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Arbeitsmarkt profitiert von Herbstaufschwung

Arbeitslosenzahlen Arbeitsmarkt profitiert von Herbstaufschwung

Die Herbstbelebung kommt auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt an: 4755 Menschen waren im Oktober arbeitslos, die Quote sank im Vergleich zum Vorjahr von 4,1 auf 3,7 Prozent.

Marburg. Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, zog den „Indian Summer“ für den Vergleich mit dem heimischen Arbeitsmarkt heran: „Der Begriff sagt, wie schön bunt und ansprechend toll die Zahlen sind - aber man muss am Ende natürlich darauf schauen, dass beim Indian Summer auch einige Blätter herunterfallen. Und die dann aufzukehren - das ist unsere Aufgabe.“

Der Geschäftsstellenbezirk Biedenkopf liegt mit einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent „dicht an dem, was man Vollbeschäftigung nennt“, so Breustedt. Marburg sehe mit 4,0 Prozent nicht ganz so gut aus, „hessenweit aber schon“, und Stadtallendorf habe sich im vergangenen Jahr „sehr, sehr gut entwickelt“, dort liegt die Quote bei 3,7 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Arbeitslosen um 10,6 Prozent auf aktuell 4755 gesunken - „das ist schon ein Hammer“, so Breustedt.

Noch deutlicher sei das Minus bei den versicherungspflichtigen Arbeitslosen: diese lägen bei 1898, was einem Rückgang um 12,7 Prozent entspreche.

Insgesamt gebe es knapp ein Fünftel weniger Arbeitslose bei den Jugendlichen bis 25 Jahren, „das ist ein wichtiger Punkt, denn wenn es bei den Jugendlichen schon am Anfang einen schlechten Weg geht, haben wir auch gesamtgesellschaftlich verloren“, so Breustedt.

Die Gruppe der Arbeitslosen älter als 55 Jahre bereitet der Agentur allerdings weiter Sorgen. Zwar sei auch deren Anzahl im Jahresvergleich um 4,8 Prozent gesunken, doch dort gebe es noch Potenzial.

Die Zugänge aus Erwerb seien auch gesunken - um 6 Prozent auf 521 Personen. Allerdings werde diese Zahl vor allem in Stadtallendorf im kommenden Monat steigen - da dort die Nahrungsmittelindustrie aufgrund der Saisonarbeit einige Leute entlassen würde. „Ein Großteil dieser Menschen wird aber am 2. Januar direkt die Arbeit wieder aufnehmen, das ist für uns mittlerweile normales Geschäft“, so Breustedt.

Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin in Bewegung

Walter Horn, Teamleiter des Arbeitgeberservices, und Astrid Heydecke, Teamleiterin der Berufsberatung, stellten den Ausbildungsmarkt vor. Denn statistisch endet das Ausbildungsjahr zum 30. September - obwohl noch „jede Menge Bewegung“ auf dem Markt sei - was auch den späten Sommerferien in Hessen geschuldet sei. 1956 Bewerber habe es gegeben, was einem leichten Minus von 3,3 Prozent entspreche.

Bei den gemeldeten Ausbildungsstellen war der Rückgang indes noch stärker: Er sank um 5,2 Prozent auf 1581. Breustedt appellierte an die Betriebe, auch weiter auszubilden, denn der Azubi von heute sei die Fachkraft von morgen.

Außerdem sollten die Firmen auch jungen Leuten, die nur oder noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss hätten, eine Chance geben. Astrid Heydecke verdeutlichte, dass diese etwa durch ausbildungsbegleitende Hilfen gefördert werden könnten. Ihr Rat: „Schauen Sie nicht so sehr auf die Schulnoten“, diese könnte man noch ändern.

86 Ausbildungsstellen blieben laut Statistik unbesetzt, 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Gründe seien vielfältig - sie reichten von teils speziellen Anforderungen an die Bewerber bis hin zu Arbeitszeiten, in denen der Jugendliche den Betrieb nicht mit Bus oder Bahn erreichen könne.

Zudem blieben 126 Bewerber unversorgt - 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Für diese gehe der Prozess der Ausbildungssuche weiter. So gebe es erfahrungsgemäß in den ersten Monaten des Ausbildungsjahres noch viel Bewegung.

Langzeitarbeitslose: Zahl erneut gesunken

Auch bei den Langzeitarbeitslosen hält die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt weiter an. Das Kreisjobcenter (KJC) weist für Oktober 2857 Langzeitarbeitslose aus. Das sind 71 Menschen oder 2,4 Prozent weniger als im Vormonat. Gegenüber Oktober 2013 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 288 Personen oder 9,2 Prozent gesunken. Damit sinke die Zahl der Arbeitslosen auf einen neuen Tiefststand.

Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen ist im Kreisgebiet gegenüber dem Vormonat (2,3 Prozent) leicht zurückgegangen und liegt aktuell bei 2,2 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,4 Prozent.

„Im Oktober ist die Zahl der arbeitslosen Menschen auch Dank der beginnenden Herbstbelebung erneut gesunken“, sagte Landrätin Kirsten Fründt gestern in Marburg. „Der milde Herbst und die sich über die Sommerferien angestauten Personalentscheidungen bringen wie erwartet moderate Belebung auf den heimischen Arbeitsmarkt“, so Fründt. Größtenteils die vielen Jugendlichen unter 25 Jahren, die sich übergangsweise in den Sommermonaten arbeitslos gemeldet hätten, „konnten im Oktober mit ihren Stärken auf dem Arbeitsmarkt profitieren“, stellte Fründt fest.

Die positive Entwicklung bei der Arbeitslosenzahl spiegelt sich auch bei der Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten wider.

Im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 76 oder 1,2 Prozent auf insgesamt 6107. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies aber einen Anstieg um 225 oder 3,8 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat um 62 oder 0,8 Prozent auf 7934 Personen gesunken. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 3 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 231 Personen.

von Andreas Schmidt

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