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Tipps für Ferienjobber Baustelle statt Baggersee

Schüler und Studierende nutzen die Ferien oft, um Geld zu verdienen. Doch beim Ferienjob lauern auch einige Fallstricke.

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Vor allem Studierende jobben häufig in den Semesterferien, ob auf dem Bau oder hinter der Bar. Wer jobbt, muss an die Steuer- und Sozialversicherungspflicht denken.

Quelle: dpa

Marburg. Schüler und Studierende kellnern, arbeiten am Fließband, füllen Regale auf oder sitzen an der Supermarktkasse. Dabei sollten sie auch an ihre Steuer- und Sozialversicherungspflicht denken.

Fast zwei Drittel der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Deutschen Studentenwerks. Für die Hälfte von ihnen ist das Geld für die Finanzierung des Lebensunterhalts notwendig. Ob Studierende Steuern und Sozialversicherungsabgaben zahlen müssen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Wer nur für einen kurzen Zeitraum jobbt, profitiert von einer Gesetzesänderung, die seit Anfang dieses Jahres gilt: „Unabhängig von der Höhe des Verdienstes können Studierende derzeit 70 Tage im Jahr nebenbei arbeiten, ohne dass sie einkommenssteuerpflichtig sind“, sagt Paul Ebsen, Pressesprecher der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Studierende müssen dann keine Beiträge in die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung einzahlen.

„Früher lag die Zeitgrenze bei zwei Monaten beziehungsweise 50 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Tätigkeit an einem Stück oder über das Jahr verteilt ausgeübt wird. „Mehrere Jobs werden aber zusammengerechnet“, erklärt Klocke. Deshalb sei es wichtig, dass Studierende auch an Zeiten denken, in denen sie innerhalb des Kalenderjahres anderweitig gearbeitet oder beispielsweise eine Ausbildung absolviert haben.

Steueridentifikationsnummer kostenfrei anfordern

Studierende, die mehr Tage im Jahr arbeiten wollen, können dies auf Mini-Job-Basis machen. Vorausgesetzt, sie verdienen höchstens 450 Euro im Monat. „Für den Arbeitgeber ist das die ungünstigste Variante, weil er Pauschalabgaben von rund 30 Prozent zahlen muss“, sagt Klocke. Als zweite Alternative sei bei kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen noch eine pauschale Lohnbesteuerung mit einem Steuersatz von 25 Prozent möglich, erklärt die Steuerexpertin.

Die einfachste Variante ist es, wenn der Arbeitnehmer sein Geburtsdatum und seine Steueridentifikationsnummer beim Unternehmen angibt, rät Klocke. Wer seine Steueridentifikationsnummer nicht kennt, kann sie kostenfrei beim Bundeszentralamt für Steuern anfordern. Der Arbeitgeber kann die Daten des Studenten einfach elektronisch abrufen und muss keine Pauschalabgaben wie beim Minijob zahlen.

„Der Studierende muss in der Regel keine Steuern zahlen, wenn er unter dem Grundfreibetrag von 8354 Euro im Jahr bleibt, beziehungsweise ab 2015 voraussichtlich 8472 Euro“, sagt Klocke. Falls Studierende mehr verdienen, können sie sich die zu viel gezahlten Steuern zurückholen – bei der Einkommenssteuererklärung.

Unabhängig von ihrem Beschäftigungsverhältnis müssen sich Studierende gesetzlich oder privat krankenversichern. „Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres sind Studenten familienversichert – wenn sie höchstens 405 Euro im Monat oder bei einem Minijob höchstens 450 Euro verdienen“, sagt Rechtsexperte Bernhard Börsel vom Deutschen Studentenwerk. Ansonsten müssten sich Studierende selbst versichern. Wer über der Minijob-Verdienstgrenze liegt, muss wissen: „Ab 5400 Euro sind Studierende dann versicherungs- und steuerpflichtig“, sagt Ebsen.

Geld verdienen und Erfahrung sammeln

Stefan Grob, Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks rät, „den Nebenjob an das Studium anzupassen und nicht umgekehrt. Die Hauptpriorität sollte klar auf dem Studium liegen.“ Das gilt auch für die Suche nach einem Ferienjob: „Besser studienfachnah arbeiten, also beispielsweise in einem Architekten-Büro oder einer Kanzlei, statt Hilfsarbeiten im Supermarkt oder in der Kneipe zu übernehmen“, sagt Grob.

„Dann verdient man nicht nur Geld, sondern sammelt auch noch Erfahrung für das spätere Berufsleben“, sagt Ebsen und fügt hinzu: „Ich würde aber immer zusätzlich dazu raten, Verwandte und Bekannte zu fragen.“ Häufig sei Vitamin B bei der Suche nach einem Job hilfreich.

Schüler müssen indes keine Abgaben für die Sozialversicherung zahlen, wenn sie in den Sommerferien arbeiten. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund hin. Denn bei einem Ferienjob handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung. Dadurch entfallen die Beiträge zur Rentenversicherung – egal, wie viel verdient wird.

Wichtig zu beachten: Die Tätigkeit darf zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Jahr nicht überschreiten. Diese Begrenzung muss im Voraus festgelegt sein. Bei mehreren Ferienjobs im Laufe eines Jahres werden alle Arbeitstage zusammengezählt.

Für Schüler gelten strengere Regeln

Ob ein Schüler eine Ferienarbeit ausüben darf, hängt nicht nur vom Alter oder der Dauer der angestrebten Arbeit ab, sondern auch von den Vorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Darauf weist das Regierungspräsidium Gießen (RP) hin.

Die Behörde hat zu diesem Thema einen Flyer veröffentlicht, der auf wichtige Regelungen rund um den Ferienjob hinweist, beispielsweise zum erforderlichen Mindestalter oder zu gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Ruhezeiten.
„Unabhängig von der Ferienzeit dürfen Kinder ausnahmsweise schon mit 13 Jahren einfache Beschäftigungen wie das Austragen von Zeitungen für maximal zwei Stunden täglich ausüben“, erläutert RP-Arbeitsschutzexperte Günter Foth.

Auch bestimmte Tätigkeiten in privaten Haushalten, landwirtschaftlichen Familienbetrieben oder im Zusammenhang mit Veranstaltungen von Kirchen und Vereinen seien erlaubt. Die Tätigkeit muss jedoch leicht und für Kinder geeignet sein und darf nur in der Zeit von 8 bis 18 Uhr ausgeübt werden.

Bei einem vertraglichen Ferienjob in einem Unternehmen müssen Jugendliche mindestens 15 Jahre alt sein. Bei jenen, die zwar schon 15 Jahre alt sind, aber die neunte Klasse noch nicht beendet haben, ist die Ferienarbeit auf vier Wochen im Kalenderjahr begrenzt. Wer 15 Jahre alt, aber schon in der zehnten Schulklasse ist oder in sie versetzt wurde, für den gilt diese Begrenzung nicht.

Wichtig für Jugendliche: ausreichende Pausen

Für alle Jugendlichen über 15 Jahre gilt hingegen, dass die Arbeitszeit höchstens acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche betragen und nicht überschritten werden darf. Sollte es möglich sein, mit Mehrarbeit einen früheren Feierabend zum Beispiel am Freitag herauszuarbeiten, dann sind 8,5 Stunden täglich erlaubt.

Gearbeitet werden darf an fünf Tagen in der Woche, im Regelfall aber nicht an Samstagen und Sonntagen. Ausnahmen, etwa in Gaststätten, Krankenhäusern, Bäckereien oder in der Landwirtschaft, sind möglich.
„Wichtig ist auch, dass auf ausreichende Pausen der Jugendlichen geachtet wird“, betont Foth. Ab einer Arbeitszeit von sechs Stunden betrage die Pausenzeit eine Stunde. Nachts, in der Zeit von 20 bis 6 Uhr, sei eine Beschäftigung verboten. Aber auch hiervon gäbe es bestimmte Ausnahmeregelungen.

Der Experte weist auch darauf hin, dass Arbeitsunfälle bei Ferienjobs entsprechend denen bei erwachsenen Arbeitnehmern gesetzlich versichert sind. Damit es nicht zu Unfällen kommt, ist der Arbeitgeber verpflichtet darauf zu achten, dass die Schüler keiner Gesundheitsgefahr ausgesetzt sind.

„Verboten sind insbesondere unfallträchtige Tätigkeiten oder das Arbeiten mit gefährlichen Maschinen wie Sägen, Pressen oder Fräsen. Schüler dürfen weder Erschütterungen, gesundheitsschädigendem Lärm noch Strahlen oder Giftstoffen ausgesetzt sein.“

von unserer Agentur

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