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Asta sieht Rassismus bei Tegut

Vorwurf Asta sieht Rassismus bei Tegut

Der Marktleiter des Tegut-Markts in Cappel soll einen Kunden rassistisch angegangen haben - das Unternehmen weist die Vorwürfe jedoch zurück.

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Der Leiter des Tegut-Markts in Cappel soll laut Angaben des Asta einen Kunden rassistisch beleidigt haben – das Unternehmen betont indes sein Engagement auch für Flüchtlinge.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Das „Referat für Antifaschismus und Antirassismus“ des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) Marburg wirft dem Marktleiter des Tegut-Markts in Cappel vor, er habe einen Kunden bei seinem Einkauf rassistisch angegangen. Der Betroffene fordere mit Unterstützung des Asta eine Stellungnahme und Entschuldigung von Tegut - die Forderung sei jedoch „weitestgehend ignoriert und der Vorfall heruntergespielt“ worden, teilt der Asta mit.

Demnach ereignete sich der Vorfall bereits am 10. November vergangenen Jahres: Der Filialleiter habe dem Kunden aufgrund seiner vermeintlich ausländischen Herkunft finanzielle Mittellosigkeit sowie die Absicht, einen Diebstahl begehen zu wollen, vorgeworfen und ihn des Ladens verwiesen. „Der Vorwurf war und ist unhaltbar, vielmehr werden rassistische Denkmuster deutlich“, teilt der Asta mit.

Nach Darstellung des Asta habe der Kunde auf dem Weg zu einem Freund im Tegut Cappel noch ein Geschenk für diesen einkaufen wollen. Er hatte eine Spirituose ausgewählt, war sich aber noch unschlüssig und habe die Ware dann mehrfach aus dem Regal genommen und wieder zurückgestellt.

„Als ich mich dann doch endlich entschied und mich mit dem Gefundenen in der Hand zum nächsten Gang aufmachte, stand plötzlich ein Angestellter vor mir, der sich später als Filialleiter zu erkennen gab. Er sagte mir, ich solle sofort den Artikel zurückstellen und verschwinden, sonst rufe er die Polizei“, wird der Kunde zitiert. Der Filialleiter habe dem Mann vorgeworfen, er wolle das Unternehmen bestehlen und wisse, dass er nicht genügend Geld habe, um den Einkauf zu bezahlen.

Kunde ließ bezahlte Ware aus Verärgerung zurück

„Der einzige Grund, den er für seine Beschuldigung angab, war, dass ich zu oft von einem Gang zum anderen und zurückgelaufen sei. Macht man das nicht so beim Einkaufen? Bisher hat es in keinem Geschäft jemanden interessiert, wie oft ich zu welchem Gang gehe und mich dort umschaue“, heißt es weiter.

Unter den misstrauischen Blicken von Filialleiter, Kassiererin und Kunden sei der Mann zur Kasse gegangen, habe die Ware bezahlt und sie „aus Verärgerung“ an der Kasse stehen gelassen. „Tatsächlich sieht man mir an, dass ich nicht in Deutschland geboren bin, aber was sagt das über mich aus? Dass ich mehr dazu neige, andere Menschen bestehlen zu wollen? Wird man als deutsch Aussehender auch gefragt, ob man denn überhaupt genug Geld habe, wenn man einkaufen möchte?“, zitiert der Asta den Kunden weiter.

Tegut distanziert sich von den Vorwürfen: Das Unternehmen habe am 17. Dezember einen Brief vom Asta erhalten und auch am 6. Januar mit einem Schreiben geantwortet - anders, als der Asta behauptet. Der Brief liegt der OP vor. Tegut lehne „jede Unterscheidung, Ausschließung oder Bevorzugung, die auf Grund der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, des Alters, des Glaubensbekenntnisses oder anderer persönlicher Merkmale erfolgt, streng ab und beschäftigt rund 45 Nationen“, heißt es darin.

Platzverwesie „ohne Ansehen der Person“

Auch habe der Marktleiter dem Kunden kein Hausverbot erteilt, „sondern bat diesen nach einem längeren Gespräch lediglich, entweder die Spirituose käuflich zu erwerben oder die Filiale (ohne den Artikel) zu verlassen“.

Platzverweise seien im Rahmen des Hausrechts möglich, würden aber „ohne Ansehen der Person“ ausgesprochen, heißt es in dem Schreiben vom 6. Januar. Seit der Antwort habe man von den Beteiligten keine Rückmeldung erhalten, betont Unternehmenssprecherin Stella Kircher auf Anfrage der OP. Man habe „den Vorgang noch einmal umfassend geprüft. Anhaltspunkte für rassistisches Verhalten waren dabei nicht ersichtlich“, so Kircher.

Vielmehr arbeite das Unternehmen derzeit „an einer Möglichkeit, Flüchtlinge in den laufenden Betrieb mit den verschiedenen Berufsfeldern zu integrieren“, so Kircher. „Wir sind der Auffassung, dass für die Integration berufliche Perspektiven für jeden einzelnen eine wichtige Grundlage sind. Um die Möglichkeiten im Detail planen zu können, müssen allerdings erst bessere gesetzliche Rahmenbedingungen für eine Beschäftigung geschaffen werden“, sagt die Sprecherin.

Derzeit gebe es auch einen nach Deutschland geflüchteten jungen Mann aus Afghanistan, der in dem Markt in Cappel einen Nebenjob ausübe. Auch unterstütze man die lokale Flüchtlingshilfe und plane weitere Projekte in dieser Richtung.

von Andreas Schmidt

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