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Arbeitsmarkt weiter auf Rekordkurs

Flüchtlingszustrom schafft auch neue Stellen Arbeitsmarkt weiter auf Rekordkurs

Stabile Binnennachfrage, zuversichtliche Unternehmer und ein milder Herbst – all das hat die Zahl der Arbeitslosen im November auf ein Rekordtief sinken lassen.

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Die Arbeitslosenquote sinkt im Landkreis auf 3,4 Prozent.

Quelle: Julian Stratenschulte

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist zum Herbstausklang auf ein Rekordtief gesunken. Insgesamt waren im November 2,633 Millionen Menschen ohne Job – das ist der niedrigste November-Wert seit der Wiedervereinigung. Im Oktober hatte die Zahl der Erwerbslosen noch um 16.000 höher gelegen, vor einem Jahr sogar um 84.000, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,0 Prozent.

Behördenchef Frank-Jürgen Weise zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung: „Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, Erwerbstätigkeit und Beschäftigung haben erneut kräftig zugenommen. Damit hat sich der Arbeitsmarkt erneut gut entwickelt und ist für die anstehenden Herausforderungen gerüstet“, sagte er mit Blick auf die im nächsten Jahr erwartete steigende Flüchtlings-Arbeitslosigkeit.

Arbeitsmarkt im Landkreis in „sehr guter Verfassung“

Die stabile Konjunktur hat auch in Hessen zu historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen geführt. Zum Stichtag im November waren 167 209 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Frankfurt berichtete. Weniger Arbeitslose in einem November gab es zuletzt 1992, wie die Regionaldirektion bestätigte. Die landesweite Quote fiel auf 5,1 Prozent.

Die aktuelle Flüchtlingsbewegung wirke sich bislang noch nicht groß auf die Arbeitslosenzahlen in Hessen aus, berichtete die Agentur weiter. Einen „Arbeitsmarkt in sehr guter Verfassung“ sieht Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Marburg. Denn im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitslosen weiter.

Demnach lag die Arbeitslosenquote im Landkreis im November bei 3,4 Prozent – „das entspricht nahezu Vollbeschäftigung“, so Wenz. Im Vorjahresmonat hatte die Quote noch 3,7 Prozent betragen. 4456 Personen waren im November arbeitslos gemeldet – 309 oder 6,5 Prozent weniger als im November vergangenen Jahres. Und auch im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Arbeitslosen leicht um 108 Personen, was einem Rückgang von 2,4 Prozent entspricht. Die Lage habe sich also „auch kurzfristig verbessert“.

Positiv habe sich im November vor allem das frostfreie Wetter niedergeschlagen: Dadurch könnten zahlreiche Saisonbetriebe, wie etwa der Garten- und Landschaftsbau oder das Baugewerbe, ihre Arbeit weiter fortführen, „die Betriebe mussten ihr Personal bisher nicht entlassen“, sagte Gerhard Wenz.

Sorge über Entwicklung bei Schwerbehinderten

Er betonte, dass der weiter anhaltende Aufschwung am Arbeitsmarkt bei nahezu allen Personengruppen gleichermaßen ankomme: So gebe es im Vergleich zum November vergangenen Jahres beispielsweise auch weniger jugendliche Arbeitslose mit einem Minus von 13 Personen oder 3,1 Prozent – ebenso wie weniger Arbeitslose aus der Personengruppe älter als 50 Jahre. Dort sank die Zahl der Arbeitslosen binnen Jahresfrist um 91 oder 6,2 Prozent auf 1366. „Aus der täglichen Arbeit zeigt sich, dass auch ältere Menschen, die ihren Job verlieren, nicht mutlos sein müssen – die Chancen, eine neue Stelle zu finden, sind derzeit sehr gut“, betonte Wenz.

Sorge bereite der Arbeitsagentur lediglich die Entwicklung bei den Schwerbehinderten und bei der Zahl der arbeitslosen Ausländer. Bei den Menschen mit Handicap stiegt die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich um 16 oder 3,4 Prozent auf 481. Und die Zahl der arbeitslosen Ausländer vergrößerte sich um 38 Personen oder 4,4 Prozent auf 893. Diese Gruppe macht 20 Prozent aller Arbeitslosen aus.

Wenz betonte, dass man sich um beide Gruppen noch intensiver kümmern werde. Dazu gebe es auch gute Kapazitäten, denn aufgrund der insgesamt guten Lage auf dem Arbeitsmarkt könnten die Arbeitsvermittler die verbleibenden Arbeitslosen noch intensiver betreuen.

Situation auf Stellenmarkt hat sich weiter verbessert

Zugleich verdeutlichte der Bereichsleiter, dass die Zahl der Flüchtlinge sich bisher noch nicht auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen habe. „Allerdings gehen wir davon aus, dass dies im kommenden Jahr der Fall sein wird“, prognostizierte er. Allerdings habe die Flüchtlingssituation auch positive Auswirkungen – nämlich auf den Stellenmarkt. Es sei vor allem eine gestiegene Nachfrage nach Wach- und Sicherheitspersonal, nach medizinischen Kräften sowie nach Pädagogen und Sozialdiensten deutlich zu beobachten.

Insgesamt habe sich die Situation auf dem Stellenmarkt weiterhin verbessert. So wurden der Arbeitsagentur im November 752 neue Stellen gemeldet – nahezu 200 mehr als noch vor einem Jahr. „Erfreulich hoch“ sei dabei der Anteil an sozialversicherungspflichtigen Stellen: Ihr Anteil betrug 675, was im Vergleich zum Vorjahresmonat einem Plus von 42 Prozent entspricht.

Seit Jahresbeginn seien der Arbeitsagentur 7456 freie Stellen gemeldet worden – rund 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Auf dem Arbeitsmarkt gibt es also weiterhin viel Bewegung, das ist ein positives Signal für alle Arbeitssuchenden“, fasste Gerhard Wenz zusammen.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB II beim Kreisjobcenter (KJC) ist im Vergleich zum Vormonat unverändert stabil geblieben. Die Monatsstatistik weist für November insgesamt 2 816 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind.

Auch Zachow rechnet mit höherer Arbeitslosigkeit

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl demnach um 48 Personen oder 1,7 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt unverändert bei 2,2 Prozent. „Unsere Arbeitslosenzahl befindet sich weiterhin auf einem Rekordtief. Dank der guten Konjunktur ist die aktuelle Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt weiter erfreulich“, beschrieb der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow (CDU) die Erwartungen bis zum Jahreswechsel.

Doch die Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit gehen nach Einschätzung von Zachow allmählich zu Ende. „Für das kommende Jahr rechnen wir aufgrund der großen Zahl von Flüchtlingen, die nicht sofort in den heimischen Arbeitsmarkt integriert werden können, wieder mit steigenden Arbeitslosenzahlen. Nach ihrer Anerkennung werden sich viele Flüchtlinge zunächst arbeitslos melden. Denn für viele sind mangelnde Deutschkenntnisse und fehlende Qualifikationen ein Problem.“

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist in diesem Monat leicht angestiegen. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 51 oder 0,8 Prozent auf insgesamt 6 122. Verglichen mit dem Vorjahrsmonat bedeutet dies einen leichten Anstieg um 22 oder 0,4 Prozent.

Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg um 56 Menschen oder 0,7 Prozent auf 7 936 Personen zu registrieren. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,4 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Zuwachs um 34 Personen.

von Andreas Schmidt 
und unserer Agentur

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