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Autobauer testen „autonomes Fahren“

High-Tech-Wagen Autobauer testen „autonomes Fahren“

Testfahrten könnten bald der Vergangenheit angehören. Rund 150 Ingenieure aus der ganzen Welt tauschen sich in Marburg über die Zukunft der computergestützten Fahrsimulation aus.

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Wie testet man den Rennwagen von morgen? Ingenieure diskutierten über diese Frage bei einer Fachkonferenz, die die Marburger Firma Vi-Grade im Congresszentrum am Rosenpark veranstaltet.Fotos: Tobias Hirsch

Marburg. Die Entwicklung von Fahrzeugen wird immer kürzer und immer komplizierter. Kaum ist ein neues Modell auf dem Markt, wird schon die Nachfolgegeneration erprobt. „Für den Bau ausführlicher Prototypen bleibt wenig Zeit“, sagt Jürgen Fett. Der Marburger ist Experte für Fahrzeug-Simulationen. Tests im Computer ersetzen die Fahrten auf dem Prüfgelände. „Ich kann im Computer jede Strecke, jedes Wetter einstellen“. Das spare Zeit und Geld. Der Geschäftsführer der Marburger Firma Vi-Grade entwickelt Simulationen für Höchstleistungswagen und kooperiert dabei mit dem amerikanischen Welt-Marktführer „Adams Simulationswerkzeug“. In Marburg ist Vi-Grade nur wenigen ein Begriff, in der Branche ist Fett ein gefragter Name. Porsche, Ferrari, Lamborghini, BMW oder Audi: Die leitenden Entwickler der Rennwagen und High-Tech-Fahrzeuge gehören zum Kundenkreis. Seit Montagabend sind rund 150 von ihnen in Marburg, um am Fachkongress „When fast ist not enough. Get in in Realtime“ teilzunehmen (Wenn schnell nicht genug ist, mach‘ es in Echtzeit) lautet das Motto.

Unter den Referenten ist auch der Ferrari-Chef-Ingenieur Marco Fainello. Er hatte viele Jahre eine leitende Rolle für die Fahrzeuge des Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher, berichtet Fett.

Zwei Welten miteinander verbinden

Die Experten aus allen Kontinenten der Erde unterhalten sich vor allem über die Frage, wie man den traditionellen Fahrversuch mit computerunterstützter Technik miteinander verbindet. „Das waren bisher zwei Welten“, sagt Jürgen Fett, der sich seit 30 Jahren mit der Entwicklung von Simulatoren befasst. Der Rennsport ist für die Ingenieure eine geeignete Möglichkeit, um ihre Ideen und Forschungen auszutesten. „Neben Schnelligkeit zählt auch für Rennwagen Sicherheit und Fahrstabilität. Die Herausforderung für die Ingenieure ist ähnlich. Wenn sie ein Tool für den Rennwagen entwickeln, können sie diese auch an normale Fahrzeuge anwenden“.

Die Ingenieure tüfteln weltweit auch an elektrisch unterstützten Lenkungen. Die herkömmliche - auf hydraulischer Basis gebaute - Servolenkung werde nicht mehr so gern in der Fachwelt gesehen, weil sie viel Energie verbrauche. Der Kunde von morgen will energiearme, schnelle, sichere, aber auch komfortable Autos. Der Bedarf verändert sich, die Entwicklungswege erst recht. „Innovative Systeme werden virtuell entwickelt“, fasst Fett zusammen.

Wird der Fahrer irgendwann überflüssig?

Ob der Fahrer irgendwann überflüssig wird, weil das Auto schon alles kann? Auch das werde diskutiert. „Autonomes Fahren“ heißt das Zauberwort. Geräte, die Fußgänger scannen können, die das Fahren auf der Autobahn von selbst beherrschen - all das gib es bereits in der Simulation und teilweise auch schon in der Realität.

Wann eine neue Generation von solchen Fahrzeugen serienreif wird, steht aber noch nicht fest. Fakt ist, dass „man in wenigen Tagen ein Fahrzeug komplett virtuell umfassend testen kann“, so Fett.

von Anna Ntemiris

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