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„Auto erzieht zum sparsamen Fahren“

Im Test: Hybrid-Fahrzeug „Auto erzieht zum sparsamen Fahren“

Ein Elektro-Auto für den Malerbetrieb – geht das? „Ja, aber“, sagt Bettina Bischoff aus Marburg – denn für sie fehlt es noch an den passenden Rahmenbedingungen.

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Bettina (vorne) und Pia Bischoff mit dem Testwagen. Sie sind sicher, dass sich Elektro-Autos auch in Unternehmen einsetzen lassen – es fehlten allerdings finanzielle Anreize.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Es ist ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen nach dem Willen der Bundesregierung eine Million Elektro-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Die Realität sieht anders aus: Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) rollten Ende 2014 knapp 19.000 reine Elektro-Autos auf deutschen Straßen.

Die Zahl der sogenannten Plug-in-Hybride, die mal mit Verbrennungs- und mal mit Elektro-Antrieb fahren und von der Regierung zu den E-Autos gezählt werden, lag bei 108.000.

Um Anreize zu schaffen, will das Hessische Wirtschaftsministerium Unternehmen die E-Mobilität schmackhaft machen: Sie konnten sich für einen Testwagen bewerben. Das haben auch Bettina und Pia Bischoff vom Marburger Malerbetrieb Bischoff getan – mit Erfolg: Zwei Wochen lang konnten sie einen Mitsubishi Outlander als Plug-in-Hybrid testen. Der laut Unternehmen erste Plug-in-Hybrid-SUV der Welt ist mit einem Benzin- und zwei Elektromotoren ausgestattet und schafft es laut Werksangaben auf bis zu 52 Kilometer Reichweite im rein elektrischen Fahrbetrieb.

Geringe Anhängelast gibt Minuspunkte

Sollte der Strom im Akku nicht mehr ausreichen oder der Fahrer mehr Leistung benötigen, schaltet sich der Benzinmotor zu, wodurch auch der Stromspender wieder aufgeladen werden kann. Ansonsten kommt der Wagen abends mittels Ladekabel an eine herkömmliche Steckdose und ist so am nächsten Morgen wieder einsatzbereit.

Bettina Bischoff sagt: „Eigentlich wäre das für uns ein sehr gutes Fahrzeug, denn wir bewegen uns hauptsächlich im Stadtgebiet. Selbst bei sechs oder sieben Terminen am Tag komme ich selten auf mehr als 50 Kilometer.“ Bei den übrigen Firmenfahrzeugen sei es so, dass diese mit dem Material losfahren würden – und dann hauptsächlich als „Werkstatt“ acht Stunden stünden. „Ein bestimmter Pool an Fahrzeugen wäre also als E-Auto prädestiniert“, sagt Bischoff.

Sie und ihre Schwester hätten jeweils einen großen Kombi, „die knapp zwei Tonnen ziehen können und zum Zuladen verwendet werden“, sagt Bischoff. Die Schwestern würden ihre Autos auch für Kundenbesuche verwenden, vor diesem Hintergrund könne man sich überlegen, „nur noch einen Großen zu verwenden – und ein kleines Elektro-Auto für die Besuche“. Denn der Outlander habe einen großen Nachteil: Er könne nur 1500 Kilogramm ziehen und sei von der Motorleistung ein wenig zu schwach.

Ansonsten ist sie von den Fahr-Eigenschaften begeistert, „vor allem ist er bei der Elektrofahrt nicht zu hören“, schwärmt sie. Auch erziehe das Auto zur sparsamen Fahrt, „man will die elektrische Leistung immer ausreizen“, sagt sie lachend.

Testzeit eine „tolle Sache“

Für den Alltagsbetrieb der Mitarbeiter seien E-Autos derzeit noch keine Alternative, „denn da braucht man mindestens mal einen Transporter“, so Bischoff. Derzeit habe das Unternehmen davon neun im Einsatz – hinzu kämen die beiden Pkw. „Fünf Fahrzeuge könnte man theoretisch als Kleinfahrzeuge mit Elektro laufen lassen – wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Rahmenbedingungen stimmen“, so Bettina Bischoff.

Denn: „Die Frage ist, wann sich die Einsparung rechnet.“ Die Unternehmerin würde sich wünschen, als Anreiz einen Zuschuss vom Staat zu erhalten – wie es in anderen Ländern bereits möglich ist. „Denn über die Kilometer kommen wir da nicht hin – eher im Gegenteil: Die E-Autos würden ja hauptsächlich auf kürzeren Strecken eingesetzt.“

Würde man indes beispielsweise 5000 Euro Zuschuss bekommen, „dann würde es sich rechnen und ich würde zuschlagen“. Die Initiative der Landesregierung bezeichnet sie als „tolle Sache, um mal einen Zugang zu der Materie zu finden. Vor allem auch, dass man die Autos 14 Tage lang testen kann, um sich wirklich mit ihnen vertraut zu machen“.

Ihr Interesse sei auf jeden Fall geweckt worden – auch wenn sie sicher ist, „dass niemals alle auf die Autos umsteigen werden. Aber es gibt eine große Gruppe von Menschen, die mit den E-Autos wesentlich energiesparender fahren könnten“. Doch Bettina Bischoff verdeutlicht auch: „Man benötigt immer noch ein Alternativ-Auto.“ Nachtrauern werde sie dem Wagen nach dem Ende der Testphase aber doch ein wenig, denn: „Man lernt wirklich, bewusster Auto zu fahren.“

von Andreas Schmidt

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