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Beschäftigte fordern mehr Einsatz für Ältere

IG Metall Beschäftigte fordern mehr Einsatz für Ältere

Mit einer großangelegten Befragung will die IG Metall neue Erkenntnisse über die Ansprüche der Beschäftigten an ihreLebens- und Arbeitsbedingungen gewinnen.

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Nur ein Bruchteil aller Beschäftigten erreicht das gesetzliche Renteneintrittsalter. Deswegen fordern Beschäftigte flexibles Renteneintrittsalter und besonderen Kündiogungsschutz.

Quelle: Andreas Gebert

Marburg. Mehr als 514000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie beteiligten sich bundesweit an de Umfrage, ein Drittel von ihnen ist nach eigenen Angaben nicht Mitglied der IG Metall. In den Verwaltungsstellen IG Metall Mittelhessen (die auch für den Altkreis Marburg zuständig ist) und IG Metall Lahn-Dill (mit dem Altkreis Biedenkopf) beteiligten sich nach Angaben der beiden Bevollmächtigten Stefan Sachs (Mittelhessen) und Hans-Peter Wieth (Lahn-Dill) etwa 3500 Menschen.

Bundesweit wie in der Region sind sichere Arbeit und ausreichendes und verlässliches Einkommen für die Beschäftigten am Wichtigsten. Im Bereich der Verwaltungsstelle Mittelhessen gaben 88 Prozent an, ein unbefristeter Arbeitsvertrag sei für sie „sehr wichtig“, gefolgt von „ausreichendes und verlässliches Einkommen“ (83 Prozent) und „gutes Betriebsklima in de Abteilung“ (66 Prozent). Knapp 40 Prozent derBechäftigten machen sich sehr starke oder starke Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Das sei auch eine Folge der steigenden Anzahl Beschäftigter in Leiharbeit, Werkverträgen. Minijobs oder im Niedriglohnsektor, sagte Stefan Sachs am Freitag bei der Vorstellung er regionalen Ergebnisse. „Auch Menschen mit sicherem Job werden dadurch verunsichert.“

Sicherungssysteme als Politisches Handlungsfeld

Mit den größten Handlungsbedarf sieht die IG Metall auf dem Gebiet der Alterssicherung. Nur vier Prozent der Beschäftigten glauben nämlich, so Wieth, dass sie von ihrer Rente einmal werden leben können. Zugleich befürchten fast 80 Prozent der Befragten, dass sie das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erreichen werden: deutlich mehr als im bundesweiten Schnitt. Die IG Metall führt dies darauf zurück, dass in Mittelhessen die Konzentration großer industrieller Fertigungsbetriebe besonders hoch ist. Die realen Zahlen sind mutmaßlich noch schlechter: Wieth schätzt, dass bundesweit weniger als fünf Prozent der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie das Renteneintrittsalter erreicht.

Man müsse deswegen ein flexibles Renteneintrittsalter zur tariflichen wie auch zur politischen Forderung machen. „Es kann nicht sein, dass ein Arbeiter, der mit 14 Jahren angefangen hat, noch Abschläge hinnehmen muss, wenn er nach 49 Beschäftigungsjahren in Rente gehen möchte“, sagte Sachs.

Erst recht sei diese Forderung angesichts der Tatsache wichtig, dass nur jeder vierte Beschäftigte in Mittelhessen glaubt, dass sein Betrieb „gut“ oder „sehr gut“ auf älter werdende Belegschaften vorbereitet sei. Für 56 Prozent ist dagegen eine zusätzliche arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge „sehr wichtig“, 59 Prozent geben an, die Möglichkeit, früher aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, zum Beispiel durch Altersfreizeit, sei „sehr wichtig“, 72 Prozent gar halten den besonderen Kündigungsschutz im Alter für „sehr wichtig“.

Wieth bestritt in dem Pressegespräch die in der Rentenpolitik gern geäußerte These, dass immer mehr Jüngere die Altersversorgung von immer mehr Älteren zu stemmen hätten: „Das Gegensatzpaar heißt nicht jung und alt, sondern sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder nicht.“

Mehr reguläre Arbeit statt prekärer Beschäftigung sei deswegen eine wesentliche Forderung der IG Metall auch mit Blick auf die Renten.

Für die Beschäftigten ist der Erhalt und die Stärkung der sozialen Sicherungssysteme (Rente, Pflege, Gesundheit, Arbeitslosenversicherung) „ sehr wichtig“.

Damit rangiert dieses Handlungsfeld im Urteil der Beschäftigten deutlich vor „gleiche Bildungschancen unabhängig vom Einkommen der Eltern“ (68 Prozent), „Eingrenzung des Niedriglohn-Sektors und prekärer beschäftigung (62 Prozent)„ökologisch und sozial nachhaltiges Wachstum und „solidarische Krisenbewältigung in Europa (jeweils 52 Prozent).

von Till Conrad

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