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Asklepios schielt nach Rhön-Kliniken

Spies setzt weiter auf Rückkauf Asklepios schielt nach Rhön-Kliniken

Gibt es bald eine Möglichkeit zum Rückkauf des Universitätsklinikums Gießen und Marburg? Laut Medienberichten will der Klinikbetreiber Asklepios den Konkurrenten Rhön-Klinikum schlucken.

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Das Universitätsklinikum in Marburg (UKGM) gehört derzeit zur Rhön-Klinikum AG. Nach Medienberichten könnte eine Übernahme bevorstehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Auch nach zehn Jahren haben sich viele Mitarbeiter und Patienten nicht mit der Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) angefreundet.

Die Hoffnung auf die Möglichkeit eines Rückkaufs des Klinikums durch das Land Hessen erhält nun neue Nahrung. Denn gemäß den Verträgen, die Hessen mit dem Betreiber Rhön-Klinikum AG geschlossen hat, könnte das Land das Universitätsklinikum im Falle eines Kontrollwechsels („Change of Control“) zurückkaufen. Ein solcher könnte mittelfristig bevorstehen: Der Asklepios-Konzern wolle den Konkurrenten übernehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche.

„Die Pläne liegen in der Schublade“, zitierte Reuters einen Insider. Dem Bericht zufolge will Asklepios-Gründer Bernard Große Broer­mann allerdings nur zuschlagen, wenn die Rhön-Aktie unter die Marke von 22 Euro fällt. Davon ist der Kurs derzeit indes weit entfernt: Gestern um 13.05 Uhr stand die Rhön-Aktie bei 27,46 Euro.

Spies: „Spekulationen gab es immer wieder“

Die beiden Krankenhaus-Konzerne bestätigten den Bericht auf OP-Anfrage nicht. „Uns liegt kein Angebot vor“, sagte Rhön-Sprecher Achim Struchholz. „Marktgerüchte kommentieren wir nicht.“ Er verwies auf eine Aussage von Rhön-Finanzvorstand Jens Peter Neumann, der Mitte April bei der Bilanz-Pressekonferenz gesagt hatte, es gebe „keinerlei Hinweis“ auf Übernahmepläne. Asklepios-Sprecher Rune Hoffmann sagte ebenfalls: „Wir äußern uns nicht zu Marktgerüchten und Spekulationen.“

Aus Branchenkreisen hieß es, die Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Übernahme kochten alle paar Monate hoch. Auch Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), entschiedener Befürworter eines Rückkaufs, äußerte sich auf Anfrage zu den Gerüchten zurückhaltend: „Spekulationen zu möglichen Verkäufen bei Rhön gab es immer wieder, daran beteilige ich mich nicht.“

Spies machte jedoch deutlich, dass er einen Rückkauf weiterhin für eine realistische Option hält. Er könne zwar als Oberbürgermeister nichts dazu sagen, ob sich diese Möglichkeit ergäbe, wenn Asklepios Rhön übernehmen würde.

Askplepios und Rhön: Da war doch was

„Als ehemaliger Landtagsabgeordneter weiß ich aber aus den vielfältigen öffentlichen Debatten dazu, dass im Falle eines Kontrollwechsels über die UKGM GmbH, zum Beispiel durch einen Eigentümerwechsel der Rhön Kliniken AG oder Verkauf der UKGM GmbH durch die Rhön-Kliniken AG, das Land einen Anspruch darauf hat, ein Rückkaufangebot zu verlangen.“

Dazu müsse ein solcher Kontrollwechsel tatsächlich vollzogen sein, einschließlich der kartellrechtlichen Genehmigung, erläuterte Spies. „Dann kann das Land Hessen – und nur dieses – ein Rückkaufangebot zum realen Marktwert verlangen, muss das aber nicht tun.“

Eine mögliche Übernahme des Klinikbetreibers Rhön war im Jahr 2012 schon einmal Thema. Damals wollte der Fresenius-Konzern Rhön schlucken. Damals hatte dies jedoch ausgerechnet Asklepios mit dem Einstieg bei Rhön torpediert.

Fresenius hatte darauf einen Großteil der Rhön-Krankenhäuser gekauft – das UKGM blieb jedoch bei dem fränkischen Betreiber. Ende 2015 war Asklepios mit einem Anteil von fast 18 Prozent einer der größten Rhön-Anteilseigner – neben dem Medizintechnikkonzern B.Braun (18 Prozent) und der Familie von Rhön-Gründer Eugen Münch (12 Prozent).

OB: Preis zum Rückkauf kann nicht hoch sein

Der heutige Oberbürgermeister Spies hatte sich in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter dafür ausgesprochen, dass sich auch die Stadt Marburg am Klinikum beteiligen könnte, falls sich eine Möglichkeit zum Rückkauf ergibt.

An dieser Idee hält er auch trotz der zur Zeit angespannten Haushaltslage grundsätzlich fest: „Wenn das Land Hessen ein solches Rückkaufangebot zum realen, objektiven Marktwert verlangt, dann sollten alle betroffenen kommunalen Gebietskörperschaften dem Land anbieten, sich daran zu beteiligen“, teilte er mit.

Möglicherweise habe sich bis dahin die Haushaltslage der Stadt wieder verbessert. „Derzeit kann ein solcher Preis für das UKGM mangels erheblicher Gewinne und angesichts erheblicher Sanierungsbedarfe nicht so furchtbar hoch sein“, betonte Spies.

von Stefan Dietrich

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