Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Bankleitzahl und Kontonummer ade

Änderungen für Bankkunden Bankleitzahl und Kontonummer ade

In wenigen Wochen 
müssen sich Verbraucher endgültig umstellen: Das Ende von Kontonummer und Bankleitzahl naht – auch Privatkunden müssen dann die IBAN nutzen.

Voriger Artikel
„Konto für jedermann“ kommt
Nächster Artikel
Elektrobau Gundlach gewinnt TQM-Award

Bankkunden hatten zwei Jahre Zeit, um sich an die 22-stellige IBAN zu gewöhnen. Ab Februar müssen alle diese neue Nummer 
bei Überweisungen nutzen.

Quelle: Angelika Warmuth

Marburg. Die Deutsche Bundesbank zweifelt wenige Wochen vor dem endgültigen Abschied von der bekannten Kontonummer samt Bankleitzahl (BLZ) an einer komplett reibungsfreien Umstellung.

Vom 1. Februar an dürfen auch Verbraucher Lastschriften und Überweisungen in Euro nur noch im neuen Format mit der internationalen Kontonummer IBAN tätigen, für Unternehmen und Vereine gilt das europäische Zahlungsverfahren Sepa („Single Euro Payments Area“) bereits seit August 2014.

Zwar hätten sich die allermeisten Bürger längst an die 22 Zeichen lange IBAN („International Bank Account Number“) gewöhnt. „Aber eine kleine Minderheit hält immer noch an der alten Kontonummer fest“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Derzeit müssten die Geschäftsbanken noch etwa zehn Prozent aller Überweisungen auf die IBAN umstellen. „Diese Möglichkeit endet am 1. Februar. Ich bin besorgt, ob das bis dahin wirklich jeder weiß.“ Probleme befürchtet Thiele insbesondere bei Älteren oder bei Menschen, die etwa aus Sicherheitsgründen kein Online-Banking nutzen. „Die Banken dürfen nicht weiter konvertieren. Sie müssen Überweisungsträger mit der alten Kontonummer zurückgeben.“ Ob sie sich in der Praxis aber tatsächlich an dieses Verbot halten, wenn betagte Kunden Schwierigkeiten haben, ist offen.

Heimische Banken sehen Kunden gut vorbereitet

Bisher hätten Banken Überweisungsaufträge, die nicht korrekt ausgefüllt waren, aus Kulanz korrigiert und die Überweisung ausgeführt, sagt Anja Maultzsch von der Postbank. Nach Ablauf der Sepa-Übergangsfrist werde dies nicht mehr möglich sein: „Das bedeutet, dass falsch ausgefüllte Überweisungsbelege nicht ausgeführt werden.“ Für Kunden könne das unangenehme Folgen haben, etwa wenn Mahngebühren oder Verzugszinsen drohten, weil eine Rechnung nicht pünktlich bezahlt wurde.

Erschwerend kommt aus Thieles Sicht hinzu, dass vor allem viele kleinere Betriebe bei ihren Rechnungen die Aufteilung der langen IBAN in Vierer-Blöcke nicht nutzten. Denn die Lesbarkeit verbessere sich deutlich, wenn die IBAN wie auf den EC-Karten in Vierer-Blöcke unterteilt werde: DE (für Deutschland) und zwei Prüfziffern; die achtstellige (bisherige) Bankleitzahl in zwei Blöcken; die (bisherige) zehnstellige Kontonummer mit zwei Vierer-Blöcken und einem Zweier-Block. „Das würde das Verfahren ganz schön vereinfachen“, ist Thiele überzeugt.

Die heimischen Banken sind weniger skeptisch, was die finale Umstellung angeht. Heinrich Aillaud vom Sepa-Projekt der Sparkasse Marburg-Biedenkopf erläutert, dass man die Übergangsfrist genutzt habe, um Privatkunden bei Verwendung von Kontonummer und Bankleitzahl auf die Verpflichtung, ab 1. Februar ausschließlich IBAN zu verwenden, immer wieder hingewiesen habe.

„Von einem echten Nachholbedarf kann bei Privatkunden nicht gesprochen werden“, so Aillaud. Auf Rechnungen, Verträgen und ähnlichen Dokumenten seien zu 100 Prozent IBAN und BIC als Kontokennung des Zahlungsempfängers angegeben. „Auch auf unseren Sparkassen-Cards ist die IBAN aufgedruckt“, so Aillaud. Während der Übergangsfrist habe die Sparkasse Konvertierungs- und Umrechnungshilfen im Einsatz: Wenn über Schriftenlesemodule Kontonummer und Bankleitzahl erkannt worden seien und im Originalbeleg korrekt angegeben waren, seien daraus IBAN und BIC errechnet und in den Datensätzen abgelegt worden. „Für den Kunden erschien dieser Vorgang wie ein automatisches Überschreiben seiner Angaben. Wir schätzen aufgrund der Belegsichtung in der Aufbereitung vor der Schriftenlesung, dass der Anteil von Kunden, die noch BLZ und Kontonummer nutzen, unter 5 Prozent liegt“, so der Bank-Experte.

Falsch ausgefüllte Aufträge gehen per Post zurück

Diese Konvertierung werde jedoch zum 1. Februar abgeschaltet. „Dazu gibt es keine Alternative, denn der Gesetzgeber verbietet die weitere Umrechnung oder Konvertierung. Wir sind daher gezwungen, die Aufträge mit Altangaben den Kunden zurückzuschicken. Unsere Kunden erhalten diese Information mit dem Hinweis der Nichtausführung und der Bitte, die Zahlung mit den korrekten Angaben neu zu beauftragen, per Post“, verdeutlicht Aillaud. Der Aufwand für die Rücksendung von Aufträgen werde nach Einschätzung der Sparkasse „innerhalb von vier Wochen stark zurückgehen“.

Auch Dennis Vollmer, Pressesprecher der Volksbank Mittelhessen, geht von einer reibungslosen Umstellung aus. „Wer bisher noch Kontonummer und Bankleitzahl nutzt, tut das wohl eher aus Bequemlichkeit und nicht aus Informationsmangel“, sagt er im Gespräch mit der OP. Dies sei vor allem bei den Überweisungen mit Beleg so, eine Prozentzahl lasse sich aber nicht ermitteln.

Dennoch werde die Bank jetzt noch einmal in den Geschäftsstellen über den Stichtag informieren, um aktiv auf die Umstellung hinzuweisen. Er rechne nicht damit, „dass wir nach dem Stichtag noch eine erhebliche Zahl an Einreichungen nach dem alten Muster bekommen“, so Vollmer. Insgesamt seien die Kunden der Volksbank gut gerüstet – nur einige wenige müsse man wohl noch überzeugen. „Wir werden reibungslos umstellen können“, ist sich Vollmer sicher.

von Andreas Schmidt 
und unserer Agentur

Voriger Artikel
Nächster Artikel
„Konto für jedermann“ kommt

Spätestens ab Mitte des Jahres soll in Deutschland auch jeder das Recht auf ein Bankkonto haben. Wichtige Änderungen für Bankkunden und Anleger.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr