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Arbeitsmarkt blüht im Spätsommer

Ferienende und Ausbildungsstart Arbeitsmarkt blüht im Spätsommer

Die Beschäftigung im Landkreis ist insgesamt stabil. Interessant sind die Details der Arbeitsmarktstatistik für September, die Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Situation zulassen.

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Insbesondere in Stadtallendorf gab es im September wieder mehr offene Stellen als im Vormonat.

Quelle: dpa

Marburg. Im Vergleich zum Vormonat waren im Landkreis im September mit 4815 Frauen und Männern 318 oder 6,2 Prozent weniger Menschen arbeitslos. „Das Ende von Schul- und Betriebsferien und der Ausbildungsbeginn vieler junger Menschen spiegelten sich positiv wider und stützten den Arbeitsmarkt“, erklärte am Mittwoch Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit in Marburg.

Die Situation hat sich besonders im Hinterland im Raum Biedenkopf sowie in der Kernstadt Stadtallendorf entspannt. Der Süßwarenhersteller Ferrero hat im September mehr Personal eingestellt. Die Arbeitslosigkeit sank in der Kernstadt Stadtallendorf um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und in Biedenkopf könne man bei einer Quote von 3,2 Prozent fast von Vollbeschäftigung sprechen, so Breustedt.

Für einen Menschen, der nach einem Job sucht, sei die Statistik natürlich irrelevant, weiß der Agenturchef. Und immerhin meldeten sich 1391 Personen, das waren fast 18 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, neu arbeitslos. Aber auch hier gibt es eine andere Vergleichszahl, die die Statistiker heranziehen: Gegenüber August 2015 waren es 13,2 Prozent weniger. Unter den neuen Arbeitslosen sind viele, die bisher bei Zeitarbeitsfirmen, in der Pharmaindustrie in Marburg oder in der Metallbranche tätig waren.

Flüchtlinge schaffen Jobs

Die Zahl der Arbeitslosen sank landkreisweit bei den meisten Personengruppen. Allerdings gibt es zwei Details, die ein ganz anderes Bild zeigen: Im Vergleich zur Statistik vom Vorjahr gibt es deutlich mehr arbeitslose Schwerbehinderte – ein Plus von fünf Prozent – und Ausländer – eine Zunahme von elf Prozent. Anders ausgedrückt: 10,3 Prozent der Arbeitslosen im Kreis sind schwerbehindert. Rund 20 Prozent sind Ausländer. Die Folgen des Flüchtlingsandrangs der letzten Monate sind inzwischen auch in der Arbeitsmarkt-Statistik zu erkennen. „Das ist eine Herausforderung“, sagt Breustedt. Der Schlüssel sei Qualifikation und Spracherwerb.

Dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) inzwischen der Agentur für Arbeit unterstellt ist, findet Breustedt gut. Das verkürze Verfahren. Ein wichtiger Schritt zur Integration sei nunmal die Arbeit, daher beschäftige sich die Agentur schon längst mit dem Thema Migration. Nun werden die Behörden landesweit noch enger kooperieren.

In den nächsten Wochen werden zwei bis drei Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in Marburg zum BAMF abgeordnet, sagte Breustedt im OP-Gespräch. Breustedt würde es für sinnvoll halten, wenn das BAMF dem Bundesarbeitsministerium unterstellt werde statt wie bisher dem Innenministerium. „Das wäre auch nahe liegend“, sagte er.
Die Flüchtlingscamps im Kreis haben im vergangenen Monat 66 neue Stellen geschaffen: Putzkräfte, Dolmetscher, Sanitäter oder Sozialarbeiter sind dort beschäftigt.

Zachow: Lage so gut wie lange nicht mehr

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB II, Langzeitarbeitslose, für die das Kreisjobcenter (KJC) zuständig ist, ist wieder gesunken. Das KJC weist für September insgesamt 2 884 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat August ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 75 Personen oder 2,5 Prozent zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 44 Personen oder 1,5 Prozent gesunken.

„Die Arbeitsmarktlage ist derzeit so gut wie lange nicht mehr. Auf uns wartet allerdings schon die nächste große Herausforderung: die wachsende Zahl der Flüchtlinge“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). „Der regionale Arbeitsmarkt ist derzeit stabil und aufnahmefähig. Wer gut Deutsch spricht und qualifiziert ist, wird schnell eine Stelle finden“, sagte Zachow. Dies treffe allerdings nicht auf den Großteil der neu ankommenden Flüchtlinge zu. „Deshalb müssen wir rasch in Sprache und Bildung investieren. Das erhöht die Chancen auf Arbeit“, so Zachow. Arbeit sei zudem die beste Form der Integration.

von Anna Ntemiris

 
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