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Ausgebrannt am Arbeitsplatz

Thema Burn-out Ausgebrannt am Arbeitsplatz

Burn-out ist Thema: In den Medien, der Arbeitswelt und im Gesundheitssystem gewinnt der Begriff mehr und mehr an Bedeutung. Doch was ist Burnout eigentlich? Zum Thema trafen sich nun Experten in Marburg.

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Das Symbolfoto zeigt eine depressive Frau an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Oliver Berg

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Marburg. Nach den Maßstäben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Burn-out nicht mal eine Krankheit. Es wird als Problem der Lebensbewältigung eingestuft. Als emotionaler Erschöpfungszustand der die Gesundheit beeinflusst, nicht aber als klassifiziertes Krankheitsbild zu betrachten ist.

Dem Organisatoren der Fachtagung, Eitel J. Vida, geht es beim Thema Burnout um eine Versachlichung der aufgeheizten Diskussion. Der Begriff Burn-out werde mittlerweile inflationär für eine Vielzahl von psychischen und körperlichen Störungen verwendet, oftmals ohne eine genaue Definition zu geben. Dabei will Vida das Thema keinesfalls kleinreden - ihm geht es darum, die Bevölkerung für das Problemfeld zu sensibilisieren. Wichtig sei dies besonders in Hinblick darauf, dass es auch in Zukunft steigende Zahlen bei den Burn-out-Diagnosen geben werde, ist sich Vida sicher: „Für unsere moderne Gesellschaft ist Burn-out auch ein wirtschaftlicher Faktor, der nicht zu unterschätzen ist. Die Finanzkrise trifft den Mittelstand. Die Menschen haben Existenzängste, sie haben Angst davor ihre Arbeitsstelle zu verlieren. All dies führt zu noch mehr Stress und den bekannten negativen Auswirkungen“. Vida möchte der „Volkskrankheit“ Burn-out mit Hilfe von Experten nähern, die er zu einem Dialog in das Softwarecenter eingeladen hatte.

Etwa 60 Personen sind gekommen, „ein überschaubarer Kreis“, sagt Vida. Dafür biete sich den Anwesenden jedoch die Möglichkeit tiefer in das Thema einzusteigen und Nachfragen zu stellen. Die Expertenrunde eröffnete Professor Manfred Steinbach mit seinem Vortrag „Spannungsfeld Burnout: Gesellschaft im Wandel“. Darin beschrieb der ehemalige Weltklasse-Leichtathlet die Schwierigkeiten bei der Verortung des Burn-out-Begriffs. Einerseits habe es schon immer psychische Stressfaktoren - Steinbach spricht hier von Stressoren - gegeben, die belastend auf das Individuum eingewirkt hätten.

Andererseits sei in der Moderne eine Schnelllebigkeit dazu gekommen, die es jedem Menschen erschwere, sich zurechtzufinden. Konzepte zur Bekämpfung von Burn-out setzten zu häufig zu spät an, bemängelt Steinbach. Vielmehr gelte es, gleich bei den ersten Symptomen einer Ermüdung oder psychischen Belastung tätig zu werden. Besonders angesprochen sei hier der Arbeitgeber. „Der Betrieb hat einiges zu leisten. Der Arbeiter muss bei seinen Sorge Hilfe finden. Vielleicht auch durch einen psychologischen Dienst. Denn ein Mitarbeiter, der sich wohl fühlt, leistet auch bessere Arbeit“, sagte Steinbach. In der heutigen Gesellschaft gäbe es Millionen Menschen, die auf ein Burn-out zusteuerten, wobei Steinbach die Zahlen zu Burn-out-Fällen mit Vorsicht betrachtet, da viele Statistiken sich überlappen würden. „Ein Unglücklichsein gab es auch schon früher“, sagt Steinbach mit Blick darauf, dass es auch Personen gäbe, die sich als Ausweg in den Burnout-Gedanken flüchteten. Dennoch sei das Problem auf gar keinen Fall zu unterschätzen. Ebenso sieht es Eitel J. Vida, der sich auch in Zukunft für eine sachliche Diskurs einsetzen will, denn „Burn-out wurde lange unterschätzt - nun kommt man nicht mehr um das Thema herum“.

von Dennis Siepmann

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