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Arbeitslosenzahl steigt durch Flüchtlinge

Januar-Statistik Arbeitslosenzahl steigt durch Flüchtlinge

Trotz eines Anstiegs der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr fällt die Bewertung der Arbeitsagentur positiv aus. Der Markt sei „robust trotz saisonaler Einflüsse“, der Migrationsfaktor aber weiterhin spürbar.

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Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind weiterhin gut. Allerdings sorgt der neue US-Präsident für „gewisse Bedenken“ bei heimischen Unternehmen.

Quelle: Ole Spata

Marburg. Insgesamt 5397 Personen waren im Januar 2017 in Marburg-Biedenkopf arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Dezember 2016 bedeutet das einen Anstieg von 7,6 Prozent (381 Menschen), gegenüber dem Vorjahresmonat von 2,9 Prozent (154). Grund für Kopfzerbrechen sei das aber nicht, erläutert der Leiter der Agentur für Arbeit in Marburg, Volker Breustedt.

Die Entwicklung im Vergleich zum Dezember sei saisonüblich, so Breustedt. Die Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten liegt immer höher als im Sommer. Hinzu kämen viele befristete Arbeitsverträge, die obligatorisch zum 31. Dezember eines Jahres endeten. Der Januar 2016 sei zudem ein „Ausnahmemonat“ gewesen. Durch die Flüchtlingskrise seien viele Sozialarbeiter, Dolmetscher und andere Helfer eingestellt worden.

Der Anstieg im Vergleich zum Januar 2016 ist aber nicht nur deswegen vor allem auf die Asylbewerber zurückzuführen. Viele von diesen sind im Laufe des Jahres auf den Arbeitsmarkt gekommen. Auch auf diesem Feld gibt es aber inzwischen eine positive Tendenz. Während die Agentur noch im November 695 Arbeitslose aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern zählte, sind aktuell noch 577 in dieser Statistik geführt. „Einige haben wir in eine Ausbildung gebracht, andere in Arbeit. Manche sind auch weggezogen“, so Breustedt. Es lasse sich festhalten, dass es sich bei der großen Zahl von Flüchtlingen für die Agentur nicht um eine „Tsunamiwelle“ gehandelt habe: „Wir haben gerade mal ein bisschen nasse Füße bekommen, aber wir werden nicht daran ertrinken.“

Weniger Langzeitarbeitslose im Kreis

Im Zuständigkeitsbereich der Agentur erhöhte sich die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr gar um 9,2 Prozent (197 Personen). Neben den Flüchtlingen liege das aber vor allem an einer veränderten Rechtssituation. Für sogenannte „Aufstocker“, die neben ihrem Arbeitslosengeld noch einen Hartz-IV-Zuschuss beziehen, ist seit dem 1. Januar nicht mehr das Kreisjobcenter (KJC) zuständig, sondern die Agentur. Dadurch sei ein großer Teil des Anstiegs erklärbar, ebenso wie der Rückgang im Bereich des Kreisjobcenters.

Positiv ist der leichte Rückgang bei den Langzeitarbeitslosen im Kreis (Zuständigkeit Agentur und Kreisjobcenter). 1686 Menschen waren im Januar als langzeitarbeitslos registriert und damit 11 weniger als im Vorjahr (– 0,6 Prozent). Bei den über 50-Jährigen waren es 3,3 Prozent weniger (1565 Menschen). „Daran kann man festmachen, dass sich etwas tut. Es sind Chancen auch für diese Menschen da“, sagt Breustedt. Bei der Gruppe der unter 25-Jährigen ist die Zahl deutlich gestiegen (um 27,4 Prozent auf 596 Jugendliche), was ebenfalls zu großen Teilen auf die Migration zurückgeht. Insgesamt sei der Arbeitsmarkt „nicht mehr ganz so schnelllebig“. Der Zugang an Arbeitslosen, die aus einer Beschäftigung kommen, lag im Jahresvergleich bei –10,8 Prozent. Dafür wurden aber 4,3 Prozent weniger Menschen neu eingestellt.

Die Aussichten für die kommenden Monate seien prinzipiell recht gut, so Breustedt. Im Fall Johnson Controls könne man guter Hoffnung sein, die dort Beschäftigten woanders unterzubringen, da es dort einen „gleitenden Übergang“ gebe. Durch den Sozialplan für die Schließung des Werks könne man in der Übergangsphase schon mit Qualifizierungen der Mitarbeiter beginnen und stehe dazu in Kontakt mit der Firma. Insgesamt verfüge der Landkreis über einen starken „Branchenmix“ und beherberge viele mittelständische Unternehmen, die auf ihrem Gebiet einzigartig seien. „Da ist ein gewisser Stabilitätsfaktor drin.“

Bundesweit weniger Arbeitslose als im Vorjahr

Allerdings könnten auch die heimischen Firmen von einer aufkommenden Verunsicherung in der Wirtschaft betroffen sein. „Niemand kann so richtig einschätzen, welche Auswirkungen das hat, was der amerikanische Präsident gerade so treibt“. Wirtschaft sei immer von Stabilität und Planungssicherheit abhängig – das gelte insbesondere für ein Exportland wie Deutschland. Auch im Landkreis gebe es einige produktionsorientierte Betriebe, die „noch keine Sorgenfalten, aber gewisse Bedenken“ hätten. „Ich habe schon einige Stimmen gehört, die gesagt haben: Trump macht es uns schwer, zu planen“, berichtet Breustedt.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das Kreisjobcenter betreut, ist zu Jahresbeginn angestiegen. Die aktuelle Statistik des KJC weist 3058 Arbeitslose aus. Das sind 152 Personen oder 5,2 Prozent mehr als noch im Vormonat. Gegenüber dem Januar 2016 ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 43 Personen oder 1,4 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger liegt wie im Vorjahr bei 2,4 Prozent. „Der Winter ist auf dem heimischen Arbeitsmarkt angekommen“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Insbesondere bei Migranten werden die Vorjahreswerte deutlich überschritten. „Die Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt wird auch im Jahr 2017 ein Schlüsselthema sein“, erklärt Zachow.

Die Arbeitslosenquote für den Kreis liegt bei 4,2 Prozent (Region Marburg: 4,2 Prozent, Region Stadtallendorf: 4,3 Prozent, Region Biedenkopf: 3,9 Prozent) und damit deutlich unter dem hessischen Durchschnitt von 5,4 Prozent. Bundesweit liegt sie mit 6,3 Prozent um 2,1 Prozent höher als im Landkreis. 209.000 mehr Erwerbslose als im Dezember bedeuten 2,777 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Jobsucher dagegen um 143.000 zurück.

von Peter Gassner

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