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Aus Skiern werden Bänke

Marburger Produktionsschule Aus Skiern werden Bänke

Die Marburger Produktionsschule bietet jungen Menschen Chancen, die sonst Schwierigkeiten hätten, auf dem Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden.

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Der 19-jährige Miguel Lamos baut an der Marburger Produktionsschule aus alten Skiern eine Sitzbank.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Miguel Lamos holt einen abgesägten Ski aus einem Regal. Einer ist bereits an ein ­trapezförmiges Metallgestell geschraubt, jetzt kommt noch ­einer hinzu. Der 19-Jährige misst den Ski ein und bohrt dann zwei Löcher. Mit Schrauben befestigt er das Brett an dem Metall. Wenn Lamos fertig ist, wird man auf den Skiern sitzen können, denn die Marburger Produktionsschule fertigt daraus Bänke. Einen Einblick in die Arbeit konnten sich Interessierte während eines Info-Tags verschaffen.

Lamos ist einer von derzeit 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die Einrichtung besuchen. Sie ist ein Kooperationsprojekt von Adolf-Reichwein-Schule (ARS) und dem Verein „Arbeit und Bildung“. Hauptschüler der ARS besuchen die Produktionsschule zwei ­Tage pro Woche, um handwerklich und kreativ zu arbeiten. Aber auch Teilnehmer berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen gehören zu der Klientel der Einrichtung. Drei Männer sind derzeit im Rahmen eines Projekts zur Integration von Flüchtlingen dort.

Arbeit in der Werkstatt verschafft Erfolgserlebnisse

Lea-Maria Jäger, Leiterin der Produktionsschule, die auch die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen betreut, erklärt: „Zu den Teilnehmern gehören unter anderem Schulabbrecher, Jugendliche mit Lernschwächen, die keinen Ausbildungsplatz finden, psychische Probleme oder eine Suchtproblematik haben.“ An der Produktionsschule sind sie nicht nur handwerklich im Bereich Holz, Metall und als Maler aktiv, sondern bekommen auch allgemeinbildenden Unterricht wie Deutsch oder Mathematik.

Die Arbeit in der Werkstatt verschaffe den Teilnehmern ­Erfolgserlebnisse, beispielsweise bei der eigenen Konzeption und Umsetzung eines Schlüsselkastens, die sie motivierten. Ziel sei es, die jungen Leute­ schließlich in Arbeit zu vermitteln. Dazu finde auch ein Bewerbungstraining statt und es würden gemeinsam Praktikums- und Ausbildungsplätze­ gesucht. Handwerkliche Berufe­ seien dabei nicht vorgegeben, sondern machten nur einen kleinen ­Anteil aus, je nach Interesse der Teilnehmer.

„Wir verstehen uns als grüne Schule“, so Angelika Funk, stellvertretende Geschäftsleiterin von „Arbeit und Bildung“. Die Skier, aus denen die Bänke hergestellt werden, waren Spenden. Auch Schilder und Sitzgelegenheiten für Wanderwege und Lehrpfade gehören zu den Produkten, die die Schule vertreibt.

Weil eine solche Einrichtung nach dänischem Vorbild im Schulgesetz nicht vorgesehen sei, werde sie finanziert von der Stadt Marburg, der Agentur für Arbeit, dem Kultusministerium, dem Kreisjobcenter, dem Europäischen Sozialfonds und dem Hessischen Ministerium für ­Soziales und Integration.

von Freya Altmüller

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