, sondern in die des Kreisjobcenters. Das spiegelt sich auch in der ­Arbeitslosenzahl der Ausländer­ in der Versichertengemeinschaft wider: gegenüber September 2016 wurden 247 oder 52,4 Prozent weniger ausländische ­
Arbeitslose gezählt. Beim Kreisjobcenter stieg deren Zahl indes binnen Jahresfrist um vier an. Gleichwohl sei die Zahl der arbeitslosen Ausländer, die rund ein Viertel aller arbeitslos Gemeldeten ausmacht, gesunken: um 243 Personen auf 1122 – ein Rückgang um 17,8 Prozent.

645 neue Arbeitsstellen gemeldet

„Rund 60 davon sind in Maßnahmen, die die Arbeitslosigkeit unterbrechen, einige sind weggezogen“, so Breustedt, „aber viele sind auch in sozialversicherungspflichtige Arbeit gegangen“. 818 Ausländer hätten im Vergleich zum Vorjahresmonat eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angenommen – ein Plus von rund 12 Prozent bei der Ausländerbeschäftigung. „Es kann keiner sagen, dass Ausländer per se kein Potenzial für den Arbeitsmarkt sind“, verdeutlicht Breustedt, die Zahlen bewiesen das Gegenteil.

Neu arbeitslos meldeten sich im Landkreis 1213 Personen, 149 Personen oder rund 11 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gegenüber August waren es 267 Personen oder 18 Prozent weniger. Zuvor erwerbstätig waren 477 Personen gewesen.

Gleichzeitig konnten sich 1537 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 175 oder 10,2 Prozent weniger als im September vergangenen Jahres und 180 oder 13,3 Prozent mehr als im vergangenen August. Für 420 Personen endete die Arbeitslosigkeit mit Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. 645 neue Arbeitsstellen wurden der Arbeitsagentur im September gemeldet, das waren 306 oder 32,2 Prozent weniger als vor einem Jahr und 51 oder 8,6 Prozent mehr als einen Monat zuvor. „Das ist schon der zweite Monat in Folge, wo uns weniger Stellen gemeldet wurden – das müssen wir im Auge behalten, ob sich diese Zahlen verfestigen und eventuell ein Trend zu erkennen ist“, sagte Volker Breustedt.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das Kreisjobcenter (KJC) Marburg-Biedenkopf betreut (Rechtskreis SGB II) ist im September leicht gesunken. Das KJC weist in seiner aktuellen Statistik 2919 ­erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 189 Personen oder 6,1 Prozent weniger als noch in ­Vormonat. Gegenüber September vergangenen Jahres sank die Zahl der Arbeitslosen um 30 Personen oder 1,0 Prozent. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den ­zivilen ­Erwerbspersonen liegt bei 2,2 Prozent – 0,1 Punkte niedriger, als im Vorjahr.

Langzeitarbeitslose: Priorität auf Qualifizierung

„Mit der Herbstbelebung ­sowie dem Ende der Sommerferien ist die Arbeitslosigkeit im September wieder zurückgegangen. Viele Schulabgänger haben zum September mit einer Ausbildung begonnen. Das ist der richtige Einstieg ins ­
Berufsleben“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow.
Am Arbeitsmarkt komme es auf eine gute Qualifikation an. „Wer keinen passenden Berufsabschluss hat, findet deutlich schwerer eine Arbeit. Für uns hat daher auch die Qualifizierung von Arbeitslosen Priorität“, so Zachow.

„Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung der Arbeitslosenzahl ist, dass die weiterhin steigende Zahl der anerkannten Flüchtlinge im SGB II sich bislang nicht stärker in der Arbeitslosenstatistik niedergeschlagen hat. Viele der Asylbewerber nehmen derzeit an Sprach- sowie Integrationskursen teil. Sie werden zwar vom Kreisjobcenter betreut, zunächst jedoch nicht als Arbeitslose eingestuft“, erläutert der Dezernent. Zähle­ man sie und andere Teilnehmer beruflicher Aus- und Fortbildungsprojekte hinzu, läge die Zahl der Arbeitslosen im September deutlich höher.

Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 92 oder 1,3 Prozent auf 6975 zurück. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen deutlichen Anstieg um 611 oder 9,6 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sank im Vergleich zum August ebenfalls: Um 89 Personen oder 1,0 Prozent auf 9123. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 11,0 Prozent über dem Wert des Vorjahres – das ist ein Anstieg um 901 Personen. Insgesamt befanden sich zum Stichtag im September 1577 Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

von Andreas Schmidt

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