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„Beschäftigte sind selber Pflegefälle“

Gesundheitsschutztarifvertrag „Beschäftigte sind selber Pflegefälle“

Die Gewerkschaft Verdi kämpft mit verschiedenen Strategien für mehr Personal in den Krankenhäusern. Sie hält an der Forderung nach einem Gesundheitsschutztarifvertrag für das UKGM fest.

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Vertreter der Gewerkschaften Verdi und DGB sowie Mitglieder des Betriebsrates werben für einen Gesundheitsschutztarifvertrag am UKGM.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. „Die Situation in Marburg unterscheidet sich kaum von der bundesweiten Situation: Alle Kliniken klagen über Personalmangel“, sagt Elke Hannack, die stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende bei einem Treffen mit Verdi-Vertretern des Betriebsrates am UKGM in Marburg.

In den hessischen Krankenhäusern fehlen laut Verdi 11.000 Stellen im nichtärtzlichen Bereich. „Wir als Verdi Hessen fordern damit nicht nur mehr Personal in der Pflege, sondern gehen einen Schritt weiter als der Bundesverband. Wir wollen auch mehr Mitarbeiter in der Technik, im Reinigungsbereich oder in der Küche“ sagt Michael Kroll von Verdi in Marburg.

Die Gewerkschaften fordern den Gesetzgeber Bundes-und hessenweit dazu auf, neue Standards einzuführen. Als Sofortprogramm sollte es die Regel geben, dass keiner mehr alleine in einer Schicht arbeite und Praxisanleiter für die Ausbildung freigestellt werden, erklärt Hannack.

Gehalt-Verhandlungen „haben uns aufgehalten“

Die für 2019 geplante Personaluntergrenze reiche nicht aus, sagte die DGB-Vertreterin aus Berlin weiter. „Die Beschäftigten sind selber zum Pflegefall in den Kliniken geworden. Die meisten sagen, bis zur Rente halte ich das nicht aus“, sagt Bettina Böttcher, Betriebsratsmitglied in Marburg. Kroll ergänzt, dass insbesondere Teilzeitkräfte häufig kurzfristig von ihrer Abteilung angerufen und gebeten werden, für erkrankte Kollegen einzuspringen. Es werde von Ihnen mehr Flexibilität abverlangt.

„Wenn jemand krank wird, fällt das Kartenhaus zusammen“, sagt Betriebsratsmitglied und leitende Krankenschwester Ilona Kraft-Peil. In Marburg und Gießen fordert Verdi mit Unterstützung des DGB in Berlin zudem weiterhin einen Gesundheitsschutztarifvertrag (die OP berichtete). „Wir wollen nicht nur Kurse für Rückenschulen und nette Gespräche, sondern einen umfassenden Gesundheitsschutz“, sagt Böttcher.

Immelt sieht große Solidarität in Marburg

Kroll, der als Verdi-Vertreter am „Gesundheitsdialog“ – offiziell ist nicht von Tarifverhandlungen die Rede – mit dem Arbeitgeber,berichtet von „Fortschritten und Rückschritten“ in den Gesprächen. Man habe zwischendurch Tarifverhandlungen zum Entgelt geführt, das „hat uns aufgehalten“, so Kroll. „Man kann nur appellieren: Macht alle Gesundheitstarifverträge“, sagt Hannack.

„Die Charité in Berlin hat den Gesundheitstarifvertrag auch erstreikt“ sagt sie. „Der DGB schaut von Berlin genau nach Marburg und wird andere Gewerkschaften zur Unterstützung mobilisieren“, sagt sie. DGB-Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt sagt, in Marburg herrsche eine große Solidarität mit den Beschäftigten am UKGM. Die Marburger wollen das Wort Streik nicht in den Mund nehmen. „Wir ziehen die Zügel an“, so Kroll.

UKGM-Geschäftsführer Dr. Gunther Weiß hatte im OP-Gespräch vergangene Woche erklärt, dass das Thema Gesundheitsschutz kein UKGM-spezifisches Thema sei und man für alle Kliniken gleiche Standards haben sollte.

Er wies darauf hin, dass 2019 allgemeinverbindliche Regelungen eingeführt werden. Vor diesem Hintergrund sehe er keinen Anlass, am UKGM über einen eigenen Tarifvertrag zu verhandeln.

von Anna Ntemiris

Hintergrund

 „Dürftig“

Anders als in Gießen hat sich die Zahl der Überlastungsanzeigen am UKGM-Standort Marburg im vergangenen Jahr gegenüber 2015 nicht nennenswert verändert. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf einen Berichtsantrag der SPD-Abgeordneten Handan Özgüven (Stadtallendorf) und anderer Fraktionsmitglieder hervor, die im Wissenschaftsausschuss des Landtags diskutiert wurde. Özgüven kritisierte gegenüber der OP die „dürftigen“ Antworten von Wissenschaftsminister Boris Rhein auf den ausführlichen Fragenkatalog.

Die Landesregierung besitze nach wie vor 5 Prozent der Anteile am UKGM und dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Zur Frage etwa der Bewertung der psychischen und physischen Belastung der Mitarbeiter teilte das Ministerium mit, das UKGM habe keine Aussagen zu den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung gemacht. „Dabei sind die Ergebnisse im Internet veröffentlicht.“ Die Landesregierung halte ein Landesgesetz für Personalmindeststandards nicht für sinnvoll und verweise ansonsten auf das Regierungspräsidium als für den Arbeitsschutz zuständige Behörde.

von Till Conrad

 
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UKGM-Verantwortliche im OP-Gespräch
Dr. Gunther K. Weiß, Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung (Zweiter von links), und der neue Rhön-Vorstandschef Stephan Holzinger im Redaktionsgespräch mit Till Conrad, stellvertretender Chefredakteur und Anna Ntemiris, Mitglied der Chefredaktion. Foto: Tobias Hirsch

Er komme unangemeldet ins Klinikum, um sich selbst ein Bild zu machen, sagt Stephan Holzinger. Eins hat er sofort bemerkt: Die Parkplatzsituation sei so miserabel, dass bald neue Stellflächen gebaut werden sollen.

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