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Belegschaft kämpft gegen Tarifflucht

YKK-Mitarbeiter legten den Verkehr lahm Belegschaft kämpft gegen Tarifflucht

Um den Reißverschlusshersteller YKK zur Rückkehr in die Tarifbindung zu bewegen, demonstrierten Beschäftigte des 
Unternehmens am Montag in Niederweimar.

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Ein Teil der Demonstranten vor dem Start am Kreisel beim Kieswerk.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederweimar. Am Kreisel beim Kieswerk sammelten sich die Teilnehmer der Demonstration. Gewerkschaftssekretär 
Ferdinand Hareter verdeutlichte, warum die Beschäftigten – ebenso, wie Gewerkschafter aus anderen Betrieben – zu der 
 Demonstration gekommen waren: „Die Firma soll sehen und mitbekommen, dass die Belegschaft sich wehrt.“ Es sei egal, wie viele „Beruhigungspillen und Placebos die Geschäftsführer noch verteilen wollen – wir werden keine Ruhe geben, bis wir die Tarife der Metall- und Elektroindustrie wiederhaben“.

Der Geschäftsführer Hiroyasu 
Ishizaki habe im Gespräch mit der Tarifkommission seine Sicht der Kosten erklärt und betont, das Lohnniveau von Ägypten sei das Niveau, das er sich für Wenkbach vorstellen könne (die OP berichtete). „Er träumt wahrscheinlich wirklich davon, die Löhne so weit abzusenken, dass wir mit Ägypten vergleichbar werden. Dann ist sein Bonus nächstes Jahr noch höher“, sagte Hareter. Doch das sei mit den Beschäftigten und der Gewerkschaft nicht zu machen.

Mitarbeiter des Reißverschlussherstellers YKK in Wenkbach demonstrierten am Montag für eine Rückkehr zur Tarfibindung.

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Hareter wertete die zahlreichen Aktionen inklusive eines Warnstreiks als deutliches Signal, dass die Belegschaft die 
Tarifflucht nicht hinnehme. Die Geschäftsführung habe zwar neulich eine Entgelterhöhung von 2,8 Prozent zugesagt – also in Höhe des Abschlusses zwischen Industrie und Gewerkschaft. „Jetzt gibt es auch Stimmen, die sagen, Herr Ishizaki sei ein prima Kerl“, sagte der Gewerkschaftssekretär.

„Aber es ist ein einfaches Rechenbeispiel. Der Tarifabschluss hat nämlich zwei Stufen: Jetzt 2,8 Prozent mehr – und im kommenden April weitere 2 Prozent. Ob es dann bei YKK noch etwas gibt, steht in den Sternen.“ Für ihn stehe fest: „Löhne haben auch etwas mit Würde und Wertschätzung zu tun. Und wer die Würde so mit Füßen tritt, wie das YKK macht – darauf gibt es nur eine Antwort: Kampf.“

Dann zogen die Demonstranten los: Einmal durch den Kreisel, dann über die Bundesstraße 255 Richtung Wenkbach. Dabei legten die Demonstranten den Verkehr zunächst in Richtung Gladenbach komplett lahm. Denn – abgesichert durch die Polizei – bewegte sich der Demonstrationszug mit nachfolgendem Verkehr lediglich im Schritttempo voran.

Das stieß nicht bei allen Verkehrsteilnehmern auf Gegenliebe, einige wendeten gar auf der Bundesstraße. In Wenkbach gab es eine Kundgebung vor dem YKK-Werk im Industriegebiet – und dann marschierte der Zug 
zurück über die Bundesstraße nach Niederweimar.
„Das war ein Erfolg“, werteten die Teilnehmer, „denn so haben wir eine hohe Aufmerksamkeit für die Missstände bekommen.“ Auch ein Warnstreik solle noch vor den Ferien folgen.

von Andreas Schmidt

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