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Ausgediente Skier werden zu Bänken

Produktionsschule hat neue Werkstatt Ausgediente Skier werden zu Bänken

Jugendliche auf einen Schulabschluss und späteren Beruf vorbereiten und zu fördern – das leistet die Marburger Produktionsschule, deren Schüler nun in neuen Werkstätten „Am Krekel“ lernen.

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Stolz präsentieren die Projektbetreuer Carsten Klein, Lehrer an der Adolf-Reichwein-Schule, und Yvonne Grünthal von Arbeit und Bildung die Produkte ihrer Schüler.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Gut ein Dreivierteljahr hat es gedauert, doch mittlerweile sind die neuen Räume und Werkstätten der Produktionsschule renoviert und voll einsatzbereit. Die Arbeit hat das Kooperationsprojekt von Arbeit und Bildung und der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) längst wieder aufgenommen.

Gemeinsam mit den Schülern brachten die Projektbetreuer die ehemalige Druckerei Wenzel „Am Krekel“ auf Vordermann, verlegten auf den rund 250 Quadratmetern neue Böden, zogen Zwischenwände ein, tapezierten die Wände und richteten Holz-, Metall- und Malerwerkstatt neu ein. Sobald die erste Werkbank stand, wurde parallel direkt wieder gewerkelt, gehämmert und gebohrt.

Die Schule arbeitet auftragsbezogen – sowohl für die öffentliche Hand wie für private Kunden und Vereine. Daneben erstellen die Schüler eigene Kreativprojekte. „Wir haben Arbeit ohne Ende und bauen alles aus Holz, Stahl oder Verbundstoffen“, erklärt Carsten Klein, Lehrer für Metallbau der ARS.

Schüler lernen unter praxisnahen Bedingungen

So errichten die Schüler unter anderem eine ganze Reihe an Informationstafeln für die Zeiteninsel in Argenstein, bauen Beschilderungen für Lehrpfade der Stadt, Insektenhotels oder Gerätschaften für den Hundesport und reparierten bereits die Feldbetten des Cappeler Flüchtlingscamps.

An die Werkstätten angeschlossen ist der Kreativbereich samt Atelier, in dem gezeichnet, gemalt und mit Keramik gearbeitet werden kann. Derzeit bauen die Teilnehmer Sitzgelegenheiten aus gebrauchten Skiern und Snowboards. Zu diesem Zweck zerlegen die Schüler hunderte der winterlichen Sportgeräte in ihre Einzelteile und setzen sie zu stabilen, flexiblen Bänken zusammen.

Im Schnitt nehmen rund 20 lernschwache Jugendliche ohne Ausbildung von der ARS und aus den Berufsorientierungslehrgängen von Arbeit und Bildung für je ein Jahr an dem stark praxisbezogenen Sozialprojekt teil. Neben Unterricht und Berufspraktika werden die Schüler unter den Bedingungen realer Arbeitstage an handwerkliche Berufe herangeführt, mit dem Ziel ein neues Lernverständnis zu entwickeln.

Einweihung diesen Freitag

„Wir bieten schulmüden Jugendlichen eine Orientierung und führen sie an Schulabschluss und späteren Beruf heran, außerhalb einer typischen Schul-Atmosphäre“, erklärt Klein. Finanziert wird die Schule aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und vom Land Hessen.

Aus ihren alten Räumen in der Neuen Kasseler Straße musste die Schule im Sommer vergangenen Jahres ausziehen, der Pachtvertrag wurde nicht verlängert. Den Umzug bereuen die Projektbetreuer keineswegs – im Gegenteil: „Der Platz ist perfekt, gut angebunden, ebenerdig und nicht zu groß“, lobt Yvonne Grünthal von Arbeit und Bildung. Seitdem sei die An- und Auslieferung der Produkte sowie die Teilnahme behinderter Schüler deutlich einfacher.

Am Freitag weihte die Schule ihre neuen Räume mit einem Besuchertag ein. Den gesamten Mittag über herrschte reges Treiben zwischen den Werkbänken auf dem frisch renovierten Schulgelände – zahlreiche Besucher besichtigten die Produkte der Schüler und erkundigten sich über das Projekt.

von Ina Tannert

Die Schüler Timo Bosshammer (links) und Tobias Staffel bauen kreative Sitzbänke aus Skiern. Foto: Ina Tannert
 
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