Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Regionalität als Wettbewerbsvorteil

Bauern, Metzger und Direktvermarkter Regionalität als Wettbewerbsvorteil

Fleisch aus der Region 
gemeinsam regional zu vermarkten – diesem Ziel widmete sich das Forum „Landwirt sucht Metzger – Metzger sucht Landwirt“ und brachte Erzeuger und Verarbeiter an 
einen Tisch.

Voriger Artikel
Fründt und Repp führen Aufsichtsrat
Nächster Artikel
Bündnis kämpft für mehr Personal

Bauer trifft Fleischer – rund 70 Vertreter der Branche tauschten sich beim Regionalforum über Chancen aus, den regionalen Markt zu stärken.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Globale Märkte, wachsende Konkurrenz vom Großhandel, Supermarkt und der Wegfall von Schlachthöfen – viele Entwicklungen stellen die regionale Erzeugung wie Vermarktung vor immer neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund fand jüngst das erste Regionalforum zum Thema statt.

Rund 70 Vertreter aus der Landwirtschaft, dem Fleischerhandwerk, Innungen und Verbänden folgten dem Aufruf des Kooperationsprojekts von Landkreis und der Aktionsgemeinschaft „Echt Hessisch“, um über mögliche, gemeinsame Strategien zu beraten. Das Ziel: Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung tierischer Produkte aus der Region in Hessen zu belassen. Und das mit Nutzen für alle Beteiligten – Erzeuger, Verarbeiter und Verbraucher. „Wir wollen die Potenziale der Region wecken und nutzen“, sagte Koordinatorin Dr. Andrea Fink-Keßler von der Vereinigung ökologischer Landbau in Hessen.

Dazu setzten sich die Konferenzteilnehmer zusammen, besprachen alternative Projekte, neue Absatzwege und Möglichkeiten der Vernetzung. Metzgermeister und Landwirte stellten sowohl die konventionelle wie biologische Haltungsform und Arbeitswege der Branche vor. Die seien gerade in ländlichen Gebieten noch von starken persönlichen Beziehungen geprägt, „man kennt sich noch persönlich und vertraut einander“, sagte Holger Busse, Metzgermeister aus Münzenberg-Gambach.

Gemeinsame Strategien gegen Wettbewerbsdruck

Mit der räumlichen Entfernung schwinde wiederum die Vernetzung untereinander, es mangele zudem an Schlachtstellen vor Ort. Nicht zuletzt, da immer mehr Schlachthöfe, wie der in Marburg, dicht machen.

Dr. Wolfgang Lutz vom Deutschen Fleischerverband verglich die Situation mit der Automobilbranche, in der Einzelteile weit voneinander entfernt auf der ganzen Welt erzeugt werden – „das wollen wir auf keinen Fall“, wies er auf eine hohe Bedeutung der Regionalität hin.

Dass Haltung und ortsnahe Schlachtung der Nutztiere auch im größeren Stil durchaus vereinbar sind, stellte Bio-Landwirt Eberhard Prunzel-Ulrich anhand eines kooperativen Schlacht- und Verarbeitungsprojekts aus Niedersachsen vor. In Landolfshausen schlossen sich vor einigen Jahren 14 Landwirte zu einer GmbH zusammen, und organisieren einen eigenen Schlachtbetrieb. Trotz strenger EU-Auflagen und Zulassungsverfahren lohne es sich, „neue Wege zu gehen – es ist mehr möglich als man sich vorstellt“, betonte der Landwirt.

Ein Konsens des Abends: Um dem Wettbewerbsdruck gemeinsam zu begegnen braucht es frische Strategien und enge Kooperation zwischen Bauer und Fleischer. Der eine benötigt einen zuverlässigen Abnehmer vor Ort, der andere muss seinen Bedarf an Schlachtvieh decken.

Fink-Keßler: auf die eigenen Stärken besinnen

Dazu brachten die Versammelten eine Idee ein, die einigen Zuspruch fand: Um regionalen Bedarf und Nachfrage besser zu koordinieren, könnte eine Art Börse ins Leben gerufen werden, in der sich Direktvermarkter, Erzeuger und Metzger zusammenfinden.

Ein generelles Problem dabei: Immer mehr Fleischer werfen das Handtuch, die Branche hat seit Jahren Nachwuchssorgen und ein Imageproblem, „die Marke ,Made in Germany‘ ist sträflich vernachlässigt worden“, sagte der Marburger Metzgermeister Martin Meier. Für eine effektive Kooperation müsse zunächst die Attraktivität des Fleischerhandwerks gesteigert werden.

Sich wieder auf die eigenen Stärken zu besinnen, diese gezielt einzusetzen – das befürwortete auch Dr. Andrea Fink-Keßler: Eine davon sei das traditionelle Aushängeschild des Fleischerhandwerks – die Regionalität als Qualitätsmerkmal, um das ein wettbewerbsfähiges Netzwerk gesponnen werden müsse, „denn das kann der Supermarkt nicht“.

Als Ziel der Auftaktveranstaltung wurden am Ende des Abends zwei offene Arbeitsgruppen gebildet, die erörtern sollen, „wie man in der Region weiter vorgehen und eine starke Wertschöpfungskette aufbauen kann“, verdeutlichte die Koordinatorin.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr