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Bedarf an Plasma steigt: CSL profitiert

Neue Anlage erhöht Kapazität Bedarf an Plasma steigt: CSL profitiert

Die jetzt genehmigte Investitionssumme von 245 Millionen Euro ist ein Meilenstein in der Geschichte des Marburger Pharmaunternehmens CSL Behring.

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Die australische Muttergesellschaft traf ihre Entscheidung für den CSL Behring Standort Marburg in den USA. Vor dem CSL-Hauptgebäude in Marburg wehen die Landesfahnen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die australische Muttergesellschaft traf ihre Entscheidung am Dienstag in King of Prussia in den USA. Unmittelbar danach sei er über die Genehmigung einer Investition in Höhe von 245 Millionen Euro informiert worden, sagte 
Craig Shelanskey, Geschäftsführer am Standort Marburg, im Gespräch mit der OP.

Er ließ die „für Marburg und die CSL-Gruppe gute und wichtige“ Nachricht sofort über die 
internen Kommunikationskanäle am CSL Behring Standort Marburg verbreiten.

Spontan versammelten sich in den einzelnen Abteilungen Kollegen in Grüppchen, um über die internationale und doch so regionale Nachricht zu sprechen. Der Flurfunk hat seitdem nur noch eine Nachricht zu vermelden: Ein gutes Signal für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Marburg.

Sieben Zwischenprodukte

Es ist aber auch ein guter Schritt für das Pharmaunternehmen weltweit, sagt Shelanskey. Denn Marburg trägt zum Wachstumskurs des Konzerns bei. Ein großer Teil der weltweiten Verkäufe werden in Marburg generiert, wie aus dem 
Geschäftsbericht hervorgeht. Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Medikamenten aus Humanplasma bescheren dem Pharmaunternehmen einen guten Umsatz.

Mit der neuen Anlage soll die Kapazität um das 2,6-Fache gesteigert werden, erklärt Johann Hock, Projektleiter bei CSL Behring. Insgesamt 110 Beschäftigte arbeiten bisher im Sieben-Tage-Schichtdienst in der jetzigen Anlage auf dem Görzhäuser Hof in Michelbach.

Mit der geplanten Kapazitätserhöhung werden weitere Arbeitsplätze entstehen, allerdings nicht in doppelter Anzahl, erklärte Hock. Die Arbeitsprozesse werden in der hochmodernen Anlage teilweise erhöht automatisiert und beschleunigt.

In der neuen Basisfraktionierung werden unterschiedliche biotechnische Prozesse zur Auftrennung des biologischen Rohstoffs Plasma eingesetzt werden können. Insgesamt sieben verschiedene Zwischenprodukte können nach der Auftrennung des Plasmas entstehen.

Unternehmen: Arbeit ist anspruchsvoller aber effizienter

Ein Zwischenprodukt wird an den Standort Bern verschickt, die Firma stellt dort Immunglobin-Medikamente her. Die anderen sechs Zwischenprodukte werden in Marburg weiterverarbeitet – 20 verschiedene Arzneimittel können daraus hergestellt werden.

Zwar besteht Plasma – der flüssige Anteil des Blutes – zu mehr als 90 Prozent aus Wasser, doch ist der Rest höchst wertvoll. Er enthält Gerinnungsfaktoren, Immunglobuline, Albumin und viele andere Proteine.

Die künftigen Arbeitsschritte und damit Arbeitsplätze seien anspruchsvoller, aber auch effizienter, so das Unternehmen. Vereinfacht ausgedrückt: Aus dem Plasma wird viel mehr als bisher für die Medikamentenherstellung geholt – und das in kürzerer Zeit als bisher.

Lang dauert allerdings das 
Genehmigungsverfahren einer solchen Anlage. Nachdem das rund 20-kopfige 
Projektteam unter Johann Hocks Leitung etwa zwei Jahre 
an den Plänen gearbeitet hat, ist jetzt der Weg für den Bau frei, aber noch nicht die Neuzulassung der Medikamente. 


Genehmigung für neue Produktionsschritte nötig

Auch wenn künftig die gleichen Pharmaka in Marburg hergestellt werden, muss für alle neuen Produktionsschritte bei den verschiedenen Arzneimittel-Zulassungsbehörden dieser Welt eine neue Genehmigung eingeholt werden.

Shelanskey rechnet damit, dass im Jahr 2020 die Produktion mit Versuchschargen starten kann und ab 2024 die ersten Medikamente aus der neuen Anlage in den weltweiten Vertrieb – und damit an Patienten – gehen können.

Nicht nur am Standort 
Marburg wird die Produktion von Humanplasma-Präparaten 
erhöht, sondern auch in den 
anderen Tochterunternehmen der Gruppe, unter anderem in Kankakee in den USA. Dass die neue Produktionsstätte in Marburg den Namen M245 tragen soll, bezieht sich übrigens nicht auf die Investitionssumme, sondern sei reiner Zufall, erklärt Unternehmenssprecher Hans Herberg:

Die Anlage soll auf das Grundstück hinter dem neuesten Gebäude M240 gebaut werden. M steht für Michelbach, die 5 wäre die nächste zu vergebende Hausnummer. „Aber vielleicht benötigen wir mal neue Namen für unsere Gebäude. Die Amerikaner haben in ihrem Werk Namen wie Everest vergeben“, lacht Shelanskey.

von Anna Ntemiris

Das Projektteam hat Grund zur Freude: Der Bau der neuen Anlage wurden genehmigt. Foto: CSL
 
Hintergrund
CSL Behring ist mit CSL Plasma eines der weltweit größten Unternehmen zur Plasmagewinnung. Das Mutterhaus, CSL Limited, hat seinen Hauptsitz im australischen Melbourne und beschäftigt mehr als 16.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Am Standort Marburg – in den Stadtteilen Marbach und 
 Michelbach – arbeiten rund 2300 Mitarbeiter.
 
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245 Millionen Euro für Standort

Es ist für den CSL-Standort Marburg die größte Investition in der Geschichte: Das Pharmaunternehmen wird eine neue Anlage für die Basisfraktionierung von Humanplasma bauen.

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