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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Gute Tat für Arme Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Einen Kaffee trinken, zwei bezahlen. Das hört sich nicht nach einem guten Geschäft an, doch im Café Vetter können Gäste damit etwas Gutes tun.

Marburg. „Aufgeschobener Kaffee“ nennt sich die Aktion, die das Café Vetter als eines der ersten in Deutschland eingeführt hat. Jeder Gast, der sich daran beteiligen möchte, kann beim Bezahlen der Rechnung den Preis für einen weiteren Kaffee obendrauf legen und diesen Kaffee „aufschieben“ lassen.

Doch „natürlich geht es mir dabei nicht darum, mich persönlich zu bereichern“, erklärt Besitzer Axel Vetter. Jeder Kaffee, der auf diese Weise zurückgestellt ist, kann von einem armen Menschen in Anspruch genommen werden.

Ihren Ursprung hat die Idee im Kaffee-Land Italien. Von dort aus breitete sich die Aktion nach Amerika aus und erhält nun auch in Deutschland Einzug.

So kam auch Axel Vetter zu der Initiative „Suspended Coffee Germany“, die ihn ansprach und sofort begeistern konnte. Damit gehört sein Café zu den gerade einmal zehn Kaffeehäusern, die auf der Homepage der Bewegung aufgeführt sind.

„Andere Cafés haben vielleicht Angst, dass zum Beispiel Obdachlose die Kunden vergraulen könnten“, mutmaßt Vetter.

„Wenn es zu viel wird, muss auch ich dann eventuell nochmal nachdenken“, schränkt er zwar ein, doch glaubt er, dass es keine Probleme geben wird. Für ihn „gehören diese Leute eben auch zur Gesellschaft dazu.“ Zudem würden sie ja auch niemanden stören, denn „wir sind ein großes Haus und haben genug Platz“. Neben der Variante den Kaffee im Café zu trinken, besteht außerdem die Möglichkeit ihn mit auf die Hand zu nehmen.

Einen Nachweis über die Armut verlangt Vetter übrigens nicht von den Menschen, die sein Angebot in Anspruch nehmen. Schließlich sei „die Hemmschwelle ja ohnehin groß genug“. Wer genügend Geld besitze selbst zu zahlen, werde sich wohl nicht als arm ausgeben, so hofft er.

Überhaupt hält sich die Nachfrage bisher in Grenzen, da die Aktion noch nicht bekannt sei. Das könne sich jedoch ändern, wenn es sich rumspreche.

Bei einigen Gästen kommt die Idee jedenfalls schon gut an. So etwa bei den Studentinnen Freya Mieletzki und Nicole Reißer. „Ich finde es toll, dass es so eine Aktion gibt“, sagt Reißer. Vor allem die Option das warme Getränk „dann auch im Café trinken zu können“ und damit nicht auf die Straße zu müssen, heißt sie gut.

Mieletzki pflichtet ihr bei und will die Nachricht weitergeben. „Ich wohne selbst neben einem Sozialwohnheim“, sagt sie und will die möglichen Abnehmer über die Aktion informieren.

von Peter Gassner

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