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Auf Kassenschlange folgt Kündigung

Wirtschaft Auf Kassenschlange folgt Kündigung

Eine Kassenschlange wurde Anneliese Peilstöcker aus dem Marburger Stadtteil Cappel zum Verhängnis: Weil sie keine weitere Kassiererin rief, verlor die 61-Jährige im vergangenen Jahr ihren Job bei der Rewe-Markt Kranich OHG.

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Eine Kassenschlange in einem Marburger Supermarkt. Weil mehrfach mehr als drei Kunden an ihrer Kasse warteten, erhielt eine Kassierin aus dem Marburger Stadtteil Cappel ihre Kündigung.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Arbeit mit Menschen hat Anneliese Peilstöcker immer Spaß gemacht. Deshalb begann sie im September 2007 eine Tätigkeit als Kassiererin im Rewe-Markt am Marburger Erlenring auf 400-Euro-Basis.

Diese Arbeit musste sie im vergangenen Sommer aufgeben: „Ich konnte dort nicht mehr arbeiten, bin auch jetzt noch nervlich angeschlagen“, berichtet sie im Gespräch mit der OP.

Was war geschehen? Den Schilderungen der 61-jährigen Cappelerin zufolge, erhielt sie nach einem Arbeitstag im Februar vergangenen Jahres eine Abmahnung, weil sie eine Dienstanweisung des Marktleiters missachtet habe: Wenn mehr als drei Kunden an einer Kasse stehen, sind die Kassiererinnen angehalten, eine Kollegin anzuklingeln, damit eine weitere Kasse geöffnet wird. „Ich habe aber gar nicht mitbekommen, dass mehr als drei Kunden bei mir standen, schließlich war ich mit kassieren beschäftigt“, erklärt Peilstöcker ihre Situation.

Fünf Tage später flatterte ihre fristgerechte Kündigung ins Haus. Mit dieser zog Anneliese Peilstöcker zu einem Anwalt. „Der hat dann festgestellt, dass die Kündigung unwirksam ist, weil sie vom Marktleiter unterschrieben war und nicht vom Geschäftsführer des Betriebs“, berichtet die 61-Jährige weiter. Daraufhin habe sie eine weitere Kündigung, nun mit der richtigen Unterschrift erhalten. Auch gegen diese Kündigung wandte sich die Cappelerin, die von sich selbst sagt, dass sie sich nicht alles gefallen lasse. Eine Klage vor dem Arbeitsgericht wurde angestrebt, ein Termin dort auch anberaumt. „Doch bevor es zu dem Termin kommen konnte, ist die Kündigung zurückgenommen worden. Es lag also nichts mehr vor“, beschreibt Peilstöcker das Hin und Her. Auch ein zweiter Termin vor dem Arbeitsgericht sei kurzfristig abgesagt worden.

Doch der Fall hatte sich damit noch nicht erledigt: „Wenige Tage später erhielt ich hinter dem Rücken meines Anwalts einen Brief, in dem mir der Geschäftsführer des Rewe-Marktes, Uwe Kranich, schrieb, ich sei für das Unternehmen nicht mehr tragbar, nachdem ich im Jahr 2007 mehrere Testeinkäufe nicht bestanden hätte. Er wolle mir kündigen“, sagt Peilstöcker empört. Sie habe sich krank schreiben lassen müssen, weil sie nervlich so angeschlagen gewesen sei. Doch auf eine Kündigung wartete die 61-Jährige vergeblich.

Kaum gesundet, ging sie sogar eine Woche lang wieder arbeiten, musste sich aber kurz darauf wieder krank schreiben lassen. „Am 29. Juni habe ich es dann nicht mehr ausgehalten, ich habe selbst gekündigt“, erzählt sie. Alle Versuche, Gespräche mit ihrem ehemaligen Chef aufzunehmen, seien im Sande verlaufen.

Uwe Kranich wollte sich gegenüber der OP nicht zum Thema äußern.

von Katharina Kaufmann

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