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Bäcker werben um Nachwuchs

Handwerker-Innung Bäcker werben um Nachwuchs

Die Qualität der ­heimischen Bäcker 
stimmt – das zeigte die Brot­prüfung. Doch müsse das Handwerk für junge Leute attraktiver werden, denn langsam bleiben 
die Lehrlinge aus.

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Obermeister Karl-Friedrich Junk (links) gratulierte Andreas Carle zum 25-jährigen Meisterjubiläum.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Der Vorstand diskutierte während der Jahreshauptversammlung über die Herausforderungen, die der Arbeitsmarkt an die Bäckerbetriebe stellt. Für junge Menschen müsse die Zunft attraktiver präsentiert werden.

Informationsveranstaltungen sowie Messen müssten laut Obermeister Karl-Friedrich Junk stärker genutzt werden, um Bäckerbetriebe für Arbeitssuchende öffentlichkeitswirksam attraktiver zu machen. „Der demografische Wandel sitzt fast jedem Handwerk im Nacken. Wir haben in Sachen Abgängerzahlen aus Schulen mit gewaltigen Rückgängen zu kämpfen“, meinte Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Marburg.

Laut Uwe Linker sei ein weiteres Problem, dass die Bewerber nicht nur häufig einen schlechten Notendurchschnitt mitbrächten, sondern oft auch über exorbitant hohe Fehlzeiten in der Schule verfügten. Er monierte, dass eine Bäckerlehre für zu viele entweder eine Durchlaufstelle oder der letzte Strohhalm sei. Dass eine Bäckerlehre nur eine Durchlaufstation sei, um Berufserfahrung zu sammeln, leiste laut Volker Knapp jedoch auf Dauer keine Abhilfe. Die Probleme seien jedoch kein regionales, sondern ein nationales Problem.

Bei Flüchtlingen fehlen häufig Sprachkenntnisse

„Es ist eigentlich ein sehr schöner Beruf, wenn die für viele Menschen als unangenehm empfundenen Arbeitszeiten nicht wären“, meinte Andreas Carle, der für sein 25-jähriges Bäckermeisterjubiläum geehrt wurde. Allerdings sei die Arbeitszeit ein Nachteil, der nur noch bedingt gültig ist. Zumindest laut Karl-Friedrich Junk: „Es gibt immer mehr Jobs, bei denen auch bis spät abends gearbeitet werden muss oder lange Anfahrten in Kauf genommen werden müssen.“

Des Weiteren konnte sich die Innung auf die Schulter klopfen. Denn bei der Brotprüfung, bei der ihre Backwaren von externen Dienstleitern geprüft wurden, erzielten die teilnehmenden Betriebe laut Junk einmal mehr ein „sehr gutes Ergebnis“, sagte er und überreichte den Innungsmitgliedern deren Zertifikate.

Bisher war es kaum so, dass die Bäckereien von Flüchtlingen als potenzielle Arbeitskräfte profitierten. „Es sind sehr viele dabei, die nicht einmal alphabetisiert sind. Da fangen die Hindernisse schon an“, meinte Meinhard Moog. Derartige Mankos können sich rächen. Das beginnt laut Junk bereits bei Themen wie der Arbeitssicherheit. Darüber hinaus würden bei einer Bäckerlehre Politik und Wirtschaftskunde unterrichtet. Fächer, die auch Alteingesessenen nicht leicht von der Hand gingen.

„Im globalen Vergleich hat die Ausbildung in Deutschland als duales System einen sehr hohen Standard“, erklärte Moog. Davon, dass es unter jungen Flüchtlingen Menschen gebe, die für die Backstube geeignet sind, war Dirk Holzapfel überzeugt. „Da wird es sicher einige geben, die die nötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringen“, sagte er. Dirk Holzapfel löste den bisherigen Kassenprüfer Udo Engelbach in dessen bisherigen Funktion ab.

von Benjamin Kaiser

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