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Bankangestellter verzockt Kreditgeld

Aus dem Gericht Bankangestellter verzockt Kreditgeld

Insgesamt 135.000 Euro erschwindelte sich ein ehemaliger Bankangestellter durch gefälschte Kreditanträge. Gegen die drohende Haftstrafe legte er erfolglos Berufung ein.

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So wie auf diesem Symbolfoto hat der Angeklagte zuletzt bis zu 10.000 Euro in der Woche in Spiel­hallen und Online-Casinos verspielt.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Als Angestellter einer Marburger Bank gaukelte der 32-Jährige dem Arbeitgeber mehrere Kreditanträge vor, die frei erfunden waren. Er kassierte ordentlich ab und verzockte das Geld. Mildernde Umstände konnte auch die zweite Instanz keine finden, die Berufung wurde verworfen.

Vor fünf Jahren kümmerte sich der im Ostkreis lebende Familienvater um Kreditanträge, die bei der Bank eingingen. Sieben Mal erstellte er auch eigenhändig Anträge fiktiver Kunden, fälschte dafür Personalausweise und Gehaltsnachweise und legte seinen Vorgesetzten auf diese Weise täuschend echte Kreditanträge, jeweils zwischen 10.000 und 30.000 Euro, vor. Diese wurden von der Bank bewilligt, insgesamt entstand ein Schaden von 135.000 Euro, die der Betrüger in die eigene Tasche steckte.

Bei seinen Taten legte der Angeklagte ein „ausgeklügeltes Vorgehen“ an den Tag, wie der Vorsitzende Richter Gernot Christ feststellte. Um an die erforderlichen Dokumente zu kommen, nutzte der Kaufmann unter anderem tatsächliche Adressen leerstehender Häuser, holte die Post dort selber ab. Um schnell an das Geld zu gelangen, reichte er Eilanträge und Blanko-Überweisungen ein, die ohne weitere Kontrollen durchgingen.

Im Mai verurteilte das Amtsgericht den Mann wegen Betrugs in sieben Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Der Betrüger zog vor die zweite Instanz, sein Ziel: eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Wackelige Gründe, warum er die verdiene, legte er am Donnerstag so einige vor, Erfolg hatte er damit nicht. Unter anderem sprach der Angeklagte über eine angebliche Spielsucht, die ihn zu den Taten verleitet hätte. Jahrelang verbrachte er zu dieser Zeit immer wieder ganze Nächte an Automaten, verspielte das Geld in Spielotheken und Onlinecasinos. Zuletzt verzockte er bis zu 10.000 Euro in der Woche. „Es hat sich schleichend entwickelt, ich stahl nur, um zu spielen“, versuchte der 32-Jährige eine tatsächliche Sucht zu erklären.

Wegen Betrugs läuft 
ein weiteres Verfahren

Professionelle Hilfe nahm er nicht in Anspruch, schaffte es angeblich selber aus der Sucht, als vor zwei Jahren sein Sohn geboren wurde. Seitdem ist er Hausmann, wolle sich nur noch um seine Familie kümmern und nicht mehr straffällig werden, „ich sehe meine Schuld komplett ein“, beteuerte er.

Vor Gericht punkten konnte der Angeklagte damit nur wenig, es war von der angeblichen Sucht nicht überzeugt. Negativ ins Gewicht fiel zudem, dass der Angeklagte in den vergangenen Jahren nicht einmal versucht hatte, Kontakt mit der geprellten Bank aufzunehmen und erst recht keine Wiedergutmachung leistete.

Als Krönung läuft derzeit ein weiteres Verfahren wegen Versicherungsbetrugs gegen den Kaufmann. Allesamt Gründe, die gegen eine positive Sozialprognose sprechen, so die Meinung der Anklagevertretung. Neben dem entstandenen hohen Schaden stehe einer möglichen Bewährung alleine schon „ein hohes Maß an krimineller Energie“ entgegen, betonte Staatsanwalt Oliver Rust.

Nach kurzer Beratung zog der Richter eine negative Zwischenbilanz des Falls: Plausible Gründe für eine Umwandlung des ­Urteils in eine Bewährung ­konnte die Kammer nicht finden, solche seien „offenkundig nicht gegeben – da beißt die Maus keinen Faden ab“, betonte Christ. Weder habe es einschneidende Entwicklungen im Leben des Angeklagten gegeben, noch habe er sich mit seinen Taten wirklich auseinandergesetzt.

Dem konnte selbst Verteidiger Thomas Strecker wenig entgegensetzen: Die für eine positive Sozialprognose vorgeschriebene „Bringschuld“ an guten Gründen konnte sein Mandant nicht erfüllen. Dennoch habe es dieser „aus eigener Kraft“ geschafft, mit dem Spielen aufzuhören und sich zum Positiven entwickelt, erläuterte er.

Den Rat der Kammer, die Berufung zurückzunehmen, lehnte der Beschuldigte ab, wollte sich die Möglichkeit, zusätzlich noch einmal in Revision zu gehen, nicht verbauen. Die Kammer wies die Berufung als unbegründet zurück. „Es fehlt einfach an besonderen Umständen“, fasste Richter Gernot Christ zusammen.

von Ina Tannert

 
 
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