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„Solide und aufnahmefähig“

Arbeitsmarkt im Februar „Solide und aufnahmefähig“

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis nahezu unverändert: Im Februar waren 5467 Menschen arbeitslos, 16 mehr als im Vorjahr – die Arbeitslosenquote lag weiterhin bei 4,2 Prozent. Vor allem bei den Flüchtlingen gab es viel Bewegung.

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Die Zahl der gemeldeten Stellen für einen Februar ungewöhnlich hoch

Quelle: Hendrik Schmidt / dpa

Marburg. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Februar auf 2,762 Millionen gesunken. Das waren 149.000 Erwerbslose weniger, als im Vorjahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosigkeit ging damit stärker zurück als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,3 Prozent.

Auch in Hessen entwickelte sich der Arbeitsmarkt positiv: 177.260 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet, 5548 weniger als vor einem Jahr, die Arbeitslosenquote lag bei 5,4 Prozent.

Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, spricht von einem weiterhin „soliden, aufnahmefähigen“ Arbeitsmarkt. Demnach waren im Februar 5467 Menschen im Landkreis arbeitslos, 0,3 Prozent oder 16 Personen mehr als im Februar vergangenen Jahres. Auch im Vergleich zum Januar ist die Zahl der Arbeitslosen weiter leicht gestiegen: 70 Menschen mehr meldeten sich arbeitslos, was 1,3 Prozent entspricht. Schaue man indes auf die Arbeitslosen im Versichertenbereich (SGB III), so sei deren Zahl binnen Jahresfrist um 2,8 Prozent auf 2368 gesunken.

Insbesondere bei den arbeitslosen Ausländern habe es starke Bewegung geben: Deren Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahres-Februar um 21,2 Prozent – 1482 Menschen sind arbeitslos gemeldet. „Dieser Anstieg ist aber stark gesunken“, verdeutlicht Breustedt. So habe es vor zwei Monaten noch – jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat – einen Anstieg um 54 Prozent gegeben, im Januar lag die Steigerung noch bei 31 Prozent. „Diese Talfahrt liegt daran, dass wir besonders Arbeitslose aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern verloren haben“, sagt Breustedt – also gibt es weniger arbeitslos gemeldete Flüchtlinge.

Bundesamt lehnt 
Afghanen nun häufiger ab

Woran liegt es? „Ein Teil hat den Rechtskreis gewechselt, einige sind weggezogen – und ein Großteil befindet sich derzeit in Maßnahmen“, erklärt Breustedt. Somit schlagen diese Personen nicht in der Statistik auf. Wie viele dies genau sind, kann Breustedt aber nicht sagen – „es läuft derzeit noch die Erfassung, wie viele Flüchtlinge sich in sogenannten ,Fremdmaßnahmen‘ befinden“.

„Wir haben alle eingeladen, es gab Gruppen-Infos und Einzelberatungen, um zu sehen, wer überhaupt noch valid vorhanden ist“, verdeutlicht der Agenturleiter. Informationen über Personen, die nicht erschienen seien, habe man an den Landkreis weitergegeben, um nachzuforschen, wo diese seien. Dies sei ein Vorteil des Arbeitsmarktbüros für Flüchtlinge, „dadurch ergeben sich kurze Wege“, sagt Breustedt.

Der Übergang vom Versichertenbereich in die Zuständigkeit des Kreisjobcenters (KJC) werde sich künftig weiter beschleunigen, da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nun schneller entscheide. So würden beispielsweise derzeit verstärkt Afghanen abgelehnt – auch, wenn sie bleiben könnten, „weil sie persönlich verfolgt waren“, erläutert Volker Breustedt. Das erschwere eine Integration in den Arbeitsmarkt immens.

Einen Anstieg von Arbeitslosen verzeichnet die Arbeitsagentur auch in der Gruppe von jungen Menschen unter 25 Jahren: Dort meldeten sich 11 Prozent mehr arbeitslos. „Das liegt aber auch an einem Anstieg der Gruppe unter 20 Jahren“, weiß Breustedt – das habe beispielsweise mit Prüfungsterminen von dreieinhalbjährigen Ausbildungen zu tun, erklärt Pressesprecherin Dr. Heike Beber. „Es gibt aber auch eine Reihe von jungen Leuten, die sich witterungsbedingt später arbeitslos gemeldet haben“, sagt sie. Das gelte analog für weitere Personengruppen.

Unternehmen melden deutlich mehr Stellen

Allerdings sei die Stellenentwicklung auf dem Arbeitsmarkt derzeit „von einer Aufbruchstimmung“ geprägt, erläutert Beber: Demnach seien der Arbeitsagentur im Februar 663 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gemeldet worden – 31 oder 5 Prozent mehr, als im Februar vergangenen Jahres. Aktuell gebe es 2043 sozialversicherungspflichtige Stellen, das seien 190 oder gut 10 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Neu arbeitslos meldeten sich im Landkreis 1800 Personen, 77 oder 4,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Parallel dazu konnten sich 1724 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 208 oder 13,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Die Zahl der Arbeitslosen, die das KJC betreut (Rechtskreis SGB II), ist im Februar wie in den Vormonaten weiter angestiegen. Die aktuelle Statistik des KJC weist insgesamt 3099 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind – 41 Personen oder 1,3 Prozent mehr als im Januar.

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen um 83 Personen oder 2,8 Prozent gestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger liegt bei 2,4 Prozent – wie vergangenes Jahr.

Zachow: Vermittlung ist wichtige Säule der Integration

„Üblicherweise erreichen wir den Höhepunkt der Winterarbeitslosigkeit bereits im Januar“, so der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow. „Dass es in diesem Jahr auch im Februar einen Anstieg gibt, hängt vor allem mit der weiterhin deutlich steigenden Zahl der leistungsberechtigten Personen, unter anderem auch durch die Zuwanderung, sowie dem anhaltenden Winterwetter in den vergangenen Wochen zusammen“, kommentiert Zachow die aktuelle Entwicklung.

„Die Vermittlung von Zugewanderten in Arbeit ist eine wichtige Säule der Integrationsarbeit und der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist auf diesem Sektor nicht nur sehr aktiv, sondern auch erfolgreich“, sagte er.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg im Februar auf 6704 an. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen deutlichen Anstieg um 394 oder 6,2 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg im Vergleich zum Januar um 137 oder 1,6 Prozent auf 8730 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 6,3 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 520 Personen.

von Andreas Schmidt

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