Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Auch in ausländischen Küchen gefragt

OP-Ausbildungsserie: Köche Auch in ausländischen Küchen gefragt

Küchenchef, Manager, Organisator – ein Koch herrscht nicht nur über das Innere seiner Töpfe, sondern muss auch über den Tellerrand hinausschauen. Im Landkreis gibt es noch 13 freie Ausbildungsstellen.

Voriger Artikel
Kollektoren entstehen 
im Fünf-Minuten-Takt
Nächster Artikel
Azubis engagieren sich im Fairkaufhaus

Schnippeln, braten, backen: Konzentriert arbeiten Auszubildende Natalia Clement (vorne) und Chefin Carmen Schwartz in der Küche im Gästehaus Balzer.

Quelle: Foto: Ina Tannert

Marburg. Köche mit abwechslungsreicher Berufserfahrung sind auf dem nationalen wie internationalen Arbeitsmarkt äußerst begehrt und sind die wichtigste Zutat in der professionellen Küche. Im Landkreis gibt es derzeit noch 13 Ausbildungsstellen für künftige Köche. Ob im Sterne-Restaurant, in Großküchen, in gemütlichen Gasthäusern, der Großstadt oder auf dem Land – Köche werden überall gebraucht, händeringend gesucht und finden auf der ganzen Welt Arbeit.

Über eine künftig voll ausgebildete Köchin kann sich auch das Gästehaus Balzer in Schröck freuen. Natalia Clement wird in wenigen Wochen ihr zweites Ausbildungsjahr beenden und freut sich auf den vollen Einstieg ins Berufsleben. Nach ihrer Elternzeit hat sich die mehrfache Mutter für eine Ausbildung entschieden, ihr Hobby zum Beruf gemacht. Professionell in der Küche zu wirken und zu werkeln gefällt der 38-Jährigen zunehmend gut. „Die Ausbildung macht Spaß, es war die richtige Entscheidung“, freut sich Clement, die ihren kreativen Beruf zu schätzen gelernt hat.

Ihr künftiger Arbeitsbereich liegt in der turbulenten Gastronomie-Branche. Köche sind in Hotels, Restaurants, Kantinen sowie in Großküchen tätig. Neben dem eigentlichen Zubereiten und Anrichten der Speisen erstellen Köche Menüpläne und organisieren die Arbeitsabläufe in der Küche. Bevor die Arbeit an Pfanne, Topf und Ofen beginnt, planen und kaufen sie die benötigten Lebensmittel und Zutaten ein, kalkulieren Preise und beraten die Gäste.

Hobbyköchin muss dennoch mit Geschirrspülen anfangen

Während Köche in Großküchen meist auf bestimmte Gerichte spezialisiert sind, bereiten sie in kleineren Küchen wie dem Gästehaus Balzer sämtliche Speisen selber zu und richten sie an. „Das erfordert viel Organisation, man muss den Überblick behalten“, erklärt Natalia. Die große Verantwortung gefällt der Auszubildenden. Neben der Arbeit an den verschiedensten Stationen sorgen auch die regelmäßig wechselnden Menüpläne und der Mix aus gutbürgerlichen Speisen, Landhausgerichten und Buffets für Abwechslung im Küchenalltag.

Koch ist ein Beruf mit Anspruch und Zukunft. Ein Zuckerschlecken ist vor allem der Beginn der dreijährigen Lehrzeit dabei nicht. Nicht nur während der Ausbildung müssen sich die künftigen Köche beweisen und die Küchenarbeit von Grund auf kennen lernen. Es gilt, sich wortwörtlich im Koch-Alltag hochzuarbeiten: von der Spüle aufwärts über Salatbar, Suppen oder Beilagen bis zur Vorbereitung und korrekten Zubereitung der Speisen und den Königsdisziplinen, wie etwa der Zubereitung von sündhaft teurem Fleisch, seltenen, komplizierten Delikatessen oder Saucen.

Auch Natalia hat trotz Erfahrungen als Hobbyköchin wieder beim Geschirrspülen und Gemüseputzen angefangen. Zu ihrer Freude ermöglicht ihr jedoch ihre Erfahrung im eigenen Haushalt eine verkürzte Ausbildung. „Ausbildung ist nicht nur etwas für Jugendliche, ein höheres Alter und größere Lebenserfahrung kann von Vorteil sein“, weiß die Gästehaus-Inhaberin und erfahrene Köchin Carmen Schwartz. Für das im Vergleich zur Großküche vielfältigere „À-la-carte-Geschäft“, also die freie Auswahl aus der Speisekarte, braucht es ein gewisses Maß an Flexibilität, „die Gerichte ändern sich in jeder Saison, man muss viel schneller umdenken“, erklärt die Chefin.

„Nach der Ausbildung steht Köchen die Welt offen“

Ein professioneller Umgang mit einer Vielzahl an Lebensmitteln erfordert ein breites Wissen darüber, was, wie und in welcher Menge später auf dem Teller landen soll. Lebensmittelkunde ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. Kenntnisse von der Zusammensetzung der Zutaten, deren Lagerung und Zubereitung und nicht zuletzt ein mathematisches Verständnis für die Berechnung von Mengenangaben sind ausschlaggebend. Da es in der Küche durchaus auch stressig werden kann, sollten Köche belastbar sein und auch in der größten Hektik, bei Lärm und hohen Temperaturen wie auch Tempo konzentriert und sorgfältig arbeiten können.

„Nach der Ausbildung steht Köchen die Welt offen“, sagt Hannelore Köhler von der Marburger Arbeitsagentur. Arbeitsplätze sind überall zu finden, ob in der Großküche, als Restaurantkoch, selbstständiger Caterer oder im Ausland oder auf dem Kreuzfahrtschiff: „Wenn mal will, kann man dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, erklärt die Arbeitsvermittlerin. Gute Englischkenntnisse sind dabei von Vorteil und können insbesondere auf internationaler Ebene einen wahren Karrierekick bedeuten.

So beliebt die Tätigkeit als Hobby auch ist, beruflich ist sie nicht gerade begehrt und gilt als unbequem. Viele Jugendliche schrecken die teils späten, flexiblen Arbeitszeiten, die verantwortungsvolle Tätigkeit im Stehen und die harte Küchenarbeit ab. Dabei hat die vielfältige Branche einiges zu bieten – von einer äußerst kreativen, selbstständigen Seite über wechselnde, exotische Arbeitsplätze bis zu hohen Verdienst- und Karrierechancen.

Arbeitszeit schreckt viele Auszubildende ab

Dafür sind Flexibilität und ein abwechslungsreicher Lebenslauf gefragt. Neben den eigentlichen Speisen ist eine stete Verfeinerung der beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen Teil des Berufs. Als Koch ist es üblich, häufig Arbeitsplatz und Küche zu wechseln, teilweise bereits während der Ausbildung und wenn gewollt in aller Welt Neues kennen zu lernen, sein Wissen und damit berufliches Prestige zu erweitern.

„Köche müssen wandern. Die Fähigkeiten ausweiten und auch mitbringen“, erklärt Köhler. Auch als fertiger Koch lerne man nie aus. „Es gibt immer noch etwas Neues – und wenn es nur ein seltenes Gewürz ist“, weiß auch Köchin Schwartz. Eines gefällt Azubi Natalia jeden Tag ganz besonders: „Das Größte ist es, wenn der Teller leer zurückkommt und der Gast mein Essen lobt“, freut sich die angehende Köchin. Das Gästehaus Balzer verfügt in diesem Jahr noch über eine freie Ausbildungsstelle als Koch.

  • Interessenten, die generell noch Bewerber oder einen Ausbildungsplatz für 2015 suchen, können direkt beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur nachfragen. Kontakt unter 06421 / 605212 oder marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de.
Top 10 freie Ausbildungsstellen
1. Restaurantfachmann/-frau (18 Stellen)
2. Koch/Köchin (13 Stellen)
3. Hotelfachmann/-frau (9 Stellen)
4. Kaufmann/-frau - Versicherungen und Finanzen (6 Stellen)
5. Maurer/in (6 Stellen)
6. Fleischer/in (5 Stellen)
7. Altenpfleger/in (4 Stellen)
8. Dachdecker/in – Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik (3 Stellen)
9. Gebäudereiniger/in (3 Stellen)
10. Konditor/in (1 Stelle) Quelle: Agentur für Arbeit
 

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr