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Betrugsverdacht gegen Nano Repro

Vorwurf: falsche Zertifikate Betrugsverdacht gegen Nano Repro

Ein französisches Unternehmen hat die Marburger Firma Nano Repro auf Schadensersatz, unter anderem wegen falscher Kennzeichnung von Schnelltests, verklagt. Im Raum steht auch ein Strafverfahren wegen Betrug.

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Nano Repro vertreibt seine verschiedenen Schnelltests auch im Ausland (hier für den russischen Markt). Eine französische Firma fühlt sich von dem Marburger Unternehmen betrogen.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. In einem Zivilgerichtsverfahren vor dem Marburger Landgericht hat die französische Firma „Le Complément Alimentaire“ einen finanziellen Ausgleich für das Fehlverhalten des Marburger Unternehmens Nano Repro zugesprochen bekommen.

Nano Repro hatte PSA (Prostataspezifisches Anliegen)-Schnelltests mit falschen Beipackzetteln nach Frankreich geschickt. Auch das CE-Siegel war ohne tatsächliche Zertifizierung durch den TÜV auf den Verpackungen aufgedruckt. Um diese Kennzeichnung zu erhalten, wurden möglicherweise falsche Unterschriften durch Vorstandsmitglieder von Nano Repro geleistet.

Die Staatsanwaltschaft prüfe ein Ermittlungsverfahren zu diesem Sachverhalt, teilt die Klägerseite mit. Laut des Gerichtsprotokolls leugnen die Führungskräfte des Unternehmens aber, von einem solchen Vorgang gewusst zu haben. Laut Paragraph 9 des deutschen Medizinproduktegesetzes besteht eine CE-Kennzeichnungspflicht. Auf Verstoß gegen diese stehen strafrechtlich bis zu drei Jahren Haft.

Das Unternehmen möchte gegenüber der OP zu den erhobenen Vorwürfen keine Stellung beziehen und verweist auf das laufende Verfahren. Gegen das zivilgerichtliche Urteil hat Nano Repro jedoch keine Berufung eingelegt und den zunächst zugesprochenen Betrag von 9050 Euro plus Zinsen bereits überwiesen, wie Carsten Dalkowski, Anwalt der Klägerseite mitteilt.

Mögliche weitere Zahlungen stehen noch aus, denn die endgültige Summe der Ausgleichszahlung ist noch nicht festgelegt worden. „Dafür müssen aus juristischen Gründen zunächst noch französische Quittungen übersetzt werden“, erläutert Dalkowski. Ursprünglich hatte die französische Firma auf eine Gesamtsumme von mehr als 145.000 Euro geklagt – ein Anteil in Höhe von rund 49.000 Euro wurde jedoch abgewiesen.

Über 90.500 Euro wird noch gestritten

Zustande gekommen ist der Auftrag von Le Complément Alimentaire durch dessen deutschen Geschäftsführer Axel Rückert, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Kommunikationsunternehmens Debitel. Rückert war durch die räumliche Nähe zu Frankfurt auf das Marburger Unternehmen aufmerksam geworden und wollte dessen Selbsttests für verschiedene Bereiche (PSA-, Cholesterin- und Heliobacterschnelltests) in Frankreich vertreiben. Aus der ersten Lieferung von 50 falsch verpackten PSA-Schnelltests im Oktober 2011 entstand die Aufwandsentschädigungssumme von 9050 Euro, die nun beglichen wurde.

Weitere 90.500 Euro Schadensersatzforderung stammen aus der falschen Zertifizierung des PSA-Schnelltests „Prostaquick“ und wurden Le Complément Alimentaire dem Grunde nach zugesprochen. Aufgrund der nicht in Deutsch vorliegenden Quittungen könne sich dies noch hinziehen, sagt Dalkowski. Beide Parteien werden nun möglicherweise in Vergleichsverhandlungen eintreten, wobei die Franzosen im Prinzip auf die volle Summe pochen würden, so Dalkowski.
Werbungskosten und ähnliche Aufwendungen in Höhe von zirka 49.000 Euro wurden hingegen von der Handelskammer abgewiesen, da zu dem Zeitpunkt dieser Ausgaben bereits Bedenken bezüglich der Produkte bestanden.

Laut Dalkoswki habe sein Mandant Rückert es so empfunden, dass Nano Repro sein Produkt „im Ausland als Topseller in Deutschland“ angepriesen habe. Das tatsächliche Auftreten gegenüber Geschäftpartnern „konterkariert aber die offensive Öffentlichkeitsarbeit, die Nano Repro macht“.

von Peter Gassner

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