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Auslandspraktikum steigert Chancen

Projekt "Ida" Auslandspraktikum steigert Chancen

Das Projekt „Integration durch Austausch“ (Ida) soll jungen Langzeitarbeitslosen eine Berufsperspektive eröffnen. Rund 80 Projektbeteiligte tauschten jetzt ihre Erfahrungen aus.

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Die blinde Sezen Stearn (links) und Rene Pauli waren gemeinsam mit Projektbetreuerin Ute Holzgrewe im spanischen Platja d‘Aro zum Ida-Praktikum – und haben dort wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Zum Ende der Förderperiode des Bundesprojektes „Integration durch Austausch“ (Ida) kamen die Experten von sechs Ida-Projektverbünden aus Hessen, Süd-Niedersachsen und Thüringen zum internationalen Ida-Fachtag nach Marburg ins Kreisjobcenter. Und auch zahlreiche Projektpartner aus Ländern wie England, Spanien, Italien oder Polen waren mit von der Partie.

Organisiert hatte die Fachtagung „Potenziale transnationaler Mobilität“ Arbeit und Bildung aus Marburg - und das mit hohem Aufwand: So wurden sämtliche Reden und Diskussionsbeiträge simultan übersetzt. Inhaltlich ging es um einen Einblick auf die Ergebnisse der vergangenen Arbeit. Außerdem sollte die Tagung die Teilnehmer auf die kommende Förderperiode, die 2015 in Kraft tritt, vorbereiten.

Projektförderung unter neuen Vorzeichen

Andrea Martin, Leiterin des Kreisjobcenters, verdeutlichte in ihrer Ansprache, dass der Grundgedanke von Ida sei, etwas Neues zu erleben und sich damit vertraut zu machen. „Das ist eine Grundanforderung für Beschäftigungsfähigkeit in der modernen Arbeitswelt“, so Martin. Das Jobcenter sei „Ida-Fan der ersten Stunde“, die Resonanz sei sehr positiv.

Rosemarie Lück, Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Darmstadt-Dieburg, erinnerte, dass sie und ihr Team zu Beginn des Projekts in 2009 zunächst skeptisch gewesen seien. „Das Auslandspraktikum erweitert allerdings die persönlichen und sozialen Kompetenzen, die berufspraktischen Erfahrungen und auch die Fremdsprachenkenntnisse“, resümierte sie rückblickend.

Mechthild Jürgens vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales erläuterte, dass es deutschlandweit 140 Ida-Projektverbände gebe, 10 davon in Hessen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt seien 60 Prozent der Ida-Teilnehmer in die Arbeitswelt vermittelt worden.

Doch die Förderung wird umgestellt: So soll in der nächsten Förderperiode der Fokus auf Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren gelegt werden. Darüberhinaus soll es eine verstärkte Kooperation mit dem Kreisjobcenter und Betrieben vor Ort geben. Zudem soll es auch vermehrt zu Rückaustauschen von Ida-Praktikanten aus dem EU-Ausland nach Deutschland kommen.

Doch mit mehr Details konnte Jürgens noch nicht aufwarten: Genaueres für die Projektträger wird es erst im November geben - dann sollen die Richtlinien für die neue Förderperiode bekanntgegeben werden.

Was Ida in der Praxis bedeutet, erläuterten Rene Pauli (28) und Sezen Stearn (33), die beide mit Ida im spanischen Platja d‘Aro waren.

Rückkehr mit jeder Menge Motivation im Gepäck

Der gehbehinderte Rene Pauli arbeitete - nach einer achtwöchigen Vorbereitung inklusive Sprachkurs - dort in der Möbelrestauration. „Ich hatte vorher im Elektrobereich gelernt, aber ich interessiere mich für Schreinerei und Holzarbeiten. Doch aufgrund meiner Behinderung konnte ich dort keine Ausbildung machen“, erzählt er. Sechs Wochen war er in Spanien - „es hat jede Menge Spaß gemacht“, sagt er. Und vor allem hat der 28-Jährige ein großes Maß an Selbstvertrauen getankt. Denn vor Ort konnte er sich beweisen, hat „quasi nebenbei“ sein Spanisch verbessert und ist nun noch motivierter als zuvor, einen Job zu finden - durch den Auslandsaufenthalt unter besseren Vorzeichen.

Die blinde Sezen Stearn ist erst vor zwei Wochen aus Spanien zurückgekommen. Sie absolvierte ein Praktikum im Büro des Arbeitgeberverbands, „es ging darum, für deren Facebook-Seite zu recherchieren, um die touristischen Potenziale aufzuzeigen“, so die 33-Jährige. Bei ihrem vierwöchigen Aufenthalt hat Stearn erfahren, „dass dort der Umgang mit Behinderten ganz anders ist: Man wird viel besser integriert“. Studiert hat Sezen Stearn Spanisch und Geschichte, hat eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste gemacht. „Ich bin deshalb mitgefahren, um vielleicht neue Ideen oder Anstöße zu bekommen - und bin jetzt zurückgekommen mit der Idee, etwas in Richtung Tourismus zu machen“, sagt sie. „Ohne das Ida-Projekt wäre ich nicht auf diese Idee gekommen - das ist viel Wert“, so Stearn.

Hintergrund:

Mit dem Projekt „Integration durch Austausch“ (Ida) soll die berufliche Eingliederung von Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt unterstützt werden. Dies geschieht durch den Erwerb berufspraktischer Erfahrungen im EU-Ausland.

Benachteiligte Jugendliche, arbeitslose junge Erwachsene und junge, alleinerziehende Frauen sowie Menschen mit Behinderungen sollen durch ein Auslandspraktikum ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.

„Ida“ wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert und vor Ort durch die Agentur für Arbeit Marburg und das Kreisjobcenter unterstützt. Projektpartner im Landkreis ist Arbeit und Bildung.

von Andreas Schmidt

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