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Asyl – „kein Geschenk, sondern Grundrecht“

Ausstellung in Arbeitsagentur Asyl – „kein Geschenk, sondern Grundrecht“

Am Montag wurde die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ bei der Agentur für Arbeit Marburg eröffnet: Auf 37 Tafeln wird das Thema auch in Zusammenhang mit Flucht präsentiert.

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Stefan Sachs (von links), Ferdinand Hareter, Volker Breustedt, Kerstin Weinbach und Ulf Immelt bei der Eröffnung der Ausstellung.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Warum fliehen Menschen? Welchen Gefahren sind sie ausgesetzt? Welche Wege müssen sie beschreiten, welche Hindernisse überwinden? Wo und unter welchen Umständen finden sie Schutz? Das sind die Fragen, mit denen sich die Ausstellung widmet.

Der Termin zur Eröffnung am Montag hätte nicht passender sein können: Der 8. Mai, Tag der Befreiung und das Ende des Zweiten Weltkriegs, „war für viele das Ende der Vertreibung – für viele aber auch der Beginn ihrer Vertreibung“, erläuterte Agenturleiter Volker Breustedt. Das Thema Fremdenfeindlichkeit sei aktuell wie nie – auch vor dem Hintergrund der Frankreich-Wahl, wo immerhin rund ein Drittel der Bevölkerung für die rechte­ Kandidatin gestimmt hätten. Breustedt betonte: „Asyl ist kein Geschenk, sondern ein Grundrecht.“

Hätte die Möglichkeit nicht bestanden, dass viele Deutsche von 1933 bis 1945 im Ausland Asyl erhalten hätten, „dann hätten wir viele der fähigsten unserer Köpfe in der Zeit verloren – oder sie hätten ihren Kopf verloren“, verdeutlichte Breustedt plastisch.

„Die Leitgröße muss Artikel eins des Grundgesetzes sein“

Auch der Ort Arbeitsagentur sei gut gewählt: Man betreibe mit Stadt und Landkreis das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge und Migranten, „unsere Aufgabe ist es, für einen guten Einstieg der Geflüchteten zu sorgen – auch im Interesse der Betriebe.“ Zudem habe man in Reihen der Agentur zahlreiche Mitarbeiter mit Migrations- und auch Fluchthintergrund.

Stefan Sachs, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Mittelhessen, erläuterte, dass Asyl nicht das alltägliche Thema einer ­Gewerkschaft sei. Indem man sich um Tarifabschlüsse in den Betrieben kümmere, kümmere man sich auch um die sozialen Belange im Land. „Und das ist schon die erste Schnittstelle“, sagte Sachs.

Zudem sei es in einer Zeit, in der Präsidenten „Mauerbau ­vorantreiben und Spaltung betreiben wichtig, Haltung zu zeigen – Asyl ist immer wieder ein umstrittenes Thema“, erläuterte Sachs, „die Leitgröße muss der Artikel eins des Grundgesetzes sein – die Menschenwürde­ ist unantastbar. Und da habe ich manchmal den Eindruck, dass dies in unserem Land verloren gegangen ist“, betonte der Gewerkschafter.

Selbstkritisch fügte er hinzu, dass die IG Metall sich dabei durchaus im Konflikt befinde – gebe es doch zahlreiche deutsche Rüstungsunternehmen, in denen die Gewerkschaft gut organisiert sei. „Aber es ist wichtig, auch bei schwierigen Zusammenhängen nicht denen auf den Leim zu gehen, die einfache Lösungen proklamieren – aber diese nicht haben.“

„Es geht um gute Bedingungen für ­alle“

Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach sagte, es sei wichtig, dass geflüchtete Menschen hier eine­ Bleibeperspektive bekämen. 
„Die breite Zusammenarbeit von Stadt, Landkreis und Arbeitsagentur ist eine sehr ­gute Basis dafür. Wir wollen offen sein für Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten“, sagte sie. „Die Willkommenskultur muss zu einer Bleibekultur werden.“

Und für Dr. Ulf Immelt, Organisationssekretär des DGB, ist klar: „Hier lebende Menschen und Flüchtlinge dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, es geht um gute Lebens- und Arbeitsbedingungen für ­alle. Deshalb bedeutet gewerkschaftliche Willkommenskultur, gemeinsam zu kämpfen.“

  • Die Ausstellung wendet sich nicht nur an Besucher und Mitarbeiter der Arbeitsagentur, sondern auch an Schulklassen sowie alle Interessierten. Zu sehen ist sie während der Öffnungszeiten der Arbeitsagentur montags und dienstags von 8 bis 16 Uhr, mittwochs und freitags von 8 bis 12.30 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 18 Uhr.

von Andreas Schmidt

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