Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Arbeitslosigkeit im Kreis steigt, Markt ist stabil

Dezember-Statistik Arbeitslosigkeit im Kreis steigt, Markt ist stabil

In Deutschland waren 2016 so wenige Menschen arbeitslos wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der Arbeitsmarkt war im Dezember robust – auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Voriger Artikel
Apotheke in Lohra unter neuer Leitung
Nächster Artikel
Meister-Trio bei Handwerkerfamilie Preis

Die Zahl der Flüchtlinge, die auf eine Arbeit hoffen, ist erneut leicht gestiegen.

Quelle: Michael Kappeler

Marburg. Mehr Arbeitslose im Dezember bringen den Arbeitsmarkt in der Region nicht durcheinander, sagt der Marburger Agenturleiter. Wenn mehr Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen, könne die Situation entschärft werden.

Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen witterungsbedingt um 36.000 auf 2,568 Millionen. Der Anstieg lag unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkt auf 5,8 Prozent. Zählt man allerdings auch jene Jobsucher hinzu, die derzeit Bildungsmaßnahmen absolvieren und daher in der offiziellen Statistik nicht auftauchen, gab es im Dezember 3,565 Millionen Menschen ohne Arbeit.

Die sogenannte Unterbeschäftigung war zuletzt durch die steigende Zahl erwerbsloser Flüchtlinge spürbar gestiegen. Der hessische Arbeitsmarkt hat ein gutes Jahr mit einem robusten Ergebnis im Dezember abgeschlossen. 2328 mehr Frauen und Männer als im November meldeten sich arbeitslos, aber 2046 weniger als ein Jahr zuvor.

Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 5 Prozent, im Kreis bei 3,9 Prozent. Als Herausforderung bezeichnete der Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, Volker Breustedt, die Integration einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es rund 55 Prozent mehr arbeitslose Ausländer im Kreis.

Zahl der Langzeitarbeitslosen geht zurück

„Der Arbeitsmarkt ist robust. Die Herausforderungen durch die Migration sind mit kleinen Dellen zu bewältigen“: So fasst Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit in Marburg, die aktuelle Entwicklung der Beschäftigungssituation zusammen. Der Bestand an Arbeitslosen zum Vormonat ist saisonüblich gestiegen. 5016 Personen waren im Dezember arbeitslos gemeldet, 434 oder knapp zehn Prozent mehr als im Dezember 2015 und 193 oder vier Prozent mehr als im November 2016. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 3,9 Prozent im Landkreis, damit lag sie wie so oft unter der hessen- und bundesweiten Quote.

In allen Regionen des Landkreises gab es mehr Arbeitslose als vor einem Jahr. „Der Migrationsfaktor ist überall im Landkreis zu spüren“, heißt es in der Pressemitteilung der Agentur. Konkret ist ein auffälliger Anstieg bei jüngeren Migranten, die als Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan und Syrien nach Deutschland kamen, zu beobachten.

Damit halte der Trend der vergangenen Monate an: Gegenüber dem Vorjahresmonat gab es 207 oder rund 53 Prozent mehr Arbeitslose bei den Jüngeren im Alter von 15 bis 25 Jahren und 521 oder rund 55 Prozent bei der Gruppe der Ausländer. In Kommunen wie Biedenkopf, Breidenbach, Dautphetal oder Stadtallendorf, wo besonders viele junge Flüchtlinge leben, so Breustedt, ist die Arbeitslosigkeit enorm gestiegen. In Breidenbach zum Beispiel um 73,3 Prozent im Vergleich zum Dezember 2015. In Stadtallendorf gab es einen Anstieg von 46,1 Prozent.

Erfreuliches kann Breustedt über die Situation der Langzeitarbeitslosen berichten: Es gab 6,1 Prozent weniger Langzeitarbeitslose gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Markt nehme derzeit sogar Langzeitarbeitslose auf, die üblicherweise wenig Chancen haben, einen Job zu finden. „Daher muss die Aufgabe sein, sich konsequent um Flüchtlinge zu kümmern“, so Breustedt.

Beginn einer Ausbildung ist der Schlüssel

„Der Riesenanstieg der Arbeitslosigkeit macht uns Probleme, aber wir wissen, woher das kommt und es kam nicht unerwartet. Wir werden mit dieser Aufgabe fertig“, sagt der Agenturchef. Im Dezember waren 11.104 Menschen mit Fluchthintergrund in Hessen arbeitslos gemeldet. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug 6,7 Prozent, im Juni 2016 waren es 4,8 Prozent.

Was schlägt die Agentur für Arbeit in Marburg vor, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren? „Das größte Potenzial besteht in der Ausbildung“, sagt Breustedt. Den jungen Migranten müsse vermittelt werden, dass es sich lohne, drei Jahre in die Berufsschule zu gehen und eine Ausbildung zu beginnen. „Viele wollen aber sofort richtig Geld verdienen, um ihre Familien zu versorgen. Aus ihren Heimatländern kennen sie zum Teil kein Ausbildungssystem wie in Deutschland.“ Die Firmen seien bereit, Flüchtlinge auszubilden, betont er.

Bewegung auf dem Markt: Neu arbeitslos meldeten sich 1478 Personen oder fast 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zuvor erwerbstätig waren 693 Personen gewesen, das waren 106 oder rund 18 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zum November 2016 betrug der Anstieg 14,4 Prozent. Parallel dazu konnten sich 1280 Männer und Frauen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, das sind 15,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

KJC rechnet mit Zunahme an Arbeitslosigkeit

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das Kreisjobcenter (KJC) betreut, ist im Landkreis Marburg-Biedenkopf im Dezember erneut angestiegen.­ Die Monatsbilanz des KJC weist insgesamt 2 906 erwerbsfähige­ Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 13 Personen oder 0,4 Prozent mehr als noch im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 74 Personen oder 2,6 Prozent erhöht. „Ein solcher Anstieg der Arbeitslosenzahl zum Jahresende ist nicht ungewöhnlich“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU).

„Wir haben im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Anstieg bei der Anzahl der Leistungsbezieher. Angesichts dessen, ist der nur geringe Anstieg der Langzeitarbeitslosen durchaus erfreulich“, sagt Zachow. „Wir rechnen für die nächsten Monate aber mit einer weiteren Zunahme der Beschäftigungslosigkeit. Die Beendigung befristeter Beschäftigungsverhältnisse sowie das Auslaufen von Maßnahmen zum Jahresende finden sich erst in der Januar-Statistik wieder.“

Am Pharmastandort Marburg herrscht derzeit ein Aufschwung. Nach Informationen der OP stellt auch das Unternehmen GSK wieder Mitarbeiter ein, nachdem im vergangenen Jahr freiwillig Menschen das Angebot einer Abfindung annahmen und den Betrieb verließen.

In Stadtallendorf vermeldete die Agentur für Dezember saisonbedingt einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, der auch mit der Produktion beim Süßwarenhersteller Ferrero zusammenhängt. Es melden sich Mitte Dezember Menschen arbeitslos, die wissen, dass sie wieder mit einer Beschäftigung im Unternehmen rechnen können.

von Anna Ntemiris und unserer Agentur

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr