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Auf Biegen und Brechen

Im Prüflabor der Firma HOPPE Auf Biegen und Brechen

Wir benutzen sie täglich dutzende Mal, ohne darüber nachzudenken: Tür- und Fenstergriffe. Und dennoch müssen die „kleinen Helfer“ höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden.

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Belastungsgrenze erreicht: Dieser Fenstergriff hat eine Zugkraft von 330 Kilogramm ausgehalten.

Quelle: Andreas Schmidt

Stadtallendorf. Zisch – klack – klack. Zisch – klack – klack: Eine Maschine greift einen Fenstergriff, dreht ihn auf die „Öffnen“-Stellung, verharrt einen Moment, dreht den Griff dann wieder zurück. Dann dreht die Maschine auf die Kipp-Stellung – und wieder zurück. Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Denn die Maschine simuliert Öffnungszyklen im Prüflabor des Beschlagherstellers HOPPE in Stadtallendorf.

„Was für den Kunden so einfach ist – der Griff in der Hand, mit dem er Türen oder Fenster öffnet – stellt an den Hersteller ganz andere Herausforderungen“, weiß Markus Rauchel. Er ist Leiter des Prüflabors und kennt – ebenso, wie sein Kollege Sebastian Heimel – die Normen mit all ihren unterschiedlichen Klassen, die für Beschläge gelten.

Doch Anspruch der HOPPE-Gruppe ist es, diese Normen zu überbieten. Denn der heimische Hersteller bietet eine zehnjährige Funktionsgarantie, die weit über die gesetzlichen Vorgaben von zwei Jahren nach BGB und vier Jahren nach VOB hinausgeht. Demzufolge werden die Prüfzyklen erweitert.

Im Prüflabor der Firma HOPPE werden Tür- und Fenstergriffe immensen Belastungstests unterzogen.

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So müssen Türgriffe für Wohnhäuser bei HOPPE 182.500 Bedienzyklen durchlaufen, im Objektbereich sind es gar 255.000. Ein Bedienzyklus ist das Öffnen und Schließen der Tür – auf zehn Jahre gerechnet entspricht der Test also 50 beziehungsweise 70 Zyklen pro Tag. Nach Abschluss des Tests darf sich weder der Beschlag noch ein einziges Beschlagteil lösen – zudem müssen die Teile noch einwandfrei funktionieren.

Auch bei Fenstergriffen sind die Anforderungen mit 15.000 Dreh-/Kipp-Bedienzyklen hoch. Die Simulation entspricht viermaligem Öffnen und Schließen des Fensters sowie viermaligem Kippen und Schließen des Fensters pro Tag auf zehn Jahre. Die Griffe werden nach dem Versuch ebenfalls auf Festigkeit und Funktion geprüft. Rund 30 unterschiedliche Prüfungen werden von Rauchel und Heimel vorgenommen, die Prüfstände werden – streng nach Norm – vom HOPPE-Sondermaschinenbau gefertigt.

Darüber hinaus gibt es neben den Unterschieden bei den verwendeten Materialien Kunststoff, Aluminium, Edelstahl und Messing auch noch unterschiedliche Schutzklassen – mit denen beispielsweise ein erhöhter Einbruchschutz gewährleistet wird. „Es gibt Prüfverfahren, die festlegen, was ein solcher Beschlag aushalten muss – wir gehen aber weiter und prüfen, was er wirklich aushalten kann“, sagt Rauchel.

Beschläge sollen vor Einbruch schützen

Denn er weiß: Bei Einbrüchen sind Fenster und Türen die Gefahrenquellen. So kommen fast zwei Drittel aller Einbrecher durch Fenster oder Balkontüren – durch das Aufhebeln der Fenster oder das Verschieben des Fensterbeschlags von außen, wodurch der Fenstergriff in die Öffnungsstellung gebracht wird. Daher hat HOPPE einbruchhemmende Griffe im Programm, die ein Abdrehen und Abreißen des Fenstergriffs vom Rosettenkörper bis zu einem Drehmoment von 100 Newtonmetern erschweren. Und auch diese Werte müssen überprüft werden.

Auch Haus- oder Wohnungseingangstür sind beliebte Einstiegsstellen für Einbrecher – HOPPE bietet Schutzbeschläge bis zur Schutzklasse SK4 an. Diese müssen gegen Bohrversuche ebenso widerstandsfähig sein wie etwa auch gegen das Abschlagen mit einem Meißel. Das simuliert Sebastian Heimel mit einem an der Wand befestigten Sechs-Kilo-Hammer: Der Beschlag ist am Prüfblock im Schraubstock eingespannt, ein Meißel ist am Spalt angesetzt. Heimel lässt im wahrsten Sinne des Wortes den Hammer fallen – die Verschraubung muss zwölf Schläge aushalten.

Beschläge für Feuerschutztüren werden unterschiedlichen Tests ebenso unterzogen wie „Antipanik-Türverschlüsse“ – alles im Zeichen der Sicherheit. Griffe müssen jedoch auch Umwelteinflüssen standhalten. Denn die Oberflächen sollen „nicht nur viel aushalten, sondern auch möglichst lange gut aussehen“, so Rauchel. Daher gibt es Tests mit UV-Bestrahlung – innerhalb 995 Stunden wird so die jährliche durchschnittliche Sonneneinstrahlung in Mitteleuropa simuliert.

Ergebnisse aller Prüfschritte werden archiviert

Ein auf einen simulierten Finger aufgespanntes Gewebe dient dem Abriebtest – natürlich streng definiert. Schwefeldioxid-Tests simulieren den „sauren Regen“. Und selbst einen Sprühnebeltest mit Salzwasser gibt es. „Manche Prüfzyklen laufen bis zu 1000 Stunden – dementsprechend dauert so eine Prüfung auch mal bis zu 42 Tage“, erläutert der Laborleiter.

Darüber hinaus ist die Arbeit des Prüflabors auch ganz eng mit der Entwicklung neuer Produkte verzahnt. „Wenn etwa ein neuer Griff entwickelt wird, kommt der zunächst hierher und wird von uns geprüft“, erläutert Rauchel. Dabei könne auch ein Beschlag durchfallen – „aber auch dafür sind wir da: Um das Produkt zu prüfen, bevor es in die Serienfertigung geht“.

Jeder Schritt wird dabei dokumentiert – und auch zehn Jahre lang archiviert, inklusive den „Prüfmustern“, also den Beschlägen. Bei 700 bis 900 Prüfungen pro Jahr kommen da „einige Regalmeter zusammen“, weiß Rauchel. Die Dokumentation habe aber den Vorteil, dass man so auch nach Jahren noch die Prüfungsergebnisse nachweisen könne.

Und auch fertige Serienteile werden immer wieder überprüft: Anonym werden fertige Garnituren aktueller Serien aus dem Lagerbestand entnommen und im Prüflabor den verschiedenen „Härtetests“ unterzogen. So wolle man die gleichbleibende Qualität sicherstellen. „Letztlich wird bei uns nichts dem Zufall überlassen“, sagt Rauchel.

von Andreas Schmidt

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