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Betrüger machte „eins zu eins“ weiter

Aus dem Schöffengericht Betrüger machte „eins zu eins“ weiter

Er zockte Kunden wie Auftraggeber mehrfach ab, und das nicht zum 
ersten Mal. Den Ausgang seines Betrugsverfahrens überraschte vor Gericht kaum noch jemanden.

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Wegen mehrerer Fälle gewerbsmäßigen Betrugs musste sich ein Makler vor Gericht verantworten.

Quelle: Andrea Warnecke / dpa

Marburg. Mit dem Ziel, sich die eigenen Taschen zu füllen, drehte der Makler seinen einkommensschwachen Kunden unnötige wie unbezahlbare 
Versicherungen an. Mit seiner Masche hatte er bereits in der Vergangenheit Erfolg. Mit einer Gesamt-Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten zog das Marburger Schöffengericht endgültig einen Schlussstrich unter die Aktivitäten des Betrügers.

Über Jahre hinweg war der angeklagte Fachmann für verschiedene Versicherungsgruppen auf dem regionalen Branchenmarkt unterwegs, vermittelte regelmäßig Versicherungsverträge seiner Kunden an die Agenturen. Für seine Arbeit erhielt er Vermittlungsprovisionen, die er vertragsrechtlich im Falle einer fristgerechten Stornierung hätte zurückzahlen müssen.

Gegen die Vereinbarung verstieß der Mann mehrfach, strich die Gewinne in dem Wissen ein, dass die Verträge von seinen zahlungsunfähigen Kunden aufgelöst werden würden. Und er setzte noch einen drauf: Die Versicherungen schwatzte der wortgewandte Vermittler gerade einkommensschwachen oder älteren Versicherungsnehmern auf, scheinbar gezielt in der Annahme, dass diese entweder selber stornieren oder von seinen Auftraggebern gekündigt werden. Anschließend bot er wieder neue Verträge an. Diese erwiesen sich zum Teil als ebenso über den finanziellen Möglichkeiten der Kunden.

Amtgericht hatte 2013 Berufsverbot erteilt

Wegen sieben Fällen von gewerbsmäßigem Betrug zwischen den Jahren 2011 und 2013 hatte sich der Mann nun zu verantworten. Vor Gericht gab sich der hoch verschuldete Angeklagte geläutert und räumte die umfangreichen Vorwürfe vollständig ein. „Alles gebe ich zu“, sagte der 53-Jährige, auch in Hinblick auf seine Vergangenheit und zwei einschlägige Vorstrafen.

Denn: Der Gipfel des Ganzen zeigte sich beim Verlesen eines früheren Urteils: Ausüben durfte der Mann seinen gelernten Beruf zum Tatzeitraum nicht mehr, dies hatte ihm das 
Amtsgericht in einem früheren Verfahren 2013 untersagt. 
Damals ging es um 15 Betrugsfälle mit ähnlicher Verkaufsmasche.

Gegen die Bewährungsauflage verstieß er. Selbst zuvor hatte er keine Erlaubnis, ein Gewerbe zu betreiben, befand sich vielmehr mitten in einem Insolvenzverfahren. Beide Male arbeitete er trotz Berufsverbot weiter, ließ seine Auftraggeber wie das Gericht darüber im Dunkeln. „War Ihnen nicht klar, dass das gewaltig schief gehen kann?“, wollte der Vorsitzende Richter Dominik Best wissen. Natürlich war es das, anders zu helfen wusste er sich jedoch nicht, so die Antwort.

Der Hintergrund der langen Betrugsreihe reicht mehrere Jahre zurück: Seit der Trennung von seiner Ehefrau vor 16 Jahren verschlechterte sich die finanzielle Situation des Maklers zunehmend. „Vorher lief es bei mir geordnet“, erklärte der Familienvater. Und weiter: Mit einem wachsenden Schuldenberg, Streitigkeiten um Unterhalt und Sorgerecht entstanden mit der Zeit „Lebensumstände, bei denen ich nicht wusste, was ich machen sollte“.

Anklägerin würdigt Einsicht

Vor einigen Jahren gipfelte seine Krise in einem Suizidversuch, immer noch habe er Schulden im sechsstelligen Bereich. Heute wolle er jedoch endgültig mit all dem abschließen, beteuerte der Mann. Die Schuldenlast entschuldige sein Verhalten nicht, könne jedoch das ein oder andere Verhalten eines „reumütigen und einsichtigen Angeklagten“ erklären, sagte Verteidiger Oliver Koch. „Ich bin froh, dass es ein Ende hat“, ergänzte der Angeklagte, wohl wissend, dass er dieses Mal nicht mehr mit einer Bewährung rechnen konnte.

Zugute hielt die Anklagevertreterin dem finanziell schwer angeschlagenen Geschäftsmann den wachsenden Erfolgsdruck, der ihn zu seinen Taten verleitete, sowie sein volles, „von Einsicht geprägtes“ Geständnis.

Das Schöffengericht verurteilte den Mann wegen gewerbsmäßigen Betrugs in zwei Blöcken: Für vier Fälle erhielt er eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren. Hinzu kommen drei weitere Fälle inklusive des vorangegangenen Urteils von 2013, das das Gericht als Gesamtstrafe mit zwei Jahren und drei Monaten aburteilte. Da beide Seiten auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Ina Tannert

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