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Bei der Pflege steht der Mensch im Mittelpunkt

OP-Ausbildungsserie, Teil 6 Bei der Pflege steht der Mensch im Mittelpunkt

Pflegekräfte jonglieren stets zwischen einem straff organisierten Tagesablauf und einer individuellen Betreuung, die von Herzen kommt.

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Auszubildende Güller Demirci serviert dem Bewohner Franz Behling das Mittagessen. Der persönliche Kontakt mit den Senioren liegt der angehenden Pflegefachkraft am Herzen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die sensible Arbeit in der Altenpflege erfordert ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen und eine gehörige Portion Sozialkompetenz. Nach wie vor ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch in einem Arbeitsumfeld mit hoher persönlicher Verantwortung.

So auch im Seniorenheim Landgrafenblick. Um die 39 Bewohner kümmern sich zahlreiche Pflegefachkräfte. Und um die Mitarbeiter kümmert sich Yildirim Ayse von der Pflegedienstleitung. Sie weiß um die verschiedenen Facetten des Berufs. „Es gibt eine bürokratische und eine persönliche Seite, man muss mit dem Herzen arbeiten, darf die Patienten nicht wirtschaftlich sehen, sondern als Menschen“, sagt sie.

Der Tagesablauf, Pflege-, Wasch- oder Essenszeiten im Seniorenheim sind für Bewohner wie Pfleger fest strukturiert: Ab 6.30 Uhr nehmen die Fachkräfte ihre Arbeit auf. Jeder Mitarbeiter wird nach Station und Zuständigkeit aufgeteilt.

Am Morgen stehen vor allem Grundpflege und Medikamentenvergabe auf dem Programm. Die Pfleger helfen den Bewohnern bei der Morgentoilette und, wenn nötig, beim Waschen, Essen oder Anziehen, verabreichen nach Absprache mit dem Arzt Medikamente und nehmen einfache medizinische Aufgaben vor, messen Blutdruck oder Blutzucker. Neben dem Mittagessen und der Freizeitgestaltung stehen später am Tag vor allem Verwaltungsangelegenheiten im Vordergrund.

Die menschliche Seite fasziniert

Ein stets aktuell zu haltender Pflegeplan dokumentiert sämtliche Behandlungen und eventuelle Vorkommnisse. Der Gesundheitszustand der Patienten, neue Medikamente, Arzttermine, Flüssigkeitsgabe, Verhaltensänderungen, Besuche oder Gewicht – alles wird genau festgehalten. „Kontrolle, Struktur und ein gleichbleibender Tagesablauf sind das A und O“, erklärt die Chefin.

Die umfangreichen Regeln der Patientenbetreuung lernt derzeit auch Auszubildende Güller Demirci. „Am Anfang steht vor allem die Grundpflege im Mittelpunkt, dann kommt die Behandlungspflege“, erklärt die 25-jährige Altenpflegehelferin. Sie ist im zweiten Lehrjahr zu ihrer Ausbildung zur Fachkraft.

Der Begriff Altenpfleger wird dabei nicht mehr lange Bestand haben: Nach der Verabschiedung der vergangenen Pflege­reform passt sich die künftig vereinheitlichte Ausbildung derzeit den gesetzlichen Vorgaben an, ab 2018 soll der neue Ausbildungsberuf vollends umgesetzt sein.

Neben der Praxis beschäftigt sich Güller derzeit mit Wirkstoffen, mit Krankheiten, der Anatomie und dem psychologischen Aspekt des Pflegebereichs. An ihrem Beruf fasziniert sie besonders die menschliche Seite, „man lebt mit den Bewohnern eng zusammen und hat eine tiefe Verbindung zu ihnen“.

Neben den durchstrukturierten rechtlichen Bestimmungen ist ebenso die emotionale Seite Teil der Arbeit. Der eigentliche Drahtseilakt besteht dabei aus einer Kombination der Vorschriften und behördlichen Richtlinien und einer persönlichen Pflege der Patienten. „Trotz aller Regeln soll die Pflege individuell sein, wir müssen das Selbstbestimmungsrecht der Menschen beachten“, erklärt Yildirim Ayse.

Einfühlungsvermögen 
ist für den Beruf wichtig

Auch selbstständiges Arbeiten und ein hohes Maß an Pflichtgefühl gehören dazu, ebenso wie die Tatsache, dass man mit dem Tod konfrontiert wird. Die Pfleger sind zum Teil auch in die emotional belastende Sterbebegleitung der Bewohner involviert, stehen den Patienten auf ihrem letzten Weg zur Seite. Das fällt insbesondere jungen Berufsanfängern schwer: „Man hat eine hohe Verantwortung, damit kommen viele nicht zurecht“, weiß die Chefin.

Emotionale Stärke und Einfühlungsvermögen sind wichtige Eigenschaften. Denn neben allen fachlichen Aufgaben sind Pfleger für die Patienten auch Gesellschafter, Ansprechpartner, Vertraute. Auch auf diesen besonderen Aspekt des Berufes bereiten sich die angehenden Fachkräfte vor, doch bei aller Fachlehre muss der Großteil einfach von Herzen kommen, weiß auch Güller. „Man braucht viel Geduld und Ausdauer, es ist anstrengend – aber es lohnt sich einfach“, erzählt sie.

Und die Patienten geben viel zurück, sei es ein freundliches Wort, ein dankbares Lächeln nach einem kleinen Schwatz zwischendurch oder auch mal besonders schöne rote Rosen: Mit diesen überraschte Bewohner Franz Behling die Pflegedienstleiterin spontan noch während des Interviews.

„Einfach so, weil sie eine ganz liebe ist“, schmunzelt der 87-Jährige und scherzt noch ein wenig mit seinen Pflegerinnen, bevor er sich dem Mittagessen widmet. Momente wie diese lassen sich wohl auch mit dem bestens organisierten Pflegeplan nicht voraussehen und beweisen den Fachkräften immer wieder, dass sie sich für den richtigen Beruf entschieden haben.

Derzeit hat das Seniorenheim noch eine Stelle in der Altenpflege frei. Informationen zu freien Ausbildungsstellen im Landkreis gibt es bei der Arbeitsagentur: Kontakt unter Telefon 06421/605212 oder per E-Mail unter ­ marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

von Ina Tannert

 
 Top 10 freie Ausbildungsstellen

Koch (19)
Altenpfleger (11)
Handelsfachwirt (10)
Gebäudereiniger (9)
Zerspanungsmechaniker (5)
BA – Fitnessökonomie (4)
Fachverkäufer Konditorei (4)
Berufskraftfahrer (4)
Bäcker (4)
Raumausstatter (2)

Stand: 17. Juni, Quelle: Agentur für Arbeit

 
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