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Unterstützung, wenn es in der Lehre hakt

„Ausbildungsbegleitende Hilfen“ Unterstützung, wenn es in der Lehre hakt

Die Theorie war sein Ding nicht so sehr, sagt Michael Gawlitza: Der 20-Jährige hat bei seiner Lehre 
„ausbildungsbegleitende Hilfen“ in Anspruch 
genommen – damit es mit den Prüfungen klappt.

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Durch die ausbildungsbegleitenden Hilfen konnte Michael Gawlitza (links) seine Gesellenprüfung 
bestehen – und sein Chef Peter Dörr hat nun eine weitere Fachkraft im Betrieb.

Quelle: Andreas Schmidt

Mardorf. Zwei Praktika hatte 
Michael Gawlitza bei der Peter Dörr Haustechnik absolviert, danach stand für ihn fest: Er möchte den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik erlernen. Chef Peter Dörr war mit Gawlitza sehr zufrieden und stellte ihn 2013 als Azubi ein. „Wir hatten uns durch die Praktika kennengelernt, das hat einfach gepasst“, sagt Dörr.

Und auch Gawlitza ging enthusiastisch an den Beruf heran, stellte jedoch fest, dass es mit der Theorie hier und da ein wenig haperte. „Das Praktische kann jeder, das macht man im Betrieb jeden Tag“, sagt er. „Aber in der Schule ging es viel um Mathematik und Formeln.“ Ob Gefälle-Berechnung oder Brennwert, Heizwert und Wirkungsgrad ausrechnen – das fiel Gawlitza zunächst schwer. „Da ich weiß, dass ich schulisch nicht einer der besten bin, habe ich gesagt, ich nehme das Angebot an“, sagt er. Denn Michael Gawlitza war schon damals bewusst: „Ich wollte die Gesellenprüfung beim ersten Mal schaffen, denn das ist der erste Schritt in ein neues Leben.“

Sozialpädagogische Begleitung

Also musste Förderunterricht her. Und den fand der heute 20-Jährige in Form der „ausbildungsbegleitenden Hilfe“ (abH), die von der Agentur für Arbeit finanziert und vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft 
umgesetzt wird. Der Anstoß dazu kam hauptsächlich vom Berufschullehrer, doch auch Peter Dörr wusste, dass es abH gibt: „Ich habe die damals selbst genutzt, fand das Angebot gut, denn es wurde wiederholt, wo es Defizite gab“, erzählt er.

Nach einem ausführlichen Einzelgespräch, einem bedarfsorientierten Profiling sowie der anschließenden Klärung der Fördervoraussetzungen mit der Agentur für Arbeit Marburg nahm Michael Gawlitza wöchentlich an einem fachtheoretischen Stützkurs zur Aufarbeitung der Lerninhalte aus der Berufsschule teil und konnte sich so intensiv auf seine Abschlussprüfung vorbereiten.

Neben dem individuellen Stützkurs bekam er zusätzliche Hilfe durch sozialpädagogische Begleitung sowie die Bereitstellung individueller Förderangebote durch die pädagogischen Mitarbeiter des Bildungswerks. Vier Unterrichtsstunden hat Gawlitza jede Woche absolviert – zusätzlich zu seiner Zeit in Betrieb und Berufsschule. „Außerdem habe ich zuhause auch noch viel gelernt“, erzählt er. Mit Erfolg: Bis Januar nahm er an den abH teil, hat den Abschluss nun in der Tasche und kann als Geselle weiter im Betrieb arbeiten.

Abgebrochene Ausbildung ist wirtschaftlicher Verlust

Die Berufsberater in der Marburger Arbeitsagentur machen immer wieder gute Erfahrungen mit abH. „Jugendliche profitieren enorm davon, oft helfen schon ein paar Stunden Nachhilfe den Jugendlichen schnell dabei, sich wieder etwas zuzutrauen und sich leistungsfähig zu fühlen. Selbstwertgefühl und Leistungsmotivation werden gestärkt“, sagen sie.

Peter Dörr schätzt das Engagement und Durchhaltevermögen seines ehemaligen Azubis. „Michael Gawlitza hat das Ganze gut gemeistert, hat gut mitgearbeitet. Und die Unterstützung mit abH half auch uns, denn wir wollen jeden Auszubildenden, für den wir uns entschieden haben, als Fachkraft qualifizieren.“ Dörr weiß, wie wichtig gut ausgebildete Mitarbeiter sind, eine abgebrochene Ausbildung eines Azubis ist immer auch ein wirtschaftlicher Verlust für den Betrieb.

Gerhard Wenz, Bereichsleiter 
der Marburger Arbeitsagentur, ist sich sicher: „Die abH sind ein Top-Angebot und ein praxisbewährtes Instrument, um zu verhindern, dass eine Ausbildung abgebrochen wird, denn das führt in der Praxis oft zu Arbeitslosigkeit. Das wollen wir unbedingt vermeiden, schließlich sind auf dem Arbeitsmarkt Leute mit fachkundigem Wissen gefragt“. Mit abH gelinge es, jungen Menschen eine gute Existenzgrundlage zu schaffen und Betrieben qualifizierte Mitarbeiter zu sichern. „Manchmal tut eben Nachhilfe Auszubildenden und auch Arbeitgebern gut“, so Wenz.

Unterricht orientiert sich gezielt an den Defiziten

Jederzeit nach Ausbildungsbeginn sind abH möglich – und setzen dort an, wo sich Lücken auftun. So etwa bei schlechten Berufsschulnoten, Lücken in Fachtheorie und Fachpraxis, Lernhemmungen, Prüfungsangst oder Problemen mit der deutschen Sprache sowie bei Schwierigkeiten im sozialen Umfeld.

„Die Auszubildenden erhalten je nach Beruf und Ausbildungsjahr differenzierten Fachunterricht in Kleingruppen, der sich an den Inhalten der gültigen Ausbildungsordnungen und Ausbildungsrahmenplänen orientiert und eine kontinuierliche sozialpädagogische Begleitung einschließt“, betont Aiko Grön, Teamleiter beim BWHW.

Unabhängig vom Ausbildungsberuf oder Lehrjahr kann jeder Azubi mit erhöhtem Unterstützungsbedarf abH in Anspruch nehmen. Es werden 
sozialpädagogische Unterstützungsangebote zu Themen wie Lerntechniken, Prüfungsangst, Stressbewältigung oder Zeitmanagement angeboten. Eine enge Kooperation mit Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben ist ebenfalls fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Für die Auszubildenden und die Ausbildungsbetriebe sind die abH kostenlos.

von Andreas Schmidt

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