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Arbeitsmarkt in Bestform

September-Statistik Arbeitsmarkt in Bestform

Die Arbeitslosenquote im Kreis ist mit nur 3,8 Prozent niedrig. Die Zahl der arbeitslosen Ausländer ist allerdings im Vergleich zum Vorjahresmonat um 50 Prozent gestiegen.

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Die Statistik für den Monat September zeigt einen kräftigen Herbstaufschwung landes- und kreisweit

Quelle: Jens Kalaene/dpa

Marburg. Die Arbeitsmarkt-Statistik für den September ist im Landkreis Marburg-Biedenkopf vergleichsweise positiv. Mit fast 5000 arbeitslosen Menschen im Landkreis beträgt die Quote demnach 3,8 Prozent. In Hessen sind es 5,1 Prozent, im Bund 5,9 Prozent.

Eine große Schere bildet sich in der jüngsten Statistik zwischen Deutschen und Ausländern: Während sich bei den Deutschen die Arbeitslosigkeit verringert hat, stieg sie bei den Ausländern um 50 Prozent, berichtete der Leiter der Agentur für Arbeit in Marburg, Volker Breustedt. 682 Flüchtlinge aus nichteuropäischen Ländern waren in der Agentur für Arbeit registriert. Das ist ein statistisches Mehr von 217 Prozent. „Das macht uns keine Sorgenfalten, weil es der Wirtschaft gut geht“, betont Breustedt.

Die Zahlen verdeutlichen lediglich, dass Menschen, die teilweise vor einem Jahr in Deutschland ankamen, nun erstmals im Arbeitsmarkt erfasst sind. Zum 
1. November will die Agentur gemeinsam mit dem Kreisjobcenter in ihrem Gebäude ein neues Büro für Flüchtlinge und Migranten als Anlaufstelle errichten.

Herbstaufschwung so gut wie seit 1991 nicht mehr

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich berichtete am Donnerstag in seiner Jahres-Bilanz, dass im hiesigen Regierungsbezirk täglich rund 670 Flüchtlinge, einen Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellen. Rund 600 dieser Menschen waren bereits im vergangenen Jahr nach Deutschland geflohen.

Der kräftige Herbstaufschwung hat die Zahl der Arbeitslosen im September auf ein Rekordtief sinken lassen. Mit 2,608 Millionen Erwerbslosen waren so wenig Männer und Frauen auf Jobsuche wie zuletzt im März 1991, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mit. Das waren 77.000 Erwerbslose weniger als im August und 100.000 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,9 Prozent.

Saisonbereinigt sank die Zahl der regulären Arbeitsplätze erstmals seit Langem – und zwar um 18.000 auf 31,24 Millionen. 
BA-Chef Frank Weise geht davon aus, dass sich trotz der wachsenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt fort­
setzen werde.

Die Zahl der jobsuchenden Flüchtlinge stieg 
zuletzt weiter: Im September waren 367.000 Flüchtlinge als arbeitssuchend gemeldet, 157.000 davon als arbeitslos. Dies bedeute, ihnen könne auf der Stelle eine Arbeit vermittelt werden. Die übrigen 210.000 absolvierten größtenteils Sprach- und Integrationskurse oder würden in Trainingskursen auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereitet.

Mehr Hartz-IV-Bezieher aus Asylherkunftsländern

Zugleich wächst aber auch die Zahl der Flüchtlinge, 
die in Deutschland eine Arbeit finden. Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur hatten im Juli 105.000 Menschen aus den acht wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern eine reguläre Arbeit gefunden. Zum Vergleich: Im Juli 2015 waren es lediglich 79.000 gewesen, berichtete die BA.

Da anerkannte oder geduldete Flüchtlinge nach Abschluss ihres Asylverfahrens von den Jobcentern betreut und finanziell unterstützt werden, steigt nach BA-Zahlen derzeit zugleich die Zahl der Hartz-IV-Bezieher aus Asylherkunftsländern. Sie hat sich im Juni mit 469.000 im 
Vergleich zum Juni 2015 verdoppelt. Die Zahl liegt nach BA-
Angaben deutlich über der der arbeitslosen Flüchtlinge, weil dabei alle Familienmitglieder mitgezählt werden.

Dass die steigende Zahl der Flüchtlinge sich bislang nicht stärker in der Arbeitslosen­statistik niedergeschlagen hat, liegt nach BA-Darstellung an der großen Zahl der Integrations­kursteilnehmer unter den Asylbewerbern. Sie würden zwar von den Jobcentern betreut – aber zunächst nicht als Arbeitslose eingestuft.

Zähle man sie und andere Teilnehmer beruflicher Aus- und Fortbildungsmaßnahmen hinzu, läge die Zahl der Arbeitslosen im September deutlich höher – nämlich bei 3,523 Millionen. Fachleute sprechen von der „Unterbeschäftigung“.

Auch mehr Ausländer, die jetzt Job bekommen haben

In Marburg spricht ein Experte, der Leiter der Agentur für Arbeit Volker Breustedt, von „guten Zahlen“ für den Monat September. Mit 4979 arbeitslosen Menschen im Landkreis liegt die Zahl um 164 oder 3,4 Prozent über dem Wert vom September 2015. Im Vergleich zu August 2016 sind es 345 oder 6,5 Prozent weniger Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,8 Prozent. In Hessen insgesamt betrug die Arbeitslosenquote 5,1 Prozent.

Der Blick auf die Personengruppen mache klar, warum 
gegenüber September 2015 die Arbeitslosigkeit gestiegen ist, so Breustedt. Geprägt von der Migration waren vor allem mehr arbeitslose Männer, Jugendliche und Ausländer gezählt worden.

Erstmals konkret zeigt sich nun der Zusammenhang mit den zunehmend am Arbeitsmarkt ankommenden geflüchteten Menschen, da seit Jahresbeginn ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern zu beobachten ist. Während sich bei den Deutschen die Arbeitslosigkeit verringert hat, nahm sie bei den Ausländern – allein durch diese Länder – deutlich zu.

Die Zahl arbeitsloser Männer stieg im Kreis um 184 oder rund 7 Prozent an, die der jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren um 195 oder 36,7 Prozent und die der Ausländer um 458 oder gut 50 Prozent.

Breustedt: Wir schaffen das – nur nicht heute

Deutlich überproportional sind aber auch die Ausländer in sozialversicherungspflichtige 
Beschäftigung eingemündet; gegenüber dem Vorjahr sind 586 mehr in Arbeit, das macht 9,2 Prozent Steigerung bei der Ausländerbeschäftigung aus.

Insgesamt sind 6954 Ausländer im Landkreis sozialversicherungs-beschäftigt. Rückläufig ist dagegen die Zahl der arbeitslosen Menschen ab 50 Jahren, deren Potenzial am Arbeitsmarkt ankommt. Im Vergleich zum Vormonat August zeigt sich der Arbeitsmarkt konjunkturell in Bestform, so Breustedt.

In fast allen Personengruppen gab es weniger Arbeitslose und nur marginale Steigerungen bei den Langzeitarbeitslosen und Ausländern. Das Fazit von Breustedt angesichts der höheren Zahl von arbeitslosen Ausländern: „Wir schaffen das. Der Wirtschaft geht es gut. Ich sage aber nicht, dass wir es heute schaffen.“

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB II (Kreisjobcenter) im Landkreis ist im September gesunken. Das KJC weist insgesamt 2949 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 92 Personen oder 3,0 Prozent weniger als noch im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 65 Personen oder 2,3 Prozent erhöht.

von Anna Ntemiris 
und unserer Agentur

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