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Betriebsrat sieht tiefe Risse

UKGM Betriebsrat sieht tiefe Risse

Die Patientenzahlen sind konstant geblieben, die Personalkosten gestiegen. Das von Rhön betriebene Marburger Uni-Klinikum steuert konstant auf ein höheres Defizit zu, wurde während der Betriebsversammlung deutlich.

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Dieses Plakat brachten einige Beschäftigte zur Betriebsversammlung mit.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Durch die Klinik geht ein tiefer Riss, dafür gibt es keinen Kompromiss“: Das sang der Marburger Chor Politöne zu Beginn der UKGM-Betriebsversammlung am Mittwoch vor mehreren hundert Zuhörern. Diesen Vers griff wenig später der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Gunther K. Weiß auf: „Am Ende des Tages werden wir doch zu Kompromissen kommen – mit welcher Hilfe auch immer.“

Die Themen der Versammlung waren vielfältig, die Atmosphäre blieb sachlich. Der Betriebsrat stellte eine Reihe von Forderungen auf, die nicht neu sind, aber mit aktuellen Zahlen und Beispielen unterfüttert waren. So übte der Betriebsrat wie zuvor schon gegenüber der OP erneut Kritik an dem Übernahme-Stopp von Auszubildenden. Ein weiteres Thema waren Überstunden und Überlastungsanzeigen.

Im Jahr 2014 haben laut Betriebsrat die Beschäftigten am UKGM in Marburg insgesamt 132 763 Überstunden angesammelt. Das sei im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 5413 Stunden und entspreche einer Personalanzahl von 66 Vollzeitkräften.

Der Betriebsrat fordert eine grundsätzliche Neuregelung bei der Genehmigung von Überstunden. Eine sogenannte Ampellösung könnte Grenzen festlegen: Wer schon bei Rot angelangt ist, dürfe nicht weiter Stunden sammeln. Sorge bereiten den Vertretern des Personals geplante Veränderungen in verschiedenen Abteilungen, die die Pflege betreffen. „Der Stellenabbau wird erheblich umfangreicher und radikaler umgesetzt als es vorausgesagt wurde“, erklärt der Betriebsrat. Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen müssten davon ausgehen, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird – ebenso wie die Auszubildenden nicht mit einer Übernahme rechnen könnten.

Geschäftsführer schließt Kündigungswelle aus

Ende 2014 waren laut Wolfgang Demper, dem stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden, im Schnitt 911,31 Mitarbeiter in der Pflege beschäftigt. „Der geplante Jahresdurchschnitt liegt nach dem Ziel der Geschäftsführung bei 865,99.“ Waren laut Demper im Oktober 2014 noch insgesamt 2909 Vollzeitkräfte beschäftigt so seien für dieses Jahr 93 weniger geplant.

Weiß bestätigte diese Zahlen nicht. Seinen Angaben zufolge arbeiteten im November vergangenen Jahres 911 Beschäftigte in der Pflege und im vergangenen Monat 905 Mitarbeiter. Es sei „hoch unwahrscheinlich“, dass man noch 80 Stellen in diesem Jahr abbaue, wie es Demper dargestellt hatte. Eine Kündigungswelle schloss Weiß aus. Er bestätigte, dass es Veränderungen in mehreren Kliniken und Abteilungen geben wird.

So sollen zum 1. März 16 Betten in der Orthopädie geschlossen werden. Die Orthopädie und Unfallchirurgie läuft wirtschaftlich betrachtet nicht gut, sei schwach – die Patienten werden dort immer weniger. Weiß warnte aber auch davor, „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“. Aus diesem Grunde werde er den jeweiligen Klinikdirektoren künftig nur noch die eigenen Zahlen und die Gesamtzahlen des UKGM präsentieren. Es mache keinen Sinn, das Controlling aus allen Abteilungen vorzulegen.

Weiß: Personal- und Sachkosten sind gestiegen

Auf die Frage, welche Investitionen in Marburg getätigt werden, um den Standort zu stärken, sagte Weiß, dass seit der Privatisierung 150 Millionen Euro aus Eigenmitteln investiert worden seien. Man wolle sich nicht mit Gießen vergleichen, aber eigene Schwerpunkte setzen. Das sei in Marburg die Onkologie, die mit dem Partikeltherapiezentrum in spätestens zwei bis drei Jahren noch bedeutender werde.

Gießen hat ein Kinderherzzentrum als Alleinstellungsmerkmal, warf ein Mitarbeiter ein. Marburg versuche dagegen, die Frühgeborenen-Station hier zu halten. „Das ist gar nicht so einfach“, so Weiß. Fakt sei, dass die Einnahmen nicht steigen. Zwar sei die Patientenzahl im vergangenen Jahr leicht gestiegen, aber es kamen nicht mehr Schwerkranke, die mehr Einnahmen bringen. Die Personal- und Sachkosten seien aber gestiegen, sodass das Defizit sich auf 5,6 Millionen Euro vor Steuern belaufe.

Im Vorjahr lag das Minus bei etwa drei Millionen Euro. In diesem Jahr stehe eine Tarifsteigerung von etwa drei Prozent bevor. Der erste Monat in diesem Jahr sei mit einem Minus von 400 000 Euro abgeschlossen worden. Rechne man dies nun für das ganze Jahr so weiter, erreiche man eine „Größenordnung, die wir nicht anstreben“, so Weiß.

von unseren Redakteuren

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