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Beschäftigte fordern „Spitzenlohn“

Warnstreik am UKGM Beschäftigte fordern „Spitzenlohn“

Mit einem Warnstreik machte das nicht-ärztliche Personal des UKGM am Mittwoch auf seine Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsstandards aufmerksam. Zur Kundgebung am Morgen kamen rund 500 Mitarbeiter.

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Am UKGM wurde am Mittwoch seit den frühen Morgenstunden gestreikt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Tosender Applaus brandet nach fast jedem Satz auf, den Björn Borgmann den UKGM-Beschäftigten zu ruft. Der Vorsitzende des Rhön-Konzernbetriebsrates greift die Geschäftsführung des Klinikums an, die in den laufenden Tarifverhandlungen zu wenig Entgegenkommen zeige.

„Wer uns mit ein paar Cent abspeisen will“, so Borgmann, der müsse „auch mal damit rechnen, dass die Hütte hier stillsteht“. Das UKGM preise ständig in „Hochglanzprospekten“ an, dass dort „Spitzenmedizin“ geleistet werde. „Dafür braucht man aber auch Spitzenpersonal, das es verdient, einen Spitzenlohn zu bekommen“, sagt er. Es liege nun an der Geschäftsleitung, „ob aus dem Warnstreik mehr wird“.

7,5 Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft Verdi für die 6500 Beschäftigten am UKGM, mindestens aber 120 Euro – auch für Azubis und Praktikanten. Zudem sollen die Nachtzuschläge auf 25 beziehungsweise 40 Prozent erhöht werden. Die Arbeitgeberseite bietet hingegen eine gestaffelte Erhöhung von jeweils 1,5 Prozent zum 1. Juli und 1. Oktober sowie 1,25 Prozent zum 1. Juli 2016 an. Für die Monate Januar bis Juni soll es laut Angebot eine Einmalzahlung von 120 Euro geben. Weitere Gespräche finden heute und am Donnerstag, 2. Juli, statt. „Ohne ein besseres Angebot wird es dann aber keinen Tarifabschluss geben“, sagt Borgmann.

Strittig ist zwischen den Tarifparteien zudem die Arbeitsbelastung für das Personal. Angesichts „permanent steigender Patientenzahlen bei gleichzeitigem Personalabbau“ habe sich die Situation für die Beschäftigten dramatisch verschärft, sagt Bettina Böttcher, Vorsitzende des Betriebsrats am Standort Marburg. „Nur durch den unermüdlichen Einsatz aller Kollegen wird die geforderte Qualität erbracht“, ruft sie den Angestellten entgegen. „Aber nur auf Kosten eurer Gesundheit“. Die Wertschätzung dieser Arbeit sei „lachhaft“ und die Belastung müsse dringend reduziert werden.

Am UKGM wird am Mittwoch seit den frühen Morgenstunden gestreikt.

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Aus diesem Grund erklären sich die Anwesenden auch solidarisch mit den Streikenden der Berliner Charité. Auf Schildern und mit Kreide auf den Boden gemalt ist der Slogan „Je suis Charité“ zu lesen. Am Nachmittag – die Zahl der Anwesenden hat sich laut Veranstalter auf 800 erhöht – beteiligen sich die UKGM-Mitarbeiter an der bundesweiten Verdi-Aktion „162.000 für 162.000“, bei der Krankenhaus-Angestellte quer durch das Land Nummern hoch halten, um auf die entsprechende Zahl an fehlenden Stellen in Deutschland hinzuweisen. Am Abend folgt zu diesem Thema eine Kundgebung auf dem Marburger Marktplatz ( siehe weiteren Artikel).

„Es ist fast schon zu spät, darauf aufmerksam zu machen“, finden die beiden Auszubildenenden Lisa Panine und Lea Schimanek. „Schon während der Ausbildung merkt man, dass einfach zu wenig Personal da ist“, sagen sie. Azubis, Schüler oder junge Menschen im freiwilligen sozialen Jahr sollen in der Theorie zusätzlich zum ausgelernten Personal da sein, erklären sie. „Aber ohne uns würde hier manchmal gar nichts laufen.“
Gar nichts laufen kann aber auch an diesem Streiktag nicht, denn die Notfallversorgung muss gewährleistet sein. Verdi und das UKGM hatten eine Notfall-Vereinbarung getroffen, um die Gefährung von Patienten auszuschließen. Doch auch über Notfälle hinaus wird zum Teil gearbeitet.

„Ich wechsele mich heute mit drei Kollegen ab, sodass einer immer zur Streikaktion gehen kann“, erzählt einer der Angestellten, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Manche Leute warten acht bis zehn Wochen auf einen Termin – den kann man nicht einfach absagen“. Würden er und seine Kollegen gleichzeitig streiken, „trifft es den Falschen. Die Patienten kommen ja nicht ohne Grund“, sagt er. Dennoch möchte auch er sich an dem Protest beteiligen.

„Die Kollegen erkennen langsam, worum es geht – die Stimmung ist deutlich bewusster und aktiver als beim letzten Mal“, meint Streikteilnehmer Peter Ducke. „Wenn man in der Zeitung liest, was der Rhön-Vorstand verdient und dann sieht, womit die Beschäftigten hier über die Runden kommen müssen, wird es höchste Zeit, etwas zu unternehmen“, sagt er.

von Peter Gassner

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