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„Kulinarische Fernreise“ endet

Asia-Geschäft am Pilgrimstein schließt „Kulinarische Fernreise“ endet

Von Asien bis Afrika und Europa: Im „Fernost ganz nah“ am Pilgrimstein konnten die Kunden für ihre kulinarische Reise 
fast alles finden. Doch zum 1. April schließt der Laden nach 17 Jahren.

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Pham Thi und Reiner Reckling haben ihren Kunden am Pilgrimstein 17 Jahre lang den Geschmack von Fernost vermittelt – damit ist am 30. März Schluss.

Quelle: Viet Duc Le

Marburg. Dann gehen die Besitzerin Pham Thi (68) und ihr Mann Reiner Reckling (69) in den Ruhestand. Sie bedanken sich für die jahrelange Kundentreue. Nicht selten kommt es vor, dass man nach einer Reise den Geschmack des besuchten Landes nicht missen möchte. Vielen fehlt ihre Heimat oder brauchen neben Döner und Pasta etwas Abwechslung. Oft waren dies die Gründe, wieso Bewohner aus Marburg und Umgebung das Geschäft für asiatische Lebensmittel im Stadtzentrum aufsuchten.

Und Pham Thi kennt ihre Stammkunden gut. Wenn diese ins Geschäft kommen und fragen, welchen Reis sie immer essen, dann weiß Pham Thi es. „Bei dem Angebot an Reissorten verlieren manche den Überblick. Ich sage dann: ‚Es ist diese Sorte Jasmin-Reis.‘ So ist es mit vielen Kunden, die seit Jahren bei uns einkaufen, wir wussten, was auf ihrem Einkaufszettel steht“, erzählt die Inhaberin.

Seit Herbst 2000 betreibt die Vietnamesin zusammen mit ihrem Ehemann Reiner Reckling das Lebensmittelgeschäft am Pilgrimstein. Pham Thi wurde in Vietnam geboren und absolvierte ein Studium für Lebensmittelchemie an der Universität Hanoi, das sie beruflich bis nach Kuba brachte. Vor 27 Jahren ist sie nach Deutschland gekommen.

Neben dem Verkauf von länderspezifischen Lebensmitteln etwa aus China, Thailand oder Vietnam gab Pham ihren Kunden auch wertvolle Tipps zum Kochen und Genießen.So müsse man nicht nur Tütensuppen essen, um schnell über die Runden zu kommen. Binnen 15 Minuten sei es möglich, leckeres Thai-Curry mit Kokosmilch und Thai-Basilikum zu kochen.

„Bleiben im Herzen Marburger“

Bei den Geschenkartikeln finden sich neben roten Papierlampen und Winkekatzen, Küchenutensilien oder das passende Besteck. Mit den Jahren konnte Pham nicht nur ihr Deutsch verbessern, sondern auch Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen kennenlernen. Nun sei allerdings die Zeit gekommen, in den Ruhestand zu gehen. Nicht nur das Alter, sondern auch die Entwicklung des Pilgrimsteins hätten sie und ihren Mann zu dieser Entscheidung bewogen.

Man wolle nicht auf eine Verbesserung der Verkehrssituation warten. „Dafür bleibe keine Zeit mehr“, erklärt das Ehepaar. „Der Transport des 20 Kilo schweren Reissacks sowie des übrigen Einkaufs bis zum Parkhaus ist für viele Kunden unzumutbar.“ Mit Freude hat das Ehepaar 17 Jahre Marburg mit seinem Angebot an fernöstlichen Lebensmitteln bereichert. Ganz nebenbei wurden die Geheimnisse der asiatischen Küche an die Kunden weitergegeben.

Pham und ihr Ehemann bedanken sich bei all ihren Kunden. Einige schickten gelegentlich eine Karte aus dem Urlaub, andere verabschiedeten sich nach dem Studium, bevor sie die Stadt verließen. Besonderen Dank gebührt auch dem Vermieter.

Der Verkauf läuft noch bis zum 30. März. „Es gibt zwar Alternativen, jedoch nichts Vergleichbares. Die Vermittlung von Küche und Kultur geht verloren“, zitiert Reckling einen Stammkunden. Das Ehepaar sagt: „Ein Umzug ist geplant, jedoch bleiben wir im Herzen Marburger.“

von Viet Duc Le

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