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Aus Liebe zum Leder

Petronela Lang restauriert Schuhe und vieles mehr Aus Liebe zum Leder

Kaputte Schuhe würden zum Schuster gehen, wenn die Suche nicht so schwierig wäre. Petronela Lang aus Marburg hat sich der alten Handwerkskunst verschrieben, eine Arbeit mit hohem Aufwand.

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Kunstvoll punzierte und gefärbte Armbändern gehören zum 
Sortiment, das Petronela Lang anbietet.

Quelle: Frank Rademacher

Marburg. Gelernt hat Petronela Lang bei ihrem Ex-Mann, einem orthopädischen Schuhmachermeister. Vor elf Jahren übernahm die gebürtige Rumänin eine kleine Schusterei im Wehrdaer Weg in Marburg und ist seither Lebensretterin für Schuhe und Stiefel.

Die Mutter von vier Kindern setzt dabei ganz auf Qualität und solide Handarbeit. Schließlich sollen die Kunden wiederkommen. Wer sich mit ihr unterhält, dem wird schnell klar, weshalb man auch von Handwerkskunst spricht. So mancher Damenstiefel, dessen Tage schon gezählt schienen, verließ als ganz anderes Paar die kleine Werkstatt.

Die Stiefel sollen einen Reißverschluss bekommen, der Schaft etwas enger werden und ein paar Applikationen würden auch nicht schaden – kein Problem, sagt Petronela Lang. Sie bespricht mit den Kunden genau, was möglich ist und macht auch Vorschläge, wie aus den abgetragenen Schuhen wieder attraktive Hingucker werden können.

Vor zwei Jahren musste die Marburgerin ins Nachbarhaus umziehen, was nicht zum Nachteil geriet, weil jetzt etwas mehr Platz da ist, um auch die zusätzlichen Lederarbeiten ausführen zu können.

Petronela Lang ( Foto: Rademacher) beschränkt sich nämlich nicht auf das Schuhwerk, sondern gestaltet praktisch alles, was sich aus Leder machen lässt. Gürtel, Taschen, Jacken, Armbänder, Schlüsselanhänger oder Notizbücher – im Schaufenster findet sich eine Auswahl der ledernen Kunstwerke, die aus Petronela Langs Händen entstanden sind.

Vor zwei Jahren hat sie sich noch in Sachen Lederprägung weitergebildet, so dass sie jetzt nicht nur nahezu unverwüstliche Ledergürtel anfertigt, sondern diese auch kunstvoll gestaltet, wenn der Kunde dies wünscht.

Das Punzieren ist freilich eine aufwändige Arbeit. Die Muster werden mit unterschiedlichen Prägeeisen in das zuvor angefeuchtete Leder geschlagen, zuvor aber genau auf das Leder aufgezeichnet. Eine Handwerkskunst, die ihren Preis hat.

Den zahlen viele Kunden für Markenprodukte mit großer Selbstverständlichkeit – um dann mitunter festzustellen, dass nicht alles, was als echtes Leder etikettiert ist, auch komplett aus Leder besteht. „Der Gürtel ist dann irgendwo aufgerissen und die gepresste Pappe in der Mitte kommt zum Vorschein“, berichtet die Marburgerin. Das kann mit ihren Gürteln nicht passieren.

In Handarbeit werden die Schuhe größer oder kleiner

Sie verwendet überwiegend Rindsleder, für die Gürtel auch Büffelleder und Schafleder für die Jacken und das Innenfutter. Die Schuhmacherin achtet 
nicht nur auf die Qualität der Ausgangsprodukte, sondern auch auf deren Unbedenklichkeit. So ist etwa der sogenannte „Atomkleber“ für sie tabu: „Der ist giftig und schadet mir und den Kunden“, erklärt Lang.

Dass die von ihr geklebten Absätze trotzdem halten, garantiert die Schumacherin. Für sie stellen selbst Risse im Leder kein wirkliches Problem dar. Sie näht Petronela Lang so zusammen, dass sie hinterher kaum zu erkennen sind.

Wenn der Schuh eine Nummer zu groß oder zu klein ist, muss er deshalb nicht umgetauscht werden. Mitunter ist es auch so, dass nur ein Schuh des Paars zu groß oder zu klein ist, so dass ein Austausch gar nicht möglich ist. Auch hier liefert die Schumacherin die Lösung, indem sie den betreffenden Schuh der Fußgröße anpasst.

Eine Weste und ein kurzer Rock aus Leder sind das neueste Projekt von Petronela Lang. Da kann die Handwerkerin wieder ganz zur Künstlerin werden, für die der Beruf zugleich das Hobby ist. Eine ausgesprochen anziehende Leidenschaft aus 
Liebe zum Leder.

von Frank Rademacher

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