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Aufstocker und Absteiger

Ausstellung Aufstocker und Absteiger

Prekäre Arbeit hat viele Gesichter. Einige zeigt die Ausstellung „Prekäres Leben - Prekäre Arbeit - Prekäre Zukunft“, die im Gewerkschaftshaus zu sehen ist.

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Matthias Körner, Geschäftsführer DGB Mittelhessen (von links), Verdi-Gewerkschaftssekretärin Susanne Pitzer-Schild und DGB-Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt stellten gestern die Ausstellung im Gewerkschaftshaus vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. 16 Tafeln hängen im Käte-Dinnebier-Saal des Gewerkschaftshauses in der Bahnhofstraße. Jeweils auf der rechten Seite: Markante Motive, wie ein Mann, der im Mülleimer nach etwas Verwertbarem sucht, der Fahrer eines privaten Paketdiensts oder eine Hochhaussiedlung. Links daneben jeweils ein Kopf als Scherenschnitt - und darin die Lebens- und Arbeitsgeschichte der Person, die sich hinter dem Kopf verbirgt. Authentisch, aber anonym - aus Angst vor Repressalien und dem Verlust des viel zu unsicheren, also prekären, Arbeitsplatzes.

Ob Aufstocker oder Minijobber, Zeitarbeiter oder „Tafel“-Besucher: Allen Geschichten ist gleich, dass die Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können. Die Ausstellung des Verdi-Fototeams thematisiert die Arbeitssituation ebenso wie den sozialen Abstieg, der häufig bei prekärer Beschäftigung vorgezeichnet ist. „Die Bilder zeigen Armut sehr eindrücklich“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Susanne Pitzer-Schild gestern bei der Eröffnung. „Und zwar nicht die Armut von Menschen, die unter der Brücke leben, sondern die Armut, die uns täglich begegnet.“ Arm seien eben auch die Menschen, die von ihrer Arbeit nicht mehr leben könnten.

Jeder Fünfte in Deutschland arbeitet im Niedriglohnsektor

DGB-Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt verdeutlicht dies mit Zahlen: „Hier werden 16 Einzelschicksale von Menschen im Niedriglohnsektor gezeigt - 16 von rund 6,8 Millionen bundesweit.“ Jeder Fünfte in der Bundesrepublik arbeite im Niedriglohnsektor, „und das trifft mittlerweile auch reiche Bundesländer wie Hessen“, so Immelt.

Breche man die Zahlen auf die hiesige Region herunter, so zeige eine Verdi-Untersuchung, dass im Landkreis etwa 24000 Menschen im Niedriglohnsektor arbeiteten. „Wir haben hier 2400 Aufstocker, die von ihrer Arbeit nicht leben können und zum Sozialamt gehen müssen - mit der Konsequenz von Lohnsubventionierung für Betriebe“, kritisierte Immelt. Diese mache für den Landkreis mehr als 20 Millionen Euro aus, „die dafür ausgegeben werden, damit Niedriglohn bezahlt wird“, verdeutlichte er. Den diskutierten Mindestlohn bezeichnete er als „Schamgrenze“, von der man trotzdem nicht leben könne.

Matthias Körner, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen, sagte, dass die Ausstellung zeige, „dass die Abwärtsspirale mit sinkenden Reallöhnen eben auch Auswirkungen hat - ohne, dass man den Menschen einen Vorwurf machen kann. Denn die tun nur, was man von ihnen verlangt“.

Die Ausstellung ist für zwei Wochen während der Geschäftszeiten im Gewerkschaftshaus, Bahnhofstraße 6, zu sehen.

von Andreas Schmidt

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