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Barmer GEK baut Geschäftsgebiet im Kreis aus

Krankenkassen-Großfusion Barmer GEK baut Geschäftsgebiet im Kreis aus

Kein Stein bleibt auf dem anderen: So beschreibt der langjährige Marburger Barmer-Chef Burkert die Umstrukturierung der gesetzlichen Krankenkasse. Er gehört zu den 3500 Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen.

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Reiner Posingies (links) löst Frank-Dietrich Burkert als Geschäftsführer in der Regionalgeschäftsstelle Marburg ab.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Die Krankenkassen Barmer GEK und Deutsche BKK wollen sich ab Januar 2017 zur größten gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland zusammenschließen. Das wurde im Herbst vergangenen Jahres beschlossen.

Vor dieser Mega-Fusion steht bei der Barmer GEK eine grundlegende Umstrukturierung an, die seit 2013 vorbereitet wurde und nun zum 1. Februar sichtbar wird. 3500 Stellenstreichungen, jede zweite Geschäftsstelle wird geschlossen: Ab Februar soll es in Deutschland nur noch rund 400 Geschäftsstellen geben. In Hessen sollen noch 30 der bisher 60 Geschäftsstellen erhalten bleiben . Alle Geschäftsstellen haben nach der Umstrukturierung die gleiche Anzahl von Versicherten als Kunden: Das sind rund 24.000 Menschen.

Biedenkopfer Filiale verdoppelt Mitarbeiterzahl

Während in vielen Regionen Mitarbeiter und Versicherte von den Einsparungen beziehungsweise der Schließung ihrer Geschäftsstelle betroffen sind, sieht die Lage in Marburg-Biedenkopf ganz anders aus: Die beiden Geschäftsstellen in Marburg und Biedenkopf bleiben erhalten, werden sogar personell ausgebaut. In Biedenkopf werden künftig zehn statt bisher fünf Mitarbeiter tätig sein. Mit der Schließung der Geschäftsstelle in Frankenberg ist Biedenkopf auch für die Versicherten aus dieser Region verantwortlich.

Marburgs Zuschnitt bleibt bestehen, nur die Neustädter Versicherten zählen künftig zum Geschäftsgebiet Alsfeld. Wer gehen wird, sind die beiden Bezirksgeschäfts­führer Frank-Dietrich Burkert aus Marburg und Bernd Happel (Privatfoto) aus Biedenkopf. Burkert (55) nimmt das Angebot zum Vorruhestand war, Happel verlässt das Unternehmen nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen.

Burkert, der 36 Jahre im Unternehmen war, trägt die Veränderung mit. Die Krankenkasse müsse sich neu aufstellen, um sich am Markt zu behaupten, aber auch um auf die Wünsche der Versicherten nach einer schnellen und ortsunabhängigen Versicherungsbetreuung einzugehen.

Öffnungszeiten werden erweitert

Künftig können Kunden auch direkt am Telefon ihr Anliegen loswerden, Anrufer landen im Servicecenter Kassel. Dort haben ausgebildete Kundenberater Zugriff auf die „Kartei“ des Versicherten, eine Weiterleitung sei für die Lösung des Falls in der Regel nicht nötig.

Neu ist auch, dass die Öffnungszeiten in allen Geschäftsstellen erweitert werden – in Biedenkopf um zirka 20 Stunden pro Woche. Auch Onlineberatung und Videotelefonie sind möglich. Zudem gibt es für Versicherte auch die Möglichkeit, Kundenberater zu sich nach Hause zu bestellen. Das sei insbesondere für gehbehinderte Menschen ein besonderer Service.

Drei Viertel der Kunden klärten bereits heute einfache Angelegenheiten per Telefon, komplexe Themen würden in den Geschäftsstellen erledigt. Die Barmer GEK passe ihren Service der heutigen Arbeitswelt und modernen Medien an, so Burkert.

Wechsel an der Spitze in Marburg und Biedenkopf

„Solch eine Veränderung hat es in der 130-jährigen Geschichte der Kasse nicht gegeben. Kein Stein bleibt auf dem anderen“, sagt Burkert. Der Abschied falle ihm leicht, da mit Reiner Posingies einer seiner erfahrensten Kollegen Nachfolger wird – sein Wunschkandidat, mit dem er mehrere Jahre vertrauensvoll und gut zusammengearbeitet habe.

Posingies (42) hat bereits seine Ausbildung als Sozialversicherungsfachangestellter bei der Barmer GEK absolviert. Der 42-Jährige ist in Cappel aufgewachsen und lebt mit seiner Familie in Wehrda. Die Region sei ihm sehr gut vertraut.
Von 2003 bis 2013 hat Posingies die Geschäftsstelle in Kirchhain geleitet, nach deren Schließung war er in stellvertretender Cheffunktion in Marburg tätig.

In Biedenkopf wird Isabell Müller (26, Privatfoto) die neue Geschäftsstelle in der Hospitalstraße 36-38 führen. Die Bad Endbacherin hat ihre Ausbildung in Gießen absolviert. Seit 2012 ist sie als Vertriebsbeauftragte in Biedenkopf tätig, ab Februar wird sie neue Regionalgeschäftsführerin. „Im letzten Jahr habe ich bereits an einem internen Weiterbildungsprogramm teilgenommen, um solch eine Position anzustreben“, erklärt sie.

Bezirke bekommen Aufgaben zurück

Ihr Vorgänger Bernd Happel aus Lohra ist ein langjähriger Barmer-Mann, der seine Ausbildung 1981 in Marburg begann. Er war von 1994 bis 2002 Bezirksgeschäftsführer in Gladenbach. Dann wechselte er nach Biedenkopf.

Thorsten Noll, Regionalgeschäftsführer der Barmer GEK in Gießen, wird ab Februar Hauptgeschäftsführer für Mittel- bis Nordhessen. Einen Teil der Aufgaben, die in der Vergangenheit in Gießen zentral bearbeitet wurden, werden zurück in die Bezirke gegeben. Zum Beispiel Mutterschaftsgeld-Fälle, Kinderkrankengeld, Anträge auf Fahrtkosten oder auch Rechnungen für Präventionkosten.

Derzeit hat die Barmer GEK rund 8,5 Millionen und die Deutsche BKK rund 1,1 Millionen Versicherte. Zusammen würden die beiden Kassen die Techniker Krankenkasse (TK) mit ihren mehr als 9,4 Millionen Versicherten als größte gesetz­liche Krankenversicherung ablösen.

von Anna Ntemiris

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