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„Allee Nordend“ füllt sich mit Leben

Barrierefreie Sozialwohnungen „Allee Nordend“ füllt sich mit Leben

Nach zehn Monaten Bauzeit in der Neuen Kasseler Straße ist das erste Haus der „Allee Nordend“ fertig – 21 Sozialwohnungen wurden am Freitag an die Bewohner übergeben.

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Peter Schmidt vom Fachbereich Arbeit und soziales Wohnen (von links), der technische Leiter Guido Waider, Bauleiter Christoph Mutze, Karsten Schreyer und Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) stellten das abgeschlossene Projekt vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Es ist ein großer Tag heute, auf den wir stolz sind“, resümiert Karsten Schreyer, ­geschäftsführender Gesellschafter der S+S Grundbesitz GmbH. Insgesamt besteht das Projekt in der Neuen Kasseler Straße aus fünf Häusern mit rund 200 Wohneinheiten – Haus 4 mit „gedämpften Mietpreisen“, wie Schreyer sagt, wird nun bezogen. Denn das ist die Besonderheit des Hauses: Dort dürfen nur Mieter mit einem Wohnberechtigungsschein einziehen, der Mietpreis für die Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen liegt bei sieben Euro je Quadratmeter. Das hatte die Stadt zur Auflage für das Projekt gemacht.

„Die Vorlaufzeit betrug vier Jahre, bis das Baurecht stand“, erinnert sich Schreyer. Er ist überzeugt: „Es ist eine tolle Entwicklung für die gesamte Nordstadt und eine wichtige Entwicklung für Marburg, denn hier gibt es ja sehr wenige alternative Flächen, um den Wohnraum zu schaffen, der in der Stadt benötigt wird.“

Komplett fertiggestellt sein soll die „Allee Nordend“ im kommenden März – inklusive einem Parkhaus mit 154 Stellplätzen, für das gerade die Erschließung stattfindet. „Dort nimmt der Kampfmittelräumdienst derzeit Bohrungen vor, denn auch auf der Baustelle hier gab es ­
einen Bombenfund“, so Karsten Schreyer ( die OP berichtete). Die Entschärfung habe die Bauzeit des Projekts aber nicht beeinträchtigt.

Sozialquotenregelung 
„ist eine Herausforderung“

Auch das nächste Bauprojekt in der Eisenstraße, wo 53 Wohnungen entstehen, unterliegt der „Sozialquotenregelung“: Elf der Wohnungen werden also ebenfalls einen Mietpreis von 7 Euro je Quadratmeter haben – festgeschrieben über 20 Jahre.

Die Regelung sei schon eine Herausforderung für einen Bauträger, sagt Karsten Schreyer. „Denn das führt dazu, dass der Rest der freifinanzierten Wohnungen das Ganze finanzieren muss.“ In der Regel läge der Mietpreis bei elf bis zwölf Euro je Quadratmeter in Marburg – die Differenz müsse beim Verkauf in die anderen Wohnungen eingepreist werden und mache einen Mehrpreis von 500 Euro pro Quadratmeter aus, „das ist schon nicht ohne, denn in Marburg gibt es Grenzen.

Wenn eine 100-Quadratmeter-Wohnung so plötzlich 50.000 Euro mehr kostet, ist das natürlich ein Thema“. Hinzu kämen noch die „extrem gestiegenen Grundstückspreise“, die private Verkäufer mittlerweile aufrufen würden, „das nimmt schon Richtungen an, die dem Rhein-Main-Gebiet gleichkommen“, sagt Schreyer.­ Und auch das Bauen sei in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 25 Prozent ­
 teurer geworden – geschuldet dem Bauboom und den vollen Auftragsbüchern der Handwerker.
Alle Wohnungen sind barrierefrei gebaut

Kahle: Bedarf ist immens

Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne) erläuterte, dass das Projekt „in vielen Sitzungen und öffentlichen Veranstaltungen“ vorgestellt worden sei. Immer wieder sei es verändert und modifiziert worden – „nun ist es so geworden, wie man es sich vorstellt: Eine positive Neugestaltung unserer Eingangssituation der Stadt“, sagte er. Er freue sich, dass man mit dem Projekt „den Einstieg in das Sozialquotenbauen gefunden habe, und ich hoffe, dass trotz aller beschriebener Hürden in Zukunft der Anteil an Sozialwohnungen weiter steigt, um den Wohnungsmarkt zu entlasten“.

Der Bedarf sei immens, denn es gebe zahlreiche Familien in schwierigen Lebenssituationen, „vor allem Leute, die nicht so mobil sind, suchen händeringend eine Wohnung im Innenstadtbereich“, so Kahle. Vor allem gebe es einen hohen Bedarf bei den barrierefreien Wohnungen, diesen Standard erfüllen die 21 Einheiten in der „Allee Nordend“, zudem ist die Hälfte­ rollstuhlgerecht ausgeführt. Energetisch werden alle Häuser nach dem KfW-55-Standard gebaut, hinzu kommt ein eigenes Blockheizkraftwerk.

von Andreas Schmidt

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