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Arbeitsmarkt „läuft richtig rund“

Monatsbilanz Juni Arbeitsmarkt „läuft richtig rund“

Auch für Juni weist die Arbeitsagentur wieder einen Rekord aus: Zurzeit sind so wenige Menschen auf Jobsuche wie in keinem anderen Juni seit gut zwei Jahrzehnten.

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Bundesweit befindet sich die Juni-Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit 1991. Im Landkreis wurde erstmals die 5000er-Marke unterschritten.

Quelle: dpa

Marburg. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist mit 2,711 Millionen auf den niedrigsten Juni-Wert seit 1991 gesunken. „Der Arbeitsmarkt hat sich im Juni günstig entwickelt“, kommentierte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, am Dienstag in Nürnberg. „Zum Ende der Frühjahrsbelebung geht die Arbeitslosigkeit weiter zurück.“

Von Mai auf Juni hatte die Erwerbslosigkeit nach Angaben der Bundesagentur (BA) um 51.000 abgenommen; die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr waren 122.000 Erwerbslose weniger in der amtlichen Statistik registriert.

Die gute Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl der offenen Stellen wider: Im Juni waren bei den Arbeitsagenturen 572.000 Jobangebote gemeldet, 78.000 mehr als vor einem Jahr. Auch Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legten saisonbereinigt weiter zu. So stieg die Erwerbstätigkeit um 7000 auf 42,80 Millionen – im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Zuwachs von 206.000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm von März auf April um 31.000 zu. Somit lag die Zahl der regulären Stellen mit 30,58 Millionen gegenüber dem Vorjahr um 521.000 im Plus.

Stellen: Nachfrage und Bestand auf hohem Niveau

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Juni ebenfalls weiter gesunken. Zum Stichtag waren 174.263 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion Hessen der Arbeitsagentur am Dienstag in Frankfurt berichtete. Das waren rund 3000 weniger als im Mai und fast 7900 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahl ist im Frühsommer normal.

„Die Arbeitskräftenachfrage und somit der Stellenbestand bewegen sich auf einem hohen Niveau“, erklärt der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin. Vor allem gut qualifizierte Arbeitnehmer, die gerade erst ihren Job verloren haben, fänden leicht eine neue Anstellung. Qualifizierung bleibe der Schlüssel zur Integration in die Arbeitswelt, so dass in Hessen weiterhin verstärkt in berufliche Weiterbildungen investiert werde.

Im Landkreis befindet sich der Arbeitsmarkt ebenfalls auf einem „sehr guten Niveau, er läuft richtig rund“, wie Dr. Heike Beber, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Marburg, erläutert. „Wir haben erstmals die 5000er-Marke im Jahr 2015 unterschritten“, so Beber. Demnach waren im Agenturbezirk im Juni 4935 Personen arbeitslos gemeldet, 505 Personen oder 9,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,8 Prozent, vergangenen Monat betrug sie noch 4,0 Prozent, im Vorjahresmonat lag die Arbeitslosenquote bei 4,2 Prozent.

Die Menschen hinter der Quote nicht vergessen

An dem Aufschwung seien alle Personengruppen beteiligt – von den Jungen über die Alten und Langzeitarbeitslosen bis hin zu den Ausländern, „vor allen Gruppen steht das Minuszeichen“, erläutert Beber.
Dennoch relativiert die Pressesprecherin die Zahlen: „Man darf nicht vergessen, dass auch hinter einer niedrigen Quote immer noch eine Menge Menschen stehen“, sagt sie.

Mit denen müsse man arbeiten, sie gegebenenfalls qualifizieren – um ihre Möglichkeiten auf eine neue Anstellung zu verbessern. Insgesamt zeigten die Zahlen, „dass die Arbeitgeber in der Region sehr daran interessiert sind, ihre Fachkräfte an sich zu binden und sie zu halten“, erläutert die Pressesprecherin.

Es gebe zwar viel Bewegung, doch die Chancen stünden derzeit gut. Neu arbeitslos meldeten sich im Juni 1222 Personen, das waren 100 oder rund 9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Nach vorheriger Erwerbstätigkeit meldeten sich 451 Personen arbeitslos, marginal mehr als im Juni 2014 und 43 Personen oder 10,5 Prozent mehr als im Mai 2014.

Ausbildungsmarkt tritt in die „heiße Phase“ ein

Gleichzeitig konnten sich 1476 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Das waren 165 oder 12,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten im Juni 576 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 117 oder 25,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Und auch die gemeldeten Stellen sind im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen: Im Juni sind 694 neue Stellen gemeldet worden – ein sattes Plus von 36,6 Prozent oder 186 Stellen.

Auf dem Ausbildungsmarkt geht es laut Beber „so langsam in die heiße Phase“. Es gibt 1744 gemeldete Bewerber 7,4 Prozent oder 120 Jugendliche mehr als vor einem Jahr. Parallel dazu sind bis jetzt 1514 Berufsausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Marburg gemeldet worden, das sind 7,4 Prozent oder 104 Stellen mehr als ein Jahr zuvor. Zurzeit gebe es 750 unversorgte Bewerber, denen stehen 546 unbesetzte Ausbildungsstellen im Landkreis gegenüber.

Gefragt seien Auszubildende zum Beispiel als Einzelhandelskaufleute, Köche, Verkäufer, zahnmedizinische Fachangestellte, Friseure oder Maler und Lackierer. „Es sind viele Prozesse im Gange. Es kann aber bei einigen Stellen sein, dass sie heute noch frei sind, der Ausbildungsvertrag aber morgen bereits unterschrieben ist“, erläutert Beber.

Bereits seit Jahresbeginn geht die Zahl der arbeitslosen Menschen, die vom Kreisjobcenter (KJC) betreut werden, kontinuierlich zurück: Das KJC weist für den Monat Juni 2947 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind.

Leichter Anstieg bei den Bedarfsgemeinschaften

Im Vergleich zum Vormonat Mai ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen demnach leicht um 11 Personen oder 0,4 Prozent zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis dagegen deutlich um 167 Personen oder 5,4 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt weiter bei 2,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,4 Prozent.

„Die Unternehmen stellen Personal ein und greifen dabei auch wieder stärker auf langzeitarbeitslose Menschen zurück“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow. „Ich hoffe, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten weiter stabilisiert.

Durch die Teilnahme an dem neuen Programm für Langzeitarbeitslose, welches aus Mitteln des europäischen Sozialfonds finanziert wird, versprechen wir uns Integrationserfolge für diese besondere Zielgruppe“, so Zachow.

Entgegen der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften, also die Zahl der Familien und Lebensgemeinschaften, die auf sogenannte Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, angestiegen.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist im Vergleich zum Vormonat um 1,0 Prozent oder 63 auf 6439 Bedarfsgemeinschaften angestiegen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 123 Bedarfsgemeinschaften oder 1,9 Prozent.

von Andreas Schmidt und unserer Agentur

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