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Betrüger fordern Zugang zum Rechner

Abzock-Anrufe Betrüger fordern Zugang zum Rechner

Wer dieser Tage einen englischsprachigen Anruf bekommt, bei dem sich der Anrufer als Mitarbeiter von Microsoft ausgibt, der sollte nur eins tun: direkt auflegen. Denn es handelt sich um Betrüger.

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Derzeit versuchen Telefonbetrüger, die sich als Mitarbeiter von Microsoft ausgeben, die Kontrolle über den Computer zu erlangen. Außerdem fordern sie zur Zahlung von Service-Pauschalen auf. Die Polizei rät, sofort aufzulegen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Auf meinem Telefon-Display erscheint eine kryptische Nummer mit Auslands-Vorwahl. Eine Frau meldet sich, sie spricht nur englisch. Im Hintergrund höre ich Stimmengewirr, wie in einem großen Call-Center.

Die Frau behauptet, sie arbeite für Microsoft. Von meinem Rechner würden permanent Virenwarnungen bei Microsoft eingehen. Und meine Telefonnummer sei anhand der IP-Adresse des Computers ermittelt worden. Ich solle dringend eine Software zur Fernwartung installieren, damit sie die Viren entfernen könne und mein Windows wieder ordentlich funktioniere - sonst könnten hohe Schadenersatzforderungen auf mich zukommen.

Ich bin irritiert. Denn ich benutze gar kein Windows, arbeite auf einem Mac. Als ich dies der Frau mitteilte, legt sie einfach auf - und kommt mir zuvor. Denn was ich am eigenen Leib erlebt habe, geschieht derzeit dutzendweise im Landkreis: Telefonbetrüger geben sich als Microsoft-Mitarbeiter auf, fordern zur Installation einer Software auf, fragen Kreditkarten-Daten ab - um die falsche „Service-Dienstleistung“ direkt zu begleichen.

Schon mehrfach haben besorgte Leser in der OP-Redaktion angerufen, um auf die Betrugsversuche aufmerksam zu machen. Auch das OP-Sekretariat sollte schon Opfer der Betrüger werden. Und bei der Polizei sind laut Pressesprecher Martin Ahlich bereits „Anzeigen im zweistelligen Bereich“ erstattet worden.

Anrufer wollen den Zugang zum Rechner erlangen

Mal erzählen die Anrufer die Geschichte des Virenbefalls, dann bemühen sie die Mär einer abgelaufenen Windows-Lizenz oder von fehlenden Sicherheitsprogrammen. Und immer sind sie so „hilfsbereit“ und fordern zur Installation einer Software auf. Diese hat den Titel „Ammyy“, „TeamViewer“ oder „ShowMyPC“. Damit könne der mutmaßliche Techniker einen Fernwartungszugang zum PC erlangen und diesen dann angeblich reparieren kann. Das Problem dabei: Die Software ist legal und „sauber“, das heißt: Antivirenprogramme reagieren nicht auf die Installation.

Ist die Software erst installiert, steht der Rechner dem „Techniker“, also dem Betrüger, offen: Er kann den Computer fernsteuern, weitere Programme wie Spionagesoftware installieren oder auch Viren einschleusen.

Die Polizei geht davon aus, dass die Angreifer über die Software nach wertvollen Daten suchen, etwa Zugangsdaten zum Online-Banking oder Passwörter für E-Mail-Konten.

Polizeisprecher Martin Ahlich rät deshalb: „Wenn eine unbekannte Person anruft und Zugang zum Computer verlangt, sollte man auf diese Forderung auf keinen Fall eingehen. Und auch Kreditkarten-Informationen darf man niemals aus der Hand geben.“

Polizei: Nummer notieren, auflegen, anzeigen

Vielmehr solle man sich gegebenenfalls die Rufnummer notieren und danach einfach auflegen - um dann Anzeige zu erstatten. Ahlich weiß aber auch: „Da die Anrufer meist im Ausland sitzen, verläuft die Nachverfolgung dort leider oft im Sande.“

Microsoft hat ebenfalls eine Warnung ausgesprochen und empfiehlt Betroffenen, sofort Anzeige zu erstatten. Der Software-Konzern rät ebenfalls, keine Daten am Telefon herauszugeben, sondern direkt wieder aufzulegen. Das Unternehmen teilt mit, dass es von seiner Seite keine unaufgeforderten Anrufe gebe, in denen persönliche Daten abgefragt würden oder in denen man anböte, einen Rechner zu reparieren.

Der OP ist ein weiterer Fall bekannt, in dem der Betroffene die Fernwartungssoftware bereits installiert hat. Er wäre für den „Service“ auch zahlungswillig gewesen - besitzt aber glücklicherweise keine Kreditkarte. Der Mann war letztendlich so verunsichert, dass er sich mittlerweile einen neuen PC gekauft hat.

von Andreas Schmidt

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