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Auch Kirchhainer Apotheker machen „Tag zur Nacht“

Protest Auch Kirchhainer Apotheker machen „Tag zur Nacht“

Bundesweit forderten Apotheker gestern mit einer Streik-Aktion eine bessere Honorierung des nächtlichen Notdienstes.

Marburg. Die Apothekerin der Kirchhainer Bahnhofsapotheke Michaela Bayer-Schurich beteiligte sich gestern an der Aktion „Wir machen den Tag zur Nacht“ und bediente ihre Kunden eine Stunde durch den Notschalter.

„Ich habe keine Ahnung was die bekommen“, sagte ein Kundin, die namentlich nicht genannt werden möchte, zu der Frage nach der Entlohnung des Nacht- und Wochenenddienstes der Apotheker. Der Betrag von 2,50 Euro pro Kunde löste bei vielen Kunden großes Erstaunen aus, und sie zeigten Verständnis für den Warnstreik

Mit der bundesweiten Plakat- und Unterschriftenaktion sowie dem kurzen Warnstreik wollen die Apotheker auf die völlig unzureichende Bezahlung des Notdienstes aufmerksam machen. „Die Bundesregierung habe eingesehen, dass sich an der Honorierung des Notdienstes etwas ändern muss und ab Anfang diesen Jahres einen finanziellen Ausgleich zugesagt, doch bis jetzt ist nichts passiert“, erklärt Lother Schurich, der zusammen mit seiner Frau Michaela Bayer-Schurich die Apotheke in der Kirchhainer Bahnhofstraße führt. Das Apothekerehepaar wechselt sich bei den 25 bis 30 Notdiensten im Jahr ab. „Den Dienst kann immer nur einer erledigen, denn der andere muss am nächsten Morgen wieder fit sein“, betont die Apothekerin und rechnet vor: Beim Nachtdienst Mitte Januar von einem Montag auf einen Dienstag in der Zeit von 20 bis 8.30 Uhr hat sie drei Kunden gehabt. Der Rohertrag, darin ist die Nachtgebühr schon eingerechnet, betrug 12,89 Euro. „Der Rohertrag ist der Umsatz minus dem Wareneinsatz, aber es sind noch keine Kosten abgezogen“, verdeutlicht sie im Gespräch mit der OP. Vor ein paar Tagen habe ein Notdienst in der Woche bei acht Kunden einen Rohertrag von 81,35 Euro ergeben. Jetzt sei Erkältungs- und Grippezeit, sagt Bayer-Schurich: „Im Sommer, wenn alles normal ist, sitzen wir 24 Stunden die Zeit ab.“ Den Notdienst dürfen nur ausgebildete Apotheker leisten. Jede Nacht und an jedem Wochenende leisten etwa 1400 Apotheken Notdienst und bedienen rund 20000 Patienten bundesweit. Dabei komme es immer mehr vor, dass es sich nicht um einen Notfall handelt, zum Beispiel Kondome verlangt wurden.von Klaus Böttcher

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