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Auslandsaufenthalt erweitert Horizont

Tischler berichtet aus Österreich Auslandsaufenthalt erweitert Horizont

Für Schüler und Studenten sind Auslandsaufenthalte heute nahezu ­Standard. Marvin Wolf aus Schönstadt bildete sich auf eigene Faust 
in Österreich weiter.

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Marvin Wolf hobelt im elterlichen Betrieb eine Platte ab. Der 21-Jährige verbrachte knapp ein Jahr bei zwei Firmen in Österreich, um sein Wissen zu erweitern.

Quelle: Andreas Schmidt

Schönstadt. Seit zwei Jahren ist Marvin Wolf mittlerweile Geselle. Seine Ausbildung zum Schreiner absolvierte er bei einem Betrieb in Wehrda, seither arbeitet er in der elterlichen Firma „Wolf Wintergarten“ in Schönstadt. Doch das nicht ohne Unterbrechung: Der 21-Jährige wollte sich weiterbilden – und unterbrach die Arbeit in Mittelhessen für eine insgesamt knapp einjährige Tätigkeit in Österreich.

Ein halbes Jahr lang verschlug es den Schönstädter zunächst von Juli bis kurz vor Weihnachten vergangenes Jahr in den Bregenzer Wald. Und dieses Jahr war Wolf dann für ein weiteres halbes Jahr in der Nähe von Kufstein.

Doch wie kam es dazu? „Mich hat der Möbelbau schon immer interessiert, doch hier bei uns habe ich es in der täglichen Arbeit eher mit anderen Dingen zu tun“, sagt Wolf. Und er sieht das Jahr auch als Vorbereitung für einen eventuellen Meisterkurs, „denn da ist der Möbelbau wieder wichtig“.

Ziel: Abläufe in anderen Firmen kennenlernen

Für den Massivholzbau ebenso wie den Küchenbau sei Österreich „einfach besonders gut“, so Wolf. Durch einen Bekannten sei der Kontakt zu einem Betrieb in Österreich zustande gekommen – Marvin Wolf packte die Gelegenheit beim Schopf, bewarb sich und wurde angenommen. Und auch zu einer weiteren Firma im Bregenzer Wald kam so der Kontakt zustande.

„Optimal, so konnte ich gleich zwei Firmen kennenlernen“, sagt Marvin Wolf. Denn er erhoffte sich von seinen Auslandsaufenthalten auch, einen Einblick in die Abläufe der Firmen zu bekommen. Denn perspektivisch möchte Wolf das elterliche Unternehmen übernehmen. Dafür sei es auch gut zu wissen, wie andere Firmen funktionieren.

Aufgeregt war er schon ein wenig, bevor er sich auf die Reise machte. Doch Wolf weiß, den Aufenthalt einzuordnen. „Natürlich kann man das nicht vergleichen mit einem Auslandsaufenthalt in Asien, wo man die Sprache nicht versteht“, sagt er.

Doch auch im Bregenzer Wald sei die Kommunikation manchmal eine Herausforderung gewesen: „Wenn die in ihrem Dialekt losgelegt haben, habe ich auch nichts verstanden“, sagt Wolf lachend. Ein Beispiel sei ihm noch präsent: „Wenn bei uns etwas nicht so genau sein muss, etwa ein Brett, das nur grob abgesägt werden muss, dann sagen wir ,paarundzwanzig‘ Zentimeter. Das hat für großes Gelächter gesorgt.“

Die Welt ist klein

Im ersten, kleinen Betrieb mit fünf Mitarbeitern sei es „recht streng“ zugegangen. „Es herrschte beispielsweise Handy-Verbot, jeden Morgen wurden die Telefone eingesammelt. Und auch für ein kleines Schwätzchen zwischendurch mit den Kollegen blieb keine Zeit“, erinnert sich Wolf. Doch die Arbeitsweise sei sehr professionell und sehr detailliert gewesen.

Dabei kam es auch zu interessanten Begegnungen: „Als wir in einem Hotel in Innsbruck mit dem Innenausbau beschäftigt waren merkte der Hotelbesitzer, dass ich Hochdeutsch sprach“, erzählt der Geselle. Er habe gefragt, wo der junge Mann herkomme, woraufhin Marvin Wolf erklärte, er sei quasi Gastarbeiter aus Marburg. „Und daraufhin erzählte er mir, dass seine Tochter auf der Steinmühle ist“, erzählt Wolf lachend.

Während des ersten halben Jahres zog sich Wolf eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung zu, „ich musste eine Woche lang für ein Großprojekt nur Schraubzwingen anziehen – das war zu viel“. Er habe sich lange gequält, brach den Aufenthalt dann aber doch ab, denn der Arm wurde eingegipst. „Eigentlich hätte ich noch zwei Wochen gehabt – der Abschluss war mir zu blöd. Also bin ich später wieder zurückgefahren und habe die zwei Wochen noch durchgezogen.“

In Tirol hatte der Geselle hauptsächlich mit Laborbau zu tun – für Unternehmen der Pharma-Industrie. „Der Betrieb war in puncto Computer-Technik super aufgestellt, etwa mit CNC-Technik. Das war sehr lehrreich.“
Ein Wiedersehen mit den Kollegen ist bereits geplant

Hoffen auf Wiedersehen

Auch seien in dieser Firma alle Mitarbeiter an allen Maschinen einsetzbar, „jeder konnte alles und war von der Planung bis zur Fertigstellung für seinen Auftrag verantwortlich und holt sich die Leute, die er dazu braucht, hinzu. Das Konzept finde ich sehr gut. Und zu sehen, wie es umgesetzt wurde, hat mir sehr viel gebracht.“

Mit den Kollegen in Tirol habe sich Wolf super verstanden, ein Wiedersehen ist bereits eingeplant. „Im Dezember will ich in Kitzbühel meine Skilehrer-Ausbildung machen. Dann werde ich bestimmt einige der Kollegen wiedersehen.“

Auch die Wochenenden hat der Schönstädter in Österreich genossen, „das war wie Urlaub: Ich bin viel herumgefahren, habe viel besichtigt – das war ein Traum“, sagt er. Und auch persönlich habe er sich weiterentwickelt: Das erste Mal alleine leben, sich um Haushalt und Einkauf ebenso selbst kümmern, wie um den Papierkram – „das Selbstständige hat sich weiterentwickelt“, ist sich Marvin Wolf sicher.

Und wie geht es beruflich weiter? Zunächst mit dem Blick hinter die Kulissen des heimischen Betriebes, „momentan arbeite ich im Büro, um dort alles kennenzulernen. Und dann läuft es darauf hin, die Meisterausbildung zu machen.“ Ganz sicher ist sich Wolf noch nicht, „aber der Beruf ist mein Traum“.

von Andreas Schmidt

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