Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Arbeitsmarkt „surft auf einer starken Welle“

Positive Auswirkung des Mindestlohns Arbeitsmarkt „surft auf einer starken Welle“

Dank des milden Winters hat der Arbeitsmarkt nicht an Fahrt verloren: Die 
 Arbeitslosenquote sank im Landkreis binnen 
Jahresfrist um 0,2 Punkte auf 4,2 Prozent.

Voriger Artikel
Pharmaserv verdoppelt Lagerfläche
Nächster Artikel
„Freiwillig“ oder mit Kündigung gehen

Im Landkreis waren im Februar 5 451 Menschen arbeitslos gemeldet.

Quelle: dpa

Marburg. Laut Arbeitsagentur waren im Februar 5 451 Menschen arbeitslos gemeldet, „das sind 210 Personen oder 3,7 Prozent weniger als vor einem Jahr“, sagt Agenturleiter Volker Breustedt. „Das ist auch diesen Monat ein starkes Pfund“, ordnet er die Zahlen ein. Dementsprechend sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr von 4,4 auf 4,2 Prozent.

Es gab im Februar zwar im Vergleich zum Januar 208 arbeitslose Personen mehr als vor einem Monat. Bei den Älteren über 50, den Langzeitarbeitslosen und den Schwerbehinderten waren dagegen weniger Personen arbeitslos als im Januar zu beobachten.

Weniger Flüchtlinge führen zu weniger Arbeitsplätzen

Fast ein Drittel der Arbeitslosen sind dabei älter als 50 Jahre. Doch auch in dieser Gruppe sieht Breustedt Bewegung: „Aktuell sind 1589 Ältere arbeitslos gemeldet. Aber auch deren Zahl sank im Jahresverlauf um 6,4 Prozent“, erläutert er. „Das zeigt, dass das allgemeine Wirtschaftsgeschehen auch die über 50-Jährigen nicht ausschließt“, so Breustedt, sie hätten ebenfalls eine reelle Chance auf Beschäftigung.

Einen signifikanten Anstieg verzeichnet die Arbeitsagentur indes bei den arbeitslosen Ausländern: Deren Zahl stieg binnen Jahresfrist von 1108 auf 1223 – ein Plus von 10,4 Prozent. „Die Tendenz ist vor allem im Bereich des Kreisjobcenters steigend“, so Breustedt: Dort stieg die Zahl der arbeitslosen Ausländer um 102 Personen. „Der Flüchtling von heute ist nicht morgen schon integriert“, sagt der Agentur-Chef. „Es geht viel, und von der Flüchtlingssituation geht auch viel Arbeit aus. Aber die Integration benötigt Zeit.“

Zudem spüre man – auch im Landkreis – das „atmende System Flüchtlingsbetreuung“, wie Breustedt erläutert. „Weniger Flüchtlinge, die zu uns kommen, führen auch dazu, dass Menschen ihre Arbeit wieder verlieren oder nicht weiterbeschäftigt werden.“

„Wir haben eine 
prosperierende Wirtschaft“

Insgesamt sei der Arbeitsmarkt jedoch weiter in Bewegung. Neu arbeitslos meldeten sich 1723 Personen, das waren 423 weniger als im Januar. Von ihnen waren 810 vorher erwerbstätig. Gegenüber Februar vergangenen Jahres meldeten sich 227 oder 15,2 Prozent mehr Personen arbeitslos.

Parallel dazu konnten sich 1516 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 104 oder 7,4 Prozent mehr als vor einem Jahr; gegenüber Januar waren es 35 Personen oder 2,4 Prozent mehr. Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten im Februar nur 470 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden. „Wir haben eine prosperierende Wirtschaft“, so Breustedt, „der Arbeitsmarkt surft auf einer starken Welle.“

Dringend gesucht würden nach wie vor Fachkräfte. Aus diesem Grund gebe es derzeit ein Projekt, „bei dem sich eine Kollegin verstärkt darum bemüht, Leute aus der ,stillen Reserve‘ zu holen“, sagt Volker Breustedt. „Stille Reserve“ sind beispielsweise Frauen, die nach der Familienphase noch nicht wieder in den Arbeitsmarkt eingetreten sind.

Mindestlohn: Zahl der Aufstocker gesunken

Gut ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde hat die Agentur die Auswirkungen untersucht. „Im Juni 2015 gab es im Landkreis 87.588 Beschäftigte – im Jahr davor waren es 86.577. Ein halbes Jahr nach Einführung des Mindestlohns gab es also 1011 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr – das ist eine Steigerung um 1,1 Prozent.“ Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten betrug 16.984, ein Jahr zuvor waren es 17.398, „die Zahl ist also um 414 Menschen oder 2,4 Prozent gesunken“, erläutert Breustedt.

„Der Mindestlohn hat aber auch nicht die Nebentätigkeit der Menschen zerstört, die nebenher noch geringfügig beschäftigt sind“, verdeutlicht Breustedt. Denn deren Zahl stieg von 6958 auf 7077 um 1,7 Prozent. „Es gab also einen Abbau der geringfügigen Beschäftigung – sie sind zum Teil in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse aufgestiegen“, ist sich Breustedt sicher. Zudem sei die Zahl der „Aufstocker“ von 132 im Oktober 2014 auf 109 im Oktober 2015 gesunken.

Nachdem noch im Vormonat die Zahl der Arbeitslosen im Bereich des Sozialgesetzbuches (SGB) II deutlich angestiegen war, ist im Februar wieder ein Rückgang zu verzeichnen: Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises weist 3016 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Januar ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen damit um 85 Personen oder 2,7 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis um 67 Personen oder 2,2 Prozent gesunken.

Zahl der Bedarfsgemeinschaften steigt weiter an

„Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten ist ausgeblieben. Die Tendenz auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis stimmt. Arbeitslose Menschen profitieren weiterhin von der guten konjunkturellen Lage“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow (CDU). „Erfreulich ist, dass wir trotz der steigenden Zahl der Leistungsberechtigten die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat senken konnten“, so Zachow.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist erneut angestiegen. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sie sich um 70 Personen oder 1,1 Prozent auf insgesamt 6 310. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 51 oder 0,8 Prozent.

Auch die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg im Vergleich zum Vormonat um 1 Prozent auf 8210 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,8 Prozent oder 63 Personen über dem Wert des Vorjahres. Insgesamt befanden sich 1143 Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr