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„Bei uns landet alles, was mal ein Kabel hatte“

Recyclinghof Integral „Bei uns landet alles, was mal ein Kabel hatte“

Recyclinghof von Integral: Er ist Mitarbeiter der Firma „Shred-it“, einem zertifizierten Datenvernichtungs-Unternehmen.

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Das Radio sieht noch funktionstüchtig aus – wurde aber dennoch abgegeben.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Integral bietet einen neuen Service an: Die sichere Vernichtung von Datenträgern oder Dokumenten mittels Schreddern gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz. René Berndt fährt mit seinem Lastwagen auf den
Berndt fährt einen Metallcontainer zu den Sicherheitsbehältern, die bei Integral am Recyclinghof in Cappel abgestellt sind. Dort können Menschen gegen Gebühr Dokumente oder Datenträger einwerfen – mit der Sicherheit, dass die Daten mechanisch zerstört werden.

Berndt ist vereidigt – denn so ist sichergestellt, dass er mit den Daten, die er aus den Sicherheitscontainern holt, kein Schindluder treibt. Den Inhalt aus den Containern packt er in seinen Metallcontainer, fährt diesen zum Lastwagen.

Mittels Mechanik wird die Tonne in den Lastwagen gehoben, dort ausgekippt – der Schredder im Inneren beginnt zu laufen. Das kann René Berndt auf seinem Monitor verfolgen. Alles wird zermalmt und in kleinste Partikel geschreddert – eine weitere Kamera im Inneren des Lastwagens zeigt das Schreddergut. Innerhalb weniger Minuten sind die Daten vernichtet – und nicht mehr wiederherzustellen.

Dutzende Röhren-Fernseher werden bei Integral am Tag fachmännisch in ihre Einzelteile zerlegt.

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„Viele Menschen denken, es genügt, eine Festplatte mit dem Hammer zu zerstören“, sagt Dr. Susanne Schober, Leiterin des Recyclinghofs bei Integral. Doch dies genüge in der Regel nicht: Spezialfirmen könnten dennoch Daten auch von teils zerstörten Festplatten retten.

Das Schreddern von Datenträgern, Akten und Papier vor Ort gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz verhindert dies. „Auf Wunsch wird ein entsprechendes Zertifikat ausgestellt, welches nachweist, dass die Daten unwiederbringlich vernichtet wurden“, sagt Helge Micklitz, Geschäftsführer von Integral. Das diene auch der Sicherheit der Abgebenden.

Das Angebot gilt für Datenträger aller Art: Vom USB-Stick über Speicherkarten und Magnetbänder bis hin zu DVDs und Festplatten. Und auch Papier wird geschrededert. „Bei Abgabe von Komplettgeräten wie PC oder Laptop übernehmen wir auf Wunsch die Demontage der Datenträger und bewahren diese in den gesicherten Behältnissen bis zur zertifizierten mechanischen Zerstörung auf, entsprechend der DIN- und ISO-Normen“, verdeutlicht Schober.

Auch ein entsprechender Firmenservice wird mit der Aufstellung von Sicherheitsbehältern und Schreddern an Firmenstandorten angeboten. Das Vernichten kostet zwischen 50 Cent für USB-Datensticks bis hin zu zehn Euro für die Vernichtung inklusive Demontage von Festplatten.

Unternehmen holt Geräte zu Hause ab

Integral betreibt zwei Recyclinghöfe: Einen in Marburg und einen in Dautphe. Dort wird Elektroschrott aus dem gesamten Landkreis gesammelt, in Marburg auch Altmetall. Und das nicht nur vor dem Hintergrund des Umweltschutzes: Die zertifizierten Entsorgungsfachbetriebe bieten zudem bis zu 65 Langzeitarbeitslosen eine qualifizierende und vermittlungsorientierte Beschäftigung.

„Wir geben Menschen mit Vermittlungshemmnissen wieder einen strukturierten Tagesablauf und eine sinnstiftende Beschäftigung“, verdeutlicht Geschäftsführer Micklitz. „Bei uns landet alles, was mal ein Kabel oder eine Batterie hatte“, fügt Susanne Schober hinzu.

Die Altgeräte müssen dabei nicht zwangsläufig auf den Recyclinghöfen abgegeben werden: Integral holt die Geräte auch ab. Nach einem Anruf unter der 06421/944144 wird dem Anrufer direkt ein Termin innerhalb von zwei Wochen zugeteilt – er muss die Geräte dann nur noch an die Straße stellen. Die Mengen, die an Elektroschrott anfallen, sind gewaltig: Mehr als 2000 Tonnen wandern jährlich über die beiden Recyclinghöfe.

Geräte enthalten Wertstoffe

Dazu kommen auch beispielsweise zwölf Tonnen an Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen – die in speziellen Behältern gesammelt werden, damit sie nicht brechen und das giftige Quecksilber entweicht. „Die Schadstoff-Entfrachtung spielt bei uns auch eine große Rolle“, verdeutlicht Schober. Und viele Schadstoffe ließen sich auch nur durch die händische Zerlegung, wie sie bei Integral stattfinde, gewährleisten. Auf den Recyclinghöfen werden die Geräte in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt.

„Der Verwertungsgrad durch manuelle Zerlegung, Vorbehandlung und Weitergabe an ausgewählte Verwerter liegt bei über 98 Prozent“, sagt Helge Micklitz. Denn die Geräte enthalten auch zahlreiche Wertstoffe. So hat Integral beispielsweise eine Granulierungsanlage für Kabel – dort wird wertvolles Kupfer gewonnen. Auch einen Ebay-Shop hat Integral mittlerweile: Für überholte Waschmaschinen-Motoren und „Bio-Cycle-Grills“ aus Waschmaschinentrommeln.

von Andreas Schmidt

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